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Berufliche Neuorientierung in 5 Schritten: So gelingt der Karrierewechsel

Glassdoor Team
Glassdoor Team | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 19. Dez. 2019
Sie haben schon viele Jahre in Ihrem Job verbracht und sind nicht mehr glücklich? Die Sorge, für eine berufliche Neuorientierung könnte es zu spät sein, treibt Sie um? Wir verraten Ihnen, wie Sie den Jobwechsel strategisch vorbereiten. Folgen Sie unseren fünf Schritten – und wagen Sie einen Neustart.
Was ist eine berufliche Neuorientierung?
Eine berufliche Neuorientierung bedeutet, dass Sie sich eine neue Herausforderung im Arbeitsleben suchen. Das muss jedoch nicht zwangsläufig mit einem neuen Job oder einer Jobsuche verbunden sein. Auch eine Weiterbildung kann zu einer Neuorientierung zählen, wenn Sie danach neue Bereiche betreuen, aber nicht den Job wechseln. Meist wird diese Art mit dem Begriff berufliche Veränderung bezeichnet.
Wirklich neu orientieren werden Sie sich, wenn Sie in ein für Sie vollkommen neues Arbeitsgebiet wechseln. Das kann verwandt zu Ihrem bisherigen Job sein, aber auch ein ganz anderes Gebiet. Dann reicht eine Weiterbildung nicht aus, sondern Sie müssen neu anfangen.
Schritt 1: Erkenntnis – wann ist es Zeit für eine berufliche Neuorientierung?
Sie kennen das vielleicht: Die Arbeit macht derzeit keinen Spaß und Sie hangeln sich von Wochenende zu Wochenende. Doch ist das schon ein Grund für eine berufliche Neuorientierung? Nein, nicht unbedingt. Gehen Sie in sich und überlegen Sie, was genau Ihnen gerade keine Freude bereitet.
Liegt es an Ihrem Chef oder Ihrer Chefin?
Liegt es an Ihren Arbeitskolleg:innen?
Wenn Sie sich diese Fragen beantworten, können Sie das Problem auch lösen, indem Sie zum Beispiel nach Möglichkeit die Abteilung oder das Team wechseln. Überlegen und analysieren Sie genau, was Sie tun können, wenn die Arbeit keinen Spaß macht. So vermeiden Sie es, voreilige Schlüsse zu ziehen.
Sehen Sie sich Ihre Arbeit zudem im Allgemeinen an. Besteht der Frust nur momentan – oder zieht er sich schon über einen längeren Zeitraum? Wenn Sie schon länger mit Ihrem Beruf hadern und auch Erfolge daran nichts ändern, macht eine berufliche Neuorientierung für Sie Sinn.
Berufliche Neuorientierung – eine Frage des Alters?
Nein. Denn woran Sie sich bei Ihrer Entscheidung nicht orientieren sollten, ist das Alter. Es ist nie zu spät für eine berufliche Neuorientierung. Die angeblich magische Grenze von 40 vergessen Sie am besten. Schließlich stehen Ihnen zu diesem Zeitpunkt noch über 20 Berufsjahre bevor. Das ist in den meisten Fällen mehr als die Hälfte des Arbeitslebens.
Was sind typische Gründe für eine berufliche Neuorientierung?
Temporärer Frust allein ist kein hinreichender Grund für eine berufliche Neuorientierung. Dafür gibt es einige andere Gegebenheiten, die als gute Indikatoren dienen, um Gründe zu identifizieren:
- Ihre Gesundheit: Ihnen geht es in Ihrem Job nicht mehr gut oder Sie sind so erkrankt, dass Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können.
- Fehlende Herausforderungen: Sie haben das Gefühl, dass Sie in Ihrem Beruf nichts mehr Neues lernen und nur noch auf der Stelle treten.
- Finanzielles: Vielleicht haben Sie inzwischen eine Familie und Ihr bisheriges Gehalt reicht nicht mehr. Möglicherweise sehen Sie Anzeichen für eine Unterbezahlung. Trotzdem ist mehr Geld in Ihrem Job nicht möglich – und das, obwohl Sie sich um eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung bemüht haben.
- Allgemeine Zukunftsperspektive des Berufs: Ihr Job wird immer seltener und Sie wollen wechseln, bevor es zu einem Stellenabbau kommt.
Wenn Sie einen oder mehrere dieser Gründe als zutreffend empfinden, ist eine berufliche Neuorientierung das Richtige für Sie. Lassen Sie sich nicht von Ihren Zweifeln zurückhalten, dass es zu spät sein oder Sie versagen könnten.
Machen Sie sich lieber Gedanken darüber, wie Sie diese Erkenntnis in einen Jobwechsel umwandeln können. Denn damit haben Sie auch schon die erste Hürde überwunden: Sie wissen, was Sie ändern müssen.
