Die Mitarbeiter haben entschieden! Dies sind die besten Arbeitgeber 2022. Jetzt die Gewinner anzeigen!

Bewerbungsgespräch

20 außergewöhnliche Fragen aus Vorstellungsgesprächen

Gepostet von Felix Altmann

Letzte Aktualisierung 24. November 2022
|8 Min. Lesezeit

„Was sind Ihre Stärken und Schwächen?” war gestern. Jobsuchende werden immer häufiger mit außergewöhnlichen Fragen in Vorstellungsgesprächen konfrontiert, die sie aus der Reserve locken sollen. Glassdoor, eine der weltweit größten Job- und Recruitingplattformen, hat das zum Anlass genommen, Bewertungen von Berufstätigen auszuwerten und die 20 außergewöhnlichsten Fragen aus Bewerbungsgesprächen der letzten zwei Jahre herauszufiltern. 

Besonders kreativ werden Personaler bei Fragen nach der eigenen Persönlichkeit und nach Verhalten in ungewöhnlichen Situationen sowie beim Erfinden kniffliger Schätzfragen.

Schon gewusst? Januar ist die Hochzeit für Bewerbungen und Vorbereitungen auf Job-Interviews. Jobsuchende in Deutschland bewerben sich 15 Prozent häufiger als in einem durchschnittlichen Monat über Glassdoor.

Persönlichkeitsfragen im Bewerbungsgespräch

Diese Fragen werden gestellt, um herauszufinden, ob das Persönlichkeitsprofil der Kandidat:innen auf die Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle passt.

  1. Was wäre der Titel Ihrer Autobiografie? (Boston Consulting)
  2. Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie und warum? (Stollwerck)
  3. Arbeiten Sie, um zu leben, oder leben Sie, um zu arbeiten? (Veeva Systems)
  4. Halten Sie Ihren Job für eine Kunst oder eine Wissenschaft? (Contentful)
  5. Mit welchen Spielzeugen haben Sie als Kind gespielt? (Fele)
  6. Was wäre ein Grund, aus dem wir Sie nicht nehmen sollten? (Bertelsmann)
  7. Was würde Ihre Freundin an Ihnen ändern wollen? (Agap2)
  8. Wo sehen Sie sich in 30 Jahren? (Airbus)
  9. Welchen Rat würden Sie Ihrem 15-Jährigen Ich geben? (Hays)
  10. Was wäre Ihr Traumjob, wenn Sie irgendeinen aussuchen könnten? (PwC)

Verhaltensfragen im Vorstellungsgespräch

Mit diesen Fragen versuchen Personaler zu ergründen, ob Bewerber:innen zur Unternehmenskultur und besonders auch ins Teamgefüge passen.

  1. Was ist wichtiger? Dissens oder Konsens? (BMW)
  2. Würden Sie sich als spontan und humorvoll einschätzen? (Antwort: “Ja”) Dann erzählen Sie doch mal einen Witz. (JAM! Reisen)
  3. Was würden Sie tun, wenn Sie vor dem Kino versetzt werden, aber schon die Tickets gekauft haben? (BMW)
  4. Wenn Sie an einem freien Tag Fehler am Produkt entdecken, würden Sie den Chef anrufen? (Asana Rebel)
  5. Was ist das Verrückteste, das Sie jemals gemacht haben? (EF Education First)
Bewerberinnen üben Antworten für ausgefallene Fragen im Vorstellungsgespräch

Wie beantworte ich eine Persönlichkeits- oder Verhaltensfrage?

