Karrierewechsel in 5 Schritten: So gelingt die berufliche Neuorientierung

Berufliche Neuorientierung und Karrierewechsel

Ein Karrierewechsel ist nach ein paar Jahren im Job nicht mehr möglich? Unsinn! Wir verraten, wie Sie den Wechsel in ein neues Berufsfeld strategisch vorbereiten und befragen Experten zu ihren besten Tipps.

So gelingt der Karrierewechsel

Sie haben jahrelang studiert, um Rechnungsprüfer zu werden. Nach fünf Jahren im Finanzwesen sind Sie sich nun sicher: Zahlen sind nicht Ihr Ding. Sie wären viel lieber Künstler – zweifelsohne eine 180-Grad-Wendung zu Ihrem jetzigen Bürojob.

Sie sind nervös. Sie fragen sich, ob es überhaupt möglich ist, einen derart umfassenden Karrierewechsel zu vollziehen. Wir versichern Ihnen an dieser Stelle: Ja, das ist es. Es ist nicht nur möglich, sich beruflich neu zu orientieren, sondern sogar realistisch. Wenn Sie bereit sind, Arbeit in Ihren Karrieretraum zu stecken, dann wird dieser sich auch erfüllen. Die folgenden Tipps sollen Ihnen dabei helfen, den Wechsel in Angriff zu nehmen und so einen neuen Job zu finden. 

Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl

Sie sind zwar in Ihrer jetzigen Branche unzufrieden, so richtig können Sie sich aber trotzdem nicht zu einer Veränderung durchringen. Das ist nicht verwunderlich. Denn oft verbleiben wir lieber in einer unangenehmen, aber bekannten Situation, als uns der Angst vor etwas Neuem zu stellen. Statt sich jedoch Ihrem Elend zu ergeben, sollten Sie laut Aurora Meneghello, der Gründerin von Repurpose Your Purpose, ein Risiko eingehen und sich für etwas ganz Neues entscheiden.

„Es mag Sie enttäuschen dies zu hören, aber Sie werden wohl kaum wissen, was Sie tun sollten und ob Sie damit Erfolg haben werden, bevor Sie es ausprobieren", so Meneghello. „Folgen Sie Ihrem Gefühl, dass Sie etwas anderes tun sollten. Probieren Sie es, scheitern Sie, ändern Sie Ihren Kurs und probieren Sie es weiter, bis Sie Ihre Berufung finden.

Sie fährt fort: „Es kann sein, dass Ihnen die zündende Idee nicht kommt, bevor Sie Ihren jetzigen Job kündigen. Aber wenn Sie einmal die richtige Karriere für sich gefunden haben, dann werden Sie das spüren.“ Die Hauptsache ist laut Meneghello, dass Sie es probieren. 

Suchen Sie zielgerichtet nach neuen Jobs

Sie sind sich sicher, dass es Zeit für einen Karrierewechsel ist? Wenn Sie bereit sind, Ihrem Bauchgefühl zu folgen, sollten Sie sich jetzt an die Jobsuche machen. Bewerben Sie sich jedoch nicht gleich auf den erstbesten Job in Ihrer Wunschbranche. Schließlich wollen Sie vermeiden, sich bald wieder in Ihrer jetzigen Situation wiederzufinden, auf der Suche nach Veränderung.

Wenn Sie also Ihre Stellensuche starten, „seien Sie sich im Klaren darüber, was Sie wollen, warum Sie es wollen und was Sie dafür qualifiziert“, so Roy Cohen, Karrierecoach und Autor des Bestsellers „The Wall Street Professional’s Survival Guide“. „Wenn Sie am Anfang keine Klarheit schaffen, verlassen Sie sich ausschließlich auf Ihr Bauchgefühl – das ist ein sehr wackliges Fundament für Ihre Jobsuche.