Wie Sie eine berufliche Neuorientierung zielführend verfolgen
Sie haben beschlossen, dass es Zeit für eine berufliche Neuorientierung ist. Jetzt müssen Sie herausfinden, wohin Sie dieser Weg führt. Um diese Frage zu beantworten, gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten:
- Jobtests im Internet:
Für eine berufliche Neuorientierung kann ein solcher Test ein guter Gradmesser sein. Sie geben an, worin Sie gut sind – und was Sie sich wünschen. Das Ergebnis offenbart Ihnen dann bestimmte Bereiche, die zu Ihnen passen. - Berufliche Neuorientierung mit Coaching:
Gemeinsam mit einem Coaching-Profi arbeiten Sie heraus, was Ihnen bei der Arbeit und im Privatleben wichtig ist und wie Sie diese Ziele erreichen können. Ihr Coach hilft Ihnen dabei, eine Strategie für den Karrierewechsel zu entwickeln und diese zu verfolgen.
Schritt 2: Eine fundierte Recherche anstoßen
Nachdem Sie sich für eine berufliche Neuorientierung entschieden haben, folgt die Recherche. Finden Sie heraus, was in Ihrer Zielbranche eine Rolle spielt und worauf es in Ihrem zukünftigen Job ankommt. Das Internet bietet dafür einen großen Fundus an Artikeln, aber Sie sollten sich auch aus erster Hand informieren.
Fingerspitzengefühl beim Networking
Networking-Veranstaltungen helfen Ihnen dabei, mit Menschen Ihrer Zielbranche über Trends, offene Stellen und aktuelle Ereignisse zu sprechen. Zusätzlich haben Sie hier die Möglichkeit, Ihren geplanten Karrierewechsel zu verkünden. Nutzen Sie diese Chance, um für sich selbst Werbung zu machen. Außerdem erhalten Sie so solide Ratschläge für den Eintritt in die Branche und ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch – solche Informationen sind für jemanden, der noch gar nicht in dieser Branche tätig ist, unbezahlbar.
Nehmen Sie Abstand davon, eine neue Bekanntschaft beim Networking sofort nach einem Job zu fragen. Sie mögen noch so eifrig sein, trotzdem sollten Sie nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen. Zwar ist das offene Wort im Geschäftsleben außerordentlich wichtig, doch ein solches Maß an Direktheit kann als unhöflich empfunden werden.
Ebenso riskant ist die Bitte um eine Empfehlung, besonders wenn man die betreffende Person eigentlich gar nicht kennt. Denn Networking sollte eine für beide Seiten vorteilhafte Beziehung ergeben.
Den Arbeitsalltag kennenlernen und Informationen in Erfahrung bringen
Befragen Sie Ihre neuen Bekanntschaften auch nach Ihrem Arbeitsalltag. Was erwartet Sie und mit welchen Aufgaben würden Sie konfrontiert werden. Achten Sie dabei besonders auf die Aspekte, die Sie an Ihrem derzeitigen Job stören. Versuchen Sie herauszufinden, ob diese Problematik auch in Ihrem neuen Wunschberuf besteht.
Nach der Recherche haben Sie die nächste Hürde überwunden: Sie wissen jetzt, was Sie wollen und was Sie im neuen Berufsfeld erwartet.
Schritt 3: Die Jobsuche starten
Jetzt können Sie sich gezielt mit Stellenanzeigen befassen. Bewerben Sie sich nicht gleich auf den erstbesten Job in Ihrer Wunschbranche. Überlegen Sie sich genau, was das Richtige für Sie ist.
Wenn Sie Ihre Stellensuche starten, „seien Sie sich im Klaren darüber, was Sie wollen, warum Sie es wollen und was Sie dafür qualifiziert“, so Roy Cohen, Karrierecoach und Autor des Bestsellers „The Wall Street Professional’s Survival Guide“. Mit den ersten Punkten haben Sie sich zuvor schon ausgiebig beschäftigt, deswegen konzentrieren Sie sich jetzt auf Ihre Qualifikationen.
Lassen Sie sich nicht von Anforderungen zurückhalten, denen Sie nicht entsprechen. Überlegen Sie, ob Sie diese Ansprüche erreichen oder ausgleichen können. Es sollte sich dabei jedoch nicht um Aspekte handeln, die entscheidend für die ausgeschriebene Stelle sind.
Ein Beispiel: Bewerben Sie sich auf keinen Beruf mit zwingend benötigtem Führerschein, wenn Sie keinen Führerschein haben.