  • Bei den Fragen zur eigenen Persönlichkeit und Verhaltensweisen ist es wichtig, authentisch und ehrlich zu sein. Die spielerischen Fragen sind letztlich verkappte Fragen nach Stärken und Schwächen. Sie werden von Personalern gestellt, weil sie häufig auf die direkte Frage danach keine authentischen Antworten erhalten. Indem Jobsuchende in Gedankenspiele verwickelt werden, verlässt das Gespräch die vorgefertigten Pfade. Darauf dürfen sich Bewerber:innen gerne einlassen. 
  • Es gilt bei Fragen nach Persönlichkeit und Verhaltensmustern ein Spagat zu absolvieren. Einerseits sollen Kandidat:innen Persönlichkeit zeigen und gerne auch Humor und Kreativität unter Beweis stellen. Denn genau das ist erwünscht. Andererseits sollten sich Jobsuchende bewusst sein, dass sie sich weiterhin in einer professionellen Bewerbungssituation befinden und nicht allzu privat und geschwätzig werden. 
  • Selbst auf Fragen wie „Arbeitest du, um zu leben, oder lebst du, um zu arbeiten?” ist die gewünschte Antwort heutzutage nicht mehr eindeutig. In Zeiten von „New Work” und Achtsamkeit können Jobsuchende durchaus klar sagen, dass ihnen das Leben wichtiger ist. Sie zeigen damit selbstbewusst, wo ihre Prioritäten liegen. Solange sie verdeutlichen, dass sie motiviert sind, sich im Job reinzuhängen, ist das kein KO-Kriterium mehr.

Wie sollen Bewerber:innen reagieren, wenn sie von einer Frage im Vorstellungsgespräch komplett überrumpelt werden?

„Erst einmal durchatmen“, rät Gesa Weinand, Karriereberaterin und Diplom-Psychologin. „Es kann immer passieren, dass Sie von einer Frage überrumpelt werden. Stellen Sie sich also schon im Voraus auf eine solche Situation ein. Am besten sind Sie ehrlich gegenüber Ihrem Gesprächspartner und teilen diesem mit, dass Sie einen Moment brauchen, um nachzudenken. Antworten Sie nicht unüberlegt aus dem Bauch heraus. Sie können auch laut nachdenken und Ihr Gegenüber an Ihrem Denkprozess teilhaben lassen. So zeigen Sie direkt, wie Sie mit Problemen umgehen. Letztendlich interessiert das oft mehr als eine schnelle Antwort.”

Schätzfragen im Bewerbungsgespräch

Diese Fragen, auch „Brainteaser” genannt, sind dafür da, die analytischen Fähigkeiten und die Problemlösungskompetenz von Kandidat*innen zu testen. Sie sind besonders in wirtschaftlichen oder technischen Berufen geläufig.

  1. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschheit auf außerirdisches Leben stößt? (AppNexus)
  2. Wie viele Grad liegen zwischen dem Minuten- und Stundenzeiger, wenn es 15.15 Uhr ist? (Altran)
  3. Wie viel Umsatz wird in Japan jährlich mit wieder verwendbaren Stäbchen gemacht? (Bain & Company)
  4. Wie viele Schmuckstücke liegen am Strand von Nizza vergraben? (Deloitte)
  5. Wie können Sie bei geschlossener Tür testen, ob ein automatisches Licht im Bad tatsächlich ausgeht? (Daimler)

Bonus-Tipp von Karriereberaterin Gesa Weinand

„Man hat herausgefunden, dass Schätzfragen keinerlei Aussage über die Leistung von Bewerber:innen im tatsächlichen Job treffen können. Deshalb werden sie in vielen Unternehmen schon nicht mehr gestellt.“

Wie beantworte ich eine Schätzfrage?

Schätzfragen beinhalten häufig ein so genanntes Fermi-Problem. Es wird in der Regel verlangt, eine quantitative Abschätzung ohne eine vorhandene Datenbasis abzugeben. Nur selten gibt es eine richtige oder falsche Antwort. Viel wichtiger ist es, die Gesprächspartner Schritt für Schritt durch den eigenen Denkprozess zu führen und die Annahmen zu nennen, die zum Ergebnis führen. 

Eine gute Nachricht für Bewerber:innen zum Schluss: Wer sich durch unerwartete Fragen herausgefordert fühlt, kann das als gutes Zeichen werten. Je schwieriger das Bewerbungsverfahren von Jobsuchenden wahrgenommen wird, desto zufriedener sind sie später im Job. Eine Glassdoor Analyse kam zu dem Schluss, dass der optimale Schwierigkeitsgrad für ein Bewerbungsverfahren bei ungefähr 4,0 („schwer”) auf einer 5-Punkte-Skala liegt.

