Lücken im Lebenslauf: So gehen Sie richtig damit um

Brüche und Lücken im Lebenslauf sind schlecht. So jedenfalls lautet immer noch ein Vorurteil in vielen Bewerberköpfen. Aber sind Lebenslauf-Lücken wirklich noch ein Problem? Nein – wenn man ein paar wichtige Tipps beachtet.

Mut zur Lücke

Ein paar Monate Auszeit nach Abitur oder Universität, ein abgebrochenes Studium oder eine Kündigung mit anschließend längerer Jobsuche: Gründe für eine Pause auf dem Karriereweg gibt es viele. Doch so sinnvoll oder notwendig diese auch ist: Für viele Bewerber ist eine Lücke im Lebenslauf trotzdem eine Belastung.

Denn noch immer hält sich das Vorurteil, dass Unternehmen auf der Suche nach dem perfekten Kandidaten knallhart nach der alten Papierform gehen, nach der nur ein vollkommen nahtloser Lebenslauf ein Beweis für die Qualitäten eines Bewerbers ist. 

Lücken im Lebenslauf sind meistens kein Problem mehr

Doch diese Zeiten sind vorbei. Zum einen, weil sich auch bei den meisten Personalverantwortlichen die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass ein lückenloses und stromlinienförmiges Curriculum Vitae längst nicht immer die Garantie für eine optimale Besetzung der offenen Stelle ist. Zu vielfältig und abwechslungsreich sind heute die Lebenswege. Gerade Angehörige der jüngeren Generationen nutzen die Chancen von Globalisierung und Digitalisierung und probieren sich in Bezug auf Ausbildungs-, Studium- und Berufswahl häufiger aus als ihre Vorgänger.

Zum anderen wird Unternehmen immer mehr bewusst, dass sich gute Bewerber in Zeiten von Fachkräftemangel und geburtenschwächeren Jahrgängen ihren Wunscharbeitgeber zunehmend selbst aussuchen können. Dadurch wird auch der Druck auf Jobsuchende, einen möglichst perfekten Lebenslauf zu präsentieren, deutlich geringer. Vorausgesetzt natürlich, dass man aus fachlicher Sicht für die Stelle geeignet ist. Dieses Kriterium bleibt nach wie vor zentral wichtig, allem Wandel von Werten- und Lebensentwürfen zum Trotz.

Was gilt überhaupt als Lücke im Lebenslauf?

Mittlerweile gelten (Job)-Pausen von bis zu drei Monaten am Stück nicht mehr als Manko, sie müssen deshalb auch in der Bewerbung gar nicht erwähnt oder gar umfangreich erklärt werden.

Länger andauernde Auszeiten vom Beruf sollten Bewerber allerdings weder verschweigen noch mit Tricks vertuschen. Vollkommen unkritisch sind dabei in den allermeisten Fällen Lebenslauf-Lücken wie ein Studienwechsel mit einem oder zwei Wartesemestern, eine Elternzeit oder eine einmalige Arbeitslosigkeit von ein paar Monaten Dauer. Aber auch bei den meisten anderen Gründen kann man mit einer gut formulierten Erklärung (s.u.) etwaige Zweifel an seiner Eignung beseitigen.

Wichtig dabei ist zudem zu wissen: Je länger eine Lücke im Lebenslauf zurückliegt, desto weniger relevant ist sie für die aktuelle Bewertung durch den Personalverantwortlichen. Wer also vor zehn, zwölf Jahren – aus welchen Gründen auch immer - eine längere Pause gemacht hat, muss nun im Normalfall nicht mehr fürchten, danach beurteilt oder gefragt zu werden.

Bei all dem gilt: Das Gesamtbild ist wichtig. Gibt es nur eine Lücke oder gleicht der Lebenslauf einem nicht kompletten Puzzle?

Was sind typische Lücken im Lebenslauf und wie erklärt man sie?

Wartezeit bis zum Berufsstart

Ob nun nach der Schule oder der Universität: Der Start in Ausbildung und Beruf kann dauern und die erste Lücke im Lebenslauf verursachen. Entweder weil Sie Zeit zur Orientierung benötigen oder auf der Suche nach dem wirklich passenden Platz für sich sind. Und genau das ist das perfekte Argument für die Erklärung: Sie wollen ja mit dem wirklich richtigen Job starten. Besser kommt da nur noch an, wenn Sie die Wartezeit mit passenden Praktika oder Weiterbildungen überbrücken.

Studienabbruch

Als Studienabbrecher ist man heute nicht mehr allein, rund 30 Prozent aller deutschen Studenten beenden ihre Universitätslaufbahn ohne Abschluss. Schon deshalb ist die vorzeitige Beendigung eines Studiums keine Schande mehr. Mittlerweile werben sogar viele Firmen ganz gezielt um Abbrecher und locken mit verkürzten und gut dotierten Ausbildungsangeboten. Und auch, wenn Sie die Zeit nach dem Weggang von der Universität nicht gleich für einen Ausbildungsbeginn genutzt haben, ist dies nicht unbedingt ein Nachteil. Vor allem, wenn der Zwischenjob oder das Praktikum gezielt auf ihre neue Berufswahl gemünzt waren. Wichtig ist auch hier, dass Sie diesen Schritt klar und selbstbewusst vertreten und nicht versuchen, ihn durch irgendwelche Tricks zu überspielen.