Unterziehen Sie jede Stellenanzeige einem Realitätscheck. Folgen Sie dabei den Fragen von Roy Cohen: „Ermitteln Sie, ob das von Ihnen gewählte Ziel sinnvoll ist. Ist es für Sie geeignet? Und ist es erreichbar?“
Auf diese Weise überwinden Sie die nächste Hürde und finden die Jobs, auf die Sie sich bewerben wollen und können.
Schritt 4: Den Lebenslauf für eine berufliche Neuorientierung gestalten
Als nächsten Schritt sollten Sie sich mit Ihrem Lebenslauf beschäftigen. Sie haben vielleicht noch keine Erfahrung in Ihrem Wunschbereich, aber jeder Mensch hat sogenannte übertragbare Kompetenzen. Das sind Fähigkeiten, die jede:r Manager:in sich von seinen Mitarbeitenden wünscht.
Wenn Sie Ihre Karriere in neue Bahnen lenken, heben Sie diese Fähigkeiten laut Karrierecoach Anish Majumdar besonders hervor. Majumdar ist davon überzeugt, dass Ihre Ausbildung nach einigen Jahren im Berufsleben allmählich in den Hintergrund tritt und Kompetenzen wie die folgenden eine wichtigere Rolle spielen, die auch zu den sogenannten Soft Skills zählen:
- Veränderungen managen:
Wie gut gehen Sie mit konstantem Wandel im Unternehmen um? - Kommunikation und soziale Kompetenz:
Können Sie Beziehungen aufbauen, Konflikte schlichten und Ihre Mitmenschen positiv beeinflussen? - Führungsqualitäten:
Können Sie andere für die Zukunftsvisionen eines Unternehmens begeistern? - Lösung komplexer Probleme:
Wie verwandeln Sie ein Problem in eine Möglichkeit?
Finden Sie heraus, welche übertragbaren Fähigkeiten in der Branche Ihrer Wahl am wichtigsten sind. Genau diese sollten Sie in Ihrem Lebenslauf hervorheben. Majumdar empfiehlt, Ihre übertragbaren Fähigkeiten genau zu erklären, statt sie nur zu nennen. Beweisen Sie Ihr Können am besten mit Zahlen und Fakten.
Schritt 5: Die Bewerbung abschicken
Sie haben Ihren Traumjob gefunden und den Lebenslauf in Form gebracht. Und dank Ihres Netzwerks wissen Sie, was Sie dort erwarten wird. Jetzt fehlt nur noch die Bewerbung oder eine professionelle Bewerbungsmappe.
Für die berufliche Neuorientierung ist die Bewerbung die letzte Hürde. Ihre Unterlagen sind bereit, das Anschreiben steht nun an. Erklären Sie darin Ihre Motivation und Fähigkeiten, die Sie für Ihren neuen Job mitbringen.
Nehmen Sie zum Beispiel einen der Punkte aus Ihrem Lebenslauf und gehen Sie dann genauer darauf ein, wieso Sie diesen Aspekt besonders gut beherrschen. Eine praktische Orientierung hierfür liefert Ihnen unser umfassender Beitrag zum Thema Anschreiben für die Bewerbung: Tipps und Muster.
Bonus-Tipp: Angst vor einer Absage? Trotzdem bewerben
Sie haben Angst vor einer Absage? „Bewerben Sie sich trotzdem“, ermutigt Bewerbungsexpertin Jacqui Barrett-Poindexter. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen der aktuelle Job nicht gut bekommt, dann sollten Sie schleunigst etwas tun.
„Wenn Sie davon träumen, bei einem bestimmten Unternehmen zu arbeiten, dann schicken Sie eine Bewerbung dorthin. Auch wenn Sie ein Ablehnungsschreiben bekommen – oder womöglich gar keine Reaktion – ist das immer noch besser, als gar nichts zu tun. Ob Sie eine Bewerbung schreiben oder sich auf eine Aktivität konzentrieren, durch die Sie am Arbeitsplatz weniger unzufrieden sind: All dies sind Schritte hinaus aus der Passivität.”
Fazit: Mit der richtigen Strategie Mut zur beruflichen Neuorientierung finden
Mit unseren fünf Schritten finden Sie heraus, ob Sie eine berufliche Neuorientierung brauchen und wie Sie diese umsetzen. Sie recherchieren in Ihrem neuen Berufsfeld und finden Stellenanzeigen, die zu Ihnen passen. In Ihrem Lebenslauf heben Sie übergreifende Kompetenzen hervor und schicken schließlich eine Bewerbung ab, in deren Anschreiben Sie diese Fähigkeiten noch einmal explizit aufgreifen.
Zögern Sie nicht, sondern nutzen Sie die Chance eines Neustarts. Mit der richtigen Vorbereitung werden Sie überzeugen. Weitere Tipps rund um die Themen Bewerbungen und Arbeitsalltag finden Sie hier:
Die besten Schlusssätze für Ihr Bewerbungsschreiben
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