Körpersprache im Vorstellungsgespräch – Nonverbale Signale deuten und einsetzen

Glassdoor Team
Glassdoor Team | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 11. Juli 2024
Bei der persönlichen Bewerbung entscheidet nicht nur, was gesagt wird. Die Körpersprache nimmt im Vorstellungsgespräch eine entscheidende Bedeutung ein. Was du mit Händen und Füßen, aber auch mit Mimik und Gestik aussagst, verrät viel über deine Persönlichkeit und deine Ambitionen. Wer mehr über die Wirkung der Körpersprache im Bewerbungsgespräch weiß, ist klar im Vorteil. Wie hilft mir die Körpersprache im Vorstellungsgespräch – und wie hinterlasse ich einen perfekten ersten Eindruck? Antworten auf diese Fragen findest du in diesem Beitrag.
Wie wichtig ist die Körpersprache beim Vorstellungsgespräch?
Die Zeugnisse sind 1A, die Qualifikation entspricht exakt der Stellenausschreibung und sogar die Gehaltsvorstellungen stimmen überein. Das sieht nach besten Chancen auf den Traumjob aus – wenn da nicht die Körpersprache wäre. Wer mit hängendem Kopf im Bewerbungsgespräch sitzt, Blickkontakt meidet oder dauerhaft nervös mit den Füßen scharrt, kann, Top-Skills zum Trotz, nicht damit rechnen, das Rennen zu machen.
Umgekehrt ergattern souveräne Bewerber:innen, die Blickkontakt halten und sich ihrer Sache offensichtlich sicher sind, auch ohne perfekte Qualifikationen lukrative Jobs. Wie kann das sein?
Studien zeigen: Nonverbale Kommunikation zählt
Im Jahr 2021 präsentierte das Institut für Psychologie der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster eine Metaanalyse aus verschiedenen Studien, die den Zusammenhang zwischen nonverbaler Kommunikation und Wahrnehmung untersuchten. Das klare Ergebnis: Körpersprache beeinflusst die Wahrnehmung deutlich – und zwar bevor überhaupt ein Wort miteinander gewechselt wurde.
Warum ist die Körpersprache im Vorstellungsgespräch so wichtig?
Genügt nicht ein Blick auf Zeugnisse und Lebenslauf, um die Eignung festzustellen? Keineswegs: Bekanntlich zählt der erste Eindruck und der ist schnell gemacht. Innerhalb von maximal sieben Sekunden bilden sich Menschen eine Meinung über das Gegenüber – und die beeinflusst das Verhalten und die Einschätzung, etwa der Kompetenz. Wer im Vorstellungsgespräch eine Körpersprache verwendet, die Nervosität und Unsicherheit ausstrahlt, kann noch so gute Qualifikationen haben. Die Gefahr, als inkompetent eingeschätzt zu werden, ist sehr hoch.
Körpersprache im Vorstellungsgespräch geschickt einzusetzen, hat folglich direkten Einfluss auf deinen beruflichen Werdegang.
Personaler:innen sollten nonverbale Signale trotzdem nicht überschätzen: Bewerbende sind häufig nervös und das ist nicht immer ein schlechtes Zeichen, im Gegenteil: Es zeigt auch, dass es ihnen wichtig ist, den Job zu bekommen.
Kann man die Körpersprache im Vorstellungsgespräch trainieren?
Die gute Nachricht lautet: Du bist deiner Körpersprache nicht hilflos ausgeliefert, sondern kannst sie steuern. Damit das auch in Stresssituationen wie im Bewerbungsgespräch funktioniert, lohnt es sich, sie zu trainieren.
Übung macht bekanntlich Meister:innen. Um zu erkennen, wie deine Körpersprache im Bewerbungsgespräch wirkt, eignet sich am besten eine Videoaufnahme. Filme dich selbst, während du, etwa mit Freunden oder Familienmitgliedern, ein Bewerbungsgespräch simulierst. Wichtig: Beginne die Aufnahme, wenn du den Raum betrittst. Die ersten Sekunden entscheiden über den ersten Eindruck – und auch deine Haltung und deine Körperspannung sind Teil nonverbaler Kommunikation.
So trainierst du deine Körpersprache
Stellt sich in der anschließenden Analyse heraus, dass du mit deiner Körpersprache Signale der Unsicherheit, starken Nervosität oder eines geringen Selbstbewusstseins ausstrahlst, ist Training angesagt. Ersetze die gewohnte Körpersprache im Alltag durch neue Gewohnheiten.
Körpersprache lässt sich trainieren wie ein Muskel. Durch stetige Wiederholung prägen sich neue Haltungen und Handlungen sukzessive ein. Es kann auch hilfreich sein, Freunde und Familie ins Boot zu holen, die dir regelmäßig Feedback zu deiner Außenwirkung geben.
Welche Formen der Körpersprache mögen Personaler:innen in Vorstellungsgesprächen überhaupt nicht?