Cohen sagt, dass Ihre Stellensuche eine Form der Selbstbewertung beinhalten sollte. „Sie könnten dazu beispielsweise ein standardisiertes Bewertungstool verwenden, ein Tagebuch führen oder mit Menschen sprechen, deren Rat und Feedback Sie schätzen: Freunde, Verwandte oder auch ein Karrierecoach. Das Ziel besteht darin, Selbstbewusstsein in Form eines Karriereziels zu entwickeln.“ Der nächste und ebenso wichtige Schritt, so Cohen weiter, ist ein Realitätscheck. „Hier ermitteln Sie, ob das von Ihnen gewählte Ziel sinnvoll ist. Ist es für Sie geeignet? Und ist es erreichbar?“

Bringen Sie Ihren Lebenslauf in Form

Sie haben vielleicht noch keine Erfahrung in Ihrem Wunschbereich, aber jeder Mensch hat so genannte übertragbare Kompetenzen. Das sind Fähigkeiten, die jeder Manager sich von seinen Mitarbeitern wünscht.

Wenn Sie Ihre Karriere in neue Bahnen lenken, sollten Sie diese Fähigkeiten laut Karrierecoach Anish Majumdar besonders hervorheben. Majumdar ist davon überzeugt, dass Ihre Ausbildung nach einigen Jahren im Berufsleben allmählich in den Hintergrund tritt und Kompetenzen wie die folgenden eine wichtigere Rolle spielen:

  • Veränderungen managen: wie gut gehen Sie mit konstantem Wandel im Unternehmen um?
  • Kommunikation: Können Sie Beziehungen aufbauen, Konflikte schlichten und Ihre Mitmenschen positiv beeinflussen?
  • Führungsqualitäten: Können Sie Andere für die Zukunftsvisionen eines Unternehmens begeistern?
  • Lösung komplexer Probleme: Wie verwandeln Sie ein Problem in eine Möglichkeit? 

Nehmen Sie das neue Berufsfeld, in das Sie einsteigen möchten, genau unter die Lupe. Finden Sie heraus, welche dieser übertragbaren Fähigkeiten in der Branche Ihrer Wahl am wichtigsten sind. Genau diese sollten Sie dann in Ihrem Lebenslauf hervorheben. 

Majumdar empfiehlt, Ihre übertragbaren Fähigkeiten im Lebenslauf genau zu erklären, statt sie nur zu nennen. Nennen Sie Zahlen und Fakten. 

Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken

Im Job ist es wie in der Liebe: Wenn Sie bei jemandem punkten wollen – ob in Ihrer aktuellen Branche oder in einer anderen – müssen Sie aktiv werden. Networking-Veranstaltungen helfen Ihnen dabei, mit Menschen Ihrer Zielbranche über Trends, offene Stellen und aktuelle Ereignisse zu sprechen. Zusätzlich haben Sie hier die Möglichkeit, Ihren geplanten Karrierewechsel zu verkünden. 

Es reicht nicht, sich in einer neuen Branche einfach auf Stellen zu bewerben. Sie müssen Werbung für sich machen und Ihr Netzwerk darüber informieren, dass Sie aktiv nach einem neuen Job suchen. Lassen Sie Ihre Bekannten wissen, dass Sie aktiv Schritte unternehmen, um sich fortzubilden, Neues zu lernen und sich beruflich neu auszurichten. 

Was sie dagegen nicht tun sollten: Beim Netzwerken eine frisch gemachte Bekanntschaft nach einem Job fragen. Sie mögen noch so eifrig sein, aber trotzdem sollten Sie der neuen Beziehung ein bisschen Zeit geben, bevor Sie derartige Fragen stellen. Zwar ist das offene Wort im Geschäftsleben außerordentlich wichtig, doch ein solches Maß an Direktheit kann als anmaßend und unhöflich empfunden werden. Ebenso riskant ist die Bitte um eine Empfehlung, besonders wenn man die betreffende Person eigentlich gar nicht kennt. Das Networking sollte eine für beide Seiten vorteilhafte Beziehung ergeben – Ihr Gegenüber ist kein dienstbarer Geist, und Ihr Wunsch ist ihm nicht Befehl.

Zu guter Letzt: Denken Sie über die Grenzen der Branche hinaus. Branchen und Karrieren sind unsteter denn je. Deswegen kann Ihnen ein Netzwerk, das über Ihren unmittelbaren Kompetenzbereich hinausgeht, auch beim nächsten Karriereschritt als Sprungbrett dienen.