Ein echter Vorteil kann eine Lücke im Lebenslauf sogar sein, wenn Sie jahrelang auf Ihren Wunschstudienplatz gewartet haben, zum Beispiel wegen eines hohen NCs. Das zeigt Überzeugung und Durchhaltevermögen. Noch mehr, wenn die Wartezeit mit einem studiennahen Job oder Praktikum überbrückt wurde.

Krankheit

Auch wenn es sehr oft nicht fair ist: Wer längere Erkrankungen in seinem Lebenslauf angeben muss (die genaue Krankheit bleibt aber Ihre Privatsache), wird immer noch häufig in die „Nicht belastbar“-Schublade gesteckt und hat damit deutlich weniger Chancen auf den Job. Wichtig ist es deshalb, seine „vollständige Genesung und Einsatzfähigkeit“ deutlich zu betonen und die belastende Zeit auch als genutzte Chance zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung zu beschreiben. Oft werden solche Phasen auch im Vorstellungsgespräch angesprochen, hier gibt es die Gelegenheit, sich noch einmal zu erklären. Man sollte dazu aber auch jetzt nicht ellenlang aus seiner Kranken- und Rehabilitationsakte zitieren.

Auszeiten und Arbeitslosigkeit

Hier gibt es mehrere Varianten, die zum Einsatz kommen können. Entweder sie haben von sich aus gekündigt, um eine Auszeit zu nehmen, zu reisen, einen neuen Job in der gleichen Branche zu suchen oder um sich beruflich ganz neu zu orientieren. Dann können Sie diese Lücke im Lebenslauf getrost offensiv erwähnen, allerdings nicht, ohne ihre Motive, eventuelle Weiterbildungen und Zukunftspläne genau zu beschreiben. Rechnen Sie mit der Neugierde des Personalers, solche selbstbewussten Schritte von potentiellen Jobkandidaten sind immer interessant.

Etwas anderes ist es, wenn Sie von einer Kündigung durch den Arbeitgeber betroffen sind. Wen es aus betrieblichen Gründen (Arbeitsplatzabbau oder Insolvenz) getroffen hat, kann dies auch in seinem Lebenslauf erwähnen. Man sollte aber auch hier alle Schritte auflisten, die man getroffen hat, um aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen. Selbst Aushilfsjobs (unter dem Stichwort „Berufliche Tätigkeiten“) und ehrenamtliches Engagement machen da einen besseren Eindruck als Zeiten der Nichtbeschäftigung. Wichtig ist auch das Wording: Statt „arbeitslos“ sollten Sie bei diesen Lücken stets den Begriff „arbeitssuchend“ verwenden.

Dies ist noch wichtiger bei einer Kündigung aus eigenem Verschulden und anschließender Arbeitslosigkeit. Sie müssen nicht den Grund für die Kündigung angeben und sollten auch auf gar keinen Fall gegen alte Kollegen und Chefs nachtreten.  Und falls der Grund ihrer Arbeitslosigkeit beim Vorstellungsgespräch oder früher doch herauskommt: Zeigen Sie, dass sie aus dieser Episode ihres Lebens gelernt haben und sich und anderen beweisen wollen, dass Sie es besser können.

Elternzeit

Schön, dass dieser Punkt immer häufiger in Lebensläufen auftaucht. Und zunehmend nutzen viele Arbeitnehmer die Elternzeit auch dazu, sich von ihrem alten Job zu verabschieden. Wichtig hierbei ist immer, dass sie nicht von „Babypause“ schreiben, oder stolz berichten, dass sie in der Zeit endlich eigenhändig den Dachausbau fertiggestellt. Diese Zeit sollte vor allem ihrem Nachwuchs gehören und schließlich: Verantwortungsbewusstsein und Empathie macht Sie auch für modern denkende Arbeitgeber interessant.

Lebenslauf-Lücken im Vorstellungsgespräch

Man sollte sich auf jedes Vorstellungsgespräch gut vorbereiten. Wenn man aber weiß, dass es bei dem ein oder anderen Punkt im Lebenslauf haken könnte, gilt das doppelt. Überlegen Sie sich deshalb eine genaue Strategie, mit der Sie die Lücken erklären können, wenn der Personaler Sie darauf anspricht. Aber bleiben Sie dabei bei der Wahrheit – und bei sich selbst: Authentizität ist wichtiger als ein glatt geschliffener Lebenslauf wie aus dem Lehrbuch. Und anschließend versuchen Sie schnell das Gespräch wieder auf den neuen Job zu lenken: Erklären Sie ihrem Gesprächspartner, warum Sie genau der Richtige für die Stelle sind!

P.S. Übrigens: Unter den zehn von Personalverantwortlichen meist genannten Gründen, warum eine Bewerbung schon bei der ersten Ansicht scheitert, sind „Lücken im Lebenslauf“ nicht zu finden. Da stehen schlechte Rechtschreibung und offensichtlich übertriebene Qualifikationen ganz oben.