Welche Fehler sollten Bewerber:innen bei der Beantwortung von Schätzfragen vermeiden?

„Bei Schätzfragen empfehle ich, erst einmal innezuhalten und laut nachzudenken, um Lösungswege zu finden“, sagt Gesa Weinand. „Am besten ist es, wenn man das Gegenüber mit einbezieht und am Denkprozess teilhaben lässt. Schätzfragen erfordern ein analytisches Geschick. Zum Glück gibt es hier häufig kein richtig oder falsch. Analysieren Sie peu à peu unterschiedliche Aspekte in kleineren Teilschritten, um ans Ziel zu kommen.“

Bewerberin beantwortet ausgefallene Fragen im Vorstellungsgespräch

Wie können Bewerber:innen sich vorbereiten, um im Vorstellungsgespräch auf möglichst viele ausgefallene Fragen eine Antwort zu haben?

„Bevor man sich auf verrückte Fragen vorbereitet, erachte ich es als sinnvoll, perfekt auf die Standardfragen vorbereitet zu sein“, rät Gesa Weinand. Auf die folgenden Fragen sollten alle Bewerber:innen eine Antwort parat haben:

„Wenn die Antworten auf diese Fragen klar sind, kann man sich auf die ausgefalleneren Themen vorbereiten. Eine echte Vorbereitung darauf ist nicht ganz so einfach, weil man nie genau wissen kann, was gefragt wird. Ich empfehle, mit einem Freund oder einer Freundin ein Gespräch durchzuspielen und dabei auch verrückte Frage zu stellen, um zu sehen, wie man spontan reagiert. Bedenken Sie: Man kann nicht auf alles vorbereitet sein und das ist auch völlig in Ordnung so.”

Was sind die ausgefallensten Fragen aus einem Vorstellungsgespräch, von denen Sie je gehört haben?

  • „Wenn eine Fee Ihnen drei Wünsche für die Stelle bei uns erfüllen könnte, welche wären das?“
  • „Sie feiern in zehn Jahren einen runden Geburtstag in großer Runde – was werden die Gäste in einer Rede über Sie sagen?“
  • „Wir konnten regelmäßig Posts von Ihnen auf [Social-Media-Platform] während der Arbeitszeit sehen, war das bei Ihrem früheren Arbeitgeber erlaubt?“

„Arbeitgeber stellen Jobsuchenden immer ausgefallenere Fragen im Zuge des Bewerbungsprozesses. Durch ungewöhnliche Herangehensweisen erhoffen sich Personaler einen tieferen Einblick in die Persönlichkeit als mit gängigen Fragen, auf die es vorgestanzte Antworten gibt. Kandidat:innen sollten sich daher nicht davon verunsichern lassen, sondern es als Chance begreifen, mehr von ihrer Persönlichkeit zu zeigen und ein offeneres Gespräch zu führen. Am Ende profitieren beide Seiten davon, wenn es nicht nur fachlich, sondern auch persönlich und kulturell passt.”

Felix Altmann, Experte für Arbeitsmarktthemen bei Glassdoor

Gesa Weinand

Gesa Weinand ist Diplom-Psychologin und seit über 20 Jahren als Personalentwicklerin, Karriereberaterin und Executive Coach tätig, davon 15 Jahre in Führungsfunktionen, unter anderem bei der Deutschen Telekom AG. Seit 2014 führt sie ihr eigenes Unternehmen mit den Schwerpunkten Führungskräfteentwicklung, Coaching und Karriereberatung.

Methodik

Jobsuchende können auf Glassdoor nicht nur Unternehmen insgesamt bewerten, sondern unabhängig davon auch Vorstellungsgespräche und in diesem Zuge auch konkrete gestellte Fragen teilen. Die 20 Fragen wurden aus mehr als 8.000 Fragen aus Vorstellungsgesprächen herausgefiltert, die im Zeitraum vom 27. November 2017 bis 26. November 2019 durch Nutzer:innen auf Glassdoor.de geteilt worden sind.