Statt gezielt nach Wegen zu suchen, Ihr Netzwerk zu pflegen, sollten Sie probieren, über Ihre Interessen abseits des Berufs mehr Menschen gut kennenzulernen. Treten Sie einem Sportverein bei oder sprechen Sie Menschen an, die Ihnen bei außerberuflichen Veranstaltungen begegnen. Engagieren Sie sich ehrenamtlich für einen guten Zweck. Es geht nicht darum, über die Arbeit zu sprechen, sondern vorerst nur darum, neue Kontakte zu knüpfen. Wer weiß, was sich daraus ergibt. 

Informieren Sie sich aus erster Hand

Bevor Sie sich auf Jobs in Ihrem neugewählten Bereich bewerben, sollten Sie zuvor ein paar informative Interviews mit Menschen führen, die genau das tun, was Sie eines Tages gerne tun würden. Sie erhalten so solide Ratschläge für den Eintritt in die Branche und ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch – solche Informationen sind für jemanden, der noch gar nicht in dieser Branche tätig ist, unbezahlbar.

„Wenn Sie sich mit Entscheidungsträgern treffen möchten, sollten Sie um ein Informationsgespräch bitten“, sagt April Klimkiewicz, Karrierecoach und Inhaberin von bliss evolution. „Statt die harte Tour des ‚Ich suche einen Job, wüssten Sie da etwas?‘ zu fahren, verfolgen Sie mit einem solchen Informationstreffen einen Soft-Sell-Ansatz: Sie fragen nach Informationen, Ihr Gegenüber erzählt Ihnen seine Geschichte und Sie erhalten Ratschläge für die Jobsuche und den Karriereweg.“ Sie sollten keine Hemmungen haben, um ein persönliches Gespräch zu bitten, so Klimkiewicz. „Menschen, die mit ihrer Arbeit zufrieden sind, reden in der Regel gerne darüber, was sie erfolgreich gemacht hat“, sagt sie. „Wenn man also Entscheidungsträger anspricht und um ein Informationstreffen bittet, erhält man früher oder später eine Zusage“.

Keine Angst vor der Bewerbung

Sie haben ihren Traumjob gefunden. Sie haben Ihren Lebenslauf in Form gebracht. Und Sie haben mit Menschen aus Ihrem neuen Berufsfeld gesprochen. Und trotzdem haben Sie immer noch Angst vor der Bewerbung, denn Sie könnten ja eine Absage bekommen. „Bewerben Sie sich trotzdem“, ermutigt Bewerbungsexpertin Jacqui Barrett-Poindexter. „Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen der aktuelle Job nicht gut bekommt, dann sollten Sie schleunigst etwas tun. Sie könnten beispielsweise, wenn Sie sich einen Job bei einem bestimmten Unternehmen wünschen, eine Bewerbung dorthin schicken. Auch wenn Sie ein Ablehnungsschreiben bekommen – oder womöglich gar keine Reaktion – ist das immer noch besser, als gar nichts zu tun. [...] Das Verfassen einer Bewerbung, die Konzentration auf eine Aktivität, mit der Sie Ihre Unzufriedenheit am aktuellen Arbeitsplatz auflösen können: All dies sind Schritte hinaus aus der Passivität.“

Weiterführende Infos

Sie sind bereit für einen beruflichen Wechsel, haben aber keine Ahnung, was Sie sonst noch tun könnten oder wo Sie anfangen sollen? Sie würden gerne wissen, wann Sie bitte noch netzwerken sollen, wenn Sie doch den ganzen Tag arbeiten müssen? Oder sitzen Sie bereits an Ihrer Bewerbung und wissen nicht, wie Sie das Anschreiben beenden sollen? 

Hier sind ein paar sachverwandte Artikel, die diese Fragen beantworten: 

7 Wege nach einem Job zu suchen, wenn Sie schon einen haben

Sie treten auf der Stelle? So geben Sie Ihrer Karriere neuen Schwung

Top-Fähigkeiten, die auf Ihrem Lebenslauf gut aussehen

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