Wohl jeder möchte beim Bewerbungsgespräch einen guten Eindruck hinterlassen. Die Körpersprache steht dem jedoch mitunter entgegen. Dabei entscheiden häufig feine Details über Hopp oder Topp. In persönlichen Interviews fallen Personaler:innen diese Haltungen, Gesten und Verhaltensweisen negativ auf:
- Fehlender Blickkontakt: Schau dein Gegenüber mit offenem, freundlichem Blick an und bleib dabei natürlich. Nicht gerne gesehen ist Starren.
- Unfreundlicher Gesichtsausdruck: Lächeln wirkt Wunder und nimmt dein Gegenüber sofort für dich ein. Wer zu ernst schaut, macht einen mürrischen und wenig umgänglichen Eindruck – und das ist in keinem Unternehmen gerne gesehen.
- Schlaffe Körperhaltung und Händedruck: Körperspannung strahlt Dynamik, Selbstbewusstsein und Offenheit aus. Dasselbe gilt für einen festen Händedruck.
- Nervöses Zappeln und Nesteln an Kleidung: Bring deine Garderobe in Ordnung, bevor du den Raum betrittst. Es wirkt unsouverän, beim Betreten des Raumes oder im Gespräch an Bluse oder Hemd, Krawatte oder Schmuck herumzufummeln.
- Arme verschränken: Vor dem Körper verschränkte Arme signalisieren, dass dir besser niemand zu nahe kommt.
Körpersprache im Vorstellungsgespräch: Wohin mit den Händen?
Die meisten Menschen kennen es: Nicht nur im Bewerbungsgespräch stören die Hände einfach. Die Arme zu verschränken, ist keine Option – wohin also mit den Händen im Jobinterview?
Generell sind Gesten, Hand- und Armbewegungen sparsam und kontrolliert einzusetzen. Gestikulieren solltest du ohnehin nur, wenn du selbst sprichst. Hörst du deinem Gegenüber zu, legst du deine Hände am besten in den Schoß. Wichtig: Achte darauf, dass die Handflächen nach oben zeigen. Das strahlt Offenheit aus. Versteckst du dagegen deine Hände, signalisierst du Unehrlichkeit. Vermeide es auch, die Hände zu verschränken. Das strahlt Verschlossenheit aus.
Welche Körpersprache wirkt positiv im Vorstellungsgespräch?
Souverän, selbstbewusst, ohne arrogant herüberzukommen, freundlich und offen: So möchte wohl jeder im Vorstellungsgespräch wirken. Mit geschicktem Einsatz von Körpersprache kann das gelingen – und diese beginnt bereits bei der Begrüßung.
- Achte im Vorstellungsgespräch auf die Körperhaltung. Ein aufrechter Stand mit breiten, geraden Schultern und einem offenen Lächeln, tragen viel zu einem perfekten ersten Eindruck bei.
- Denke daran, dass im Business-Umfeld der oder die Ranghöhere zuerst die Hand ergreift. Ein fester, kurzer Händedruck genügt. Achtung: Schütteln ist tabu.
- Nimm erst Platz, wenn du dazu aufgefordert wirst. Nimm auf dem Stuhl die gesamte Sitzfläche ein, stelle die Beine nebeneinander und verschränke sie nicht. Eine leicht nach vorne gelehnte Haltung signalisiert Interesse und Offenheit.
- Bleib im Gespräch möglichst ruhig. Atme tief durch und konzentriere dich auf dein Gegenüber.
Wie kann ich mit meiner Körpersprache im Videointerview überzeugen?
Remote-Bewerbungen gehören mittlerweile zum Job-Alltag. Für einen ersten Eindruck oder wenn es um einen Job an einem entfernten Standort geht, setzen immer mehr Unternehmen auf Videointerviews. Dabei ist in aller Regel nur dein Oberkörper sichtbar. Was die Körpersprache in einem solchen Bewerbungsgespräch angeht, gelten allerdings dieselben Regeln wie für ein persönliches Interview.
- Nimm eine aufrechte, selbstbewusste Haltung mit leicht nach vorne gebeugtem Oberkörper ein.
- Leg deine Hände auf den Schreibtisch und halte die Handflächen nach oben.
- Setze Gesten nur während deiner Redezeit und sparsam ein.
- Blicke in die Kamera. So sieht es für das Gegenüber aus, als schaust du ihr oder ihm in die Augen.
- Und schließlich gilt: Lächeln nicht vergessen – aber bitte natürlich. Ein breites Grinsen ist nicht gefragt.
Fazit: Körpersprache im Vorstellungsgespräch geschickt einsetzen
Die Körpersprache im Bewerbungsgespräch ist ein entscheidender Faktor für deinen Erfolg. Deine fachliche Qualifikation hast du bereits in deiner schriftlichen Bewerbung unter Beweis gestellt. Im Interview geht es vor allem um die Chemie – und ob diese passt, entscheiden Personaler:innen auch anhand der Körpersprache. Es kann sich lohnen, nonverbale Signale zu trainieren, um häufige Fehler wie verschränkte Arme oder nervöses Gestikulieren zu vermeiden. Dann klappt’s auch mit dem Traumjob.
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