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Wie Sie Ihren Wert als Mitarbeiter erhöhen: ein Manager verrät seine Tipps

Mitarbeitervergütung kann ein emotionales Thema sein – besonders für die Mitarbeiter selbst. Oft wird das Thema in Mitarbeitergesprächen vermieden, dafür aber umso lauter nach Feierabend in Bars diskutiert.

Ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass die Vergütung reflektiert, was der Mitarbeiter dem Unternehmen wert ist. Wenn der Wert steigt, steigt auch die Bezahlung.

Wenn ich meine Meinung mit anderen teile, bekomme ich jedoch oft missmutige Gegenargumente zu hören: „Große Unternehmen kennen den Begriff ‚Loyalität’ nicht.“ „Entlassungen sind komplett willkürlich – was ein Mitarbeiter wert ist, spielt dabei keine Rolle.“ oder auch „Ein Jobwechsel ist der einzige Weg, eine Gehaltserhöhung zu erhalten!“

Und doch: Selbst, wenn jedes Unternehmen so rücksichtslos und herzlos ist, wie einige behaupten – die Entlohnung und der Wert eines Mitarbeiters wären auch dann noch eng miteinander verbunden.

Wieso das so ist und wie Sie Ihren Wert als Mitarbeiter erhöhen können erkläre ich Ihnen hier:

Was passiert hinter verschlossenen Türen?

Schauen wir doch mal was Manager wirklich hinter verschlossenen Türen geheimniskrämerisch besprechen, wenn es um Entlassungen geht.

Sagen wir es geht um die Entlassung eines Kundenservice-Mitarbeiters und das Management muss zwischen zwei Mitarbeitern entscheiden:

Option 1: „Bill“ ist bereits seit 20 Jahren bei der Firma angestellt und hat in der Vergangenheit alle seine Aufgaben erwartungsgemäß erfüllt. Er kommt jeden morgen pünktlich ins Büro und übt alle Kundensupport-Aufgaben so aus, wie es im Lehrbuch steht. Infolgedessen wurde er über die Jahre mehrere Male befördert und verdient nun 20 US-Dollar pro Stunde.

Option 2: „Shelly“ arbeitet erst seit fünf Jahren im Kundenservice. Sie hat eine Reihe von Zusatzqualifikationen erworben und ist für ihr exzellentes zwischenmenschliches Verhalten bekannt. Für die Kunden, die sie betreut, besteht eine 30 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie zusätzliche Produkte kaufen und das Produkt Freunden weiterempfehlen. Sie geht zwar nicht immer nach dem Lehrbuch vor, aber behält ein Auge darauf, wie Ihre Kunden auf das was sie sagt reagieren. Aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Leistung verdient auch sie 20 US-Dollar pro Stunde.

Wer wird entlassen? Natürlich Bill.

Das Unternehmen macht mit Bill Verluste. Wenn Bill entlassen werden würde, könnte ein neuer Mitarbeiter eingestellt werden, der genauso gut nach dem Lehrbuch vorgehen kann, aber nur 12 US-Dollar pro Stunde kostet.

Eine Entlassung von Shelly würde hingegen den Verlust von Kundenempfehlungen und niedrigere Verkaufszahlen bedeuten.

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Der Wert ist nicht das Gleiche wie die Anzahl der Jahre, die ein Mitarbeiter für ein Unternehmen tätig ist

Das Problem mit Bill ist, dass er nicht viel getan hat, was seine hohe Bezahlung rechtfertigt. Die Gehaltserhöhungen haben sich über die Jahre zwar angesammelt, aber sein Wert liegt immer noch bei 12 US-Dollar pro Stunde.

Natürlich möchte ich den Wert seiner Erfahrung und seinen Beitrag für das Unternehmen nicht mindern. Gute Mitarbeiter lernen mit der Zeit dazu und haben daher einen höheren Wert für das Unternehmen. Als Belohnung erhalten sie Gehaltserhöhungen.

Das Problem ist, dass Mitarbeiter oft befördert werden, wenn sie über einen bestimmten Zeitraum die Mindestanforderungen erfüllen. Der eigentliche Wert des Mitarbeiters spielt dabei oft keine Rolle.

Die Anzahl der Jahre, die ein Mitarbeiter bereits bei dem Unternehmen tätig ist, hat letzten Endes keinen großen Einfluss auf den eigentlichen Wert des Mitarbeiters.

Unternehmen zahlen für Wert, nicht für Zeit

Nach einigen Jahren im Job gehen Mitarbeiter häufig davon aus, dass Zeit Geld ist und denken sich: „Ich habe so viele Jahre in diesem Job verbracht, also sollte ich mehr Geld verdienen. Ich brauche eine Gehaltserhöhung!“

Das ist ein Irrtum. Der Wert des Mitarbeiters hängt nicht von der Zeit ab. Es kommt darauf an, was Sie mit Ihrer Zeit im Unternehmen machen – nicht wie viel Zeit Sie bereits dort verbracht haben.

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Mitarbeiter sind Betriebsvermögen

Selbst bei Mitarbeitern, die nach Stunden bezahlt werden, zahlen Unternehmen nicht für Zeit, sondern für Wert. Einfach ausgedrückt: Ein Mitarbeiter ist Teil des Betriebsvermögens und seine Entlohnung ist eine Investition in dieses Vermögen.

Wenn ein Unternehmen in einen Mitarbeiter investiert, muss es sicher sein, dass der Mitarbeiter X-mal mehr Ertrag einbringen wird als er den Arbeitgeber kostet. Je mehr ein Mitarbeiter zum Erlös des Unternehmens beiträgt, desto höher ist sein Wert und desto eher ist das Unternehmen bereit, dem Mitarbeiter ein höheres Gehalt zu zahlen, um ihn zu halten.

Umgekehrt machen Unternehmen mit Mitarbeitern, deren Beitrag weniger Wert ist, Verluste. Auf lange Sicht kann es sich ein Unternehmen nicht leisten, solche Mitarbeiter zu beschäftigen – es sei denn die Mitarbeiter steigern mit der Zeit Ihre Produktivität.

So erhöhen Sie Ihren Wert als Mitarbeiter

Auch wenn in den meisten Unternehmen mit menschlichen und einfühlsamen Managern zwar die gleichen oben genannten Regeln gelten, liegt der Fokus auf der Ermutigung und Förderung der Mitarbeiter, nicht auf dem Loswerden von Ballast.

Normalerweise zeigt sich diese Ermutigung in Form des Gehalts. Je höher der Wert des Mitarbeiters für den Arbeitgeber, desto höher sein Gehalt.

Die Frage ist also: Wie können Mitarbeiter ihren Wert steigern?

Diese drei Schritte helfen dabei:

Schritt 1: Kommen Sie den grundlegenden Erwartungen nach

Bevor Sie darüber nachdenken, wie Sie herausstechen können, stellen Sie sicher, dass Sie alle Erwartungen an Ihre Position erfüllen. Wenn Sie nicht wissen, was genau von Ihnen erwartet wird, fragen Sie Ihren Vorgesetzten.

Sprechen Sie mit Ihrem Chef darüber, was Erfolg in Ihrem Job bedeutet. Sie können auch fragen, wie Ihre Position der Firma nutzt. Darauf aufbauend können Sie sich Ziele setzen und festlegen, wie Sie Ihren Wert steigern können.

Wenn Sie im Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten jedoch feststellen, dass man Erwartungen hat, von denen Sie nichts wussten oder die Sie derzeit nicht erfüllen, sollte Ihre oberste Priorität sein, diesen Erwartungen nachzukommen.

Es kann auch vorkommen, dass selbst Ihr Chef nicht genau weiß, was die Anforderungen an Ihre Position sind. Dann ist es erst recht wichtig sich zusammen zusetzen und die Anforderungen und den Verantwortungsbereich klar zu definieren.

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Schritt 2: Identifizieren Sie Bereiche, in denen Sie herausstechen können

Im Gespräch mit Ihrem Chef sollten Sie auch Projekte festhalten, die für das Unternehmen zusätzliche Werte schaffen können und in Ihren Bereich fallen.

Es ist wichtig, dass Sie diese Projekte gemeinsam mit Ihrem Vorgesetzten festlegen, ansonsten laufen Sie Gefahr, Zeit und Energie in Projekte zu investieren, die Ihre Firma nicht für wichtig hält.

An diesem Punkt sollten Sie sich auch überlegen, wie Sie Ihre Leistung dokumentieren. Wenn Sie im Vertrieb arbeiten ist das Dokumentieren mit harten Fakten und Zahlen recht einfach. In anderen Bereichen ist es jedoch nicht weniger wichtig, die Leistung und Erfolge festzuhalten. Dabei kann zum Beispiel eine Excel-Tabelle helfen, die verschiedene Spalten wie „Erfüllt Erwartungen“, „Übertrifft Erwartungen“ und „Top-Ziele“ enthält. Solch eine Übersicht hilft Ihnen und Ihrem Vorgesetzten im nächsten Mitarbeitergespräch, wenn es darum geht, Ihre Leistung zu beurteilen und potenzielle Gehaltserhöhungen zu verhandeln.

Schritt 3: Erstellen Sie einen Plan und setzen Sie diesen in die Tat um

Nun ist es an der Zeit, alles was Sie eben gelernt haben, in einen detaillierten Plan umzusetzen und diesen zu verwirklichen. Wenn es Ihr Ziel ist, mehr zu verdienen, legen Sie sich auf einen Wunschbetrag fest.

Wählen Sie aus Ihrer Liste von Projekten, mit denen Sie alle Erwartungen übertreffen können, einige wenige Projekte aus, die Ihren Wert und den Nutzen für das Unternehmen erhöhen. Wenn Sie Ihren Plan erstellt haben, der aufzeigt, wie Sie an die Projekte herangehen möchten, präsentieren Sie diesen Plan Ihrem Chef.

Glauben Sie mir, diese Vorgehensweise ist für Ihre nächste Gehaltsverhandlung weitaus vielversprechender, als das alte Argument „Ich heirate und brauche daher eine Gehaltserhöhung“. Auch wenn Ihr Vorgesetzter nicht mit allen Details Ihres Plans einverstanden ist, zeigen Sie damit, dass Sie motiviert sind und verstehen, wie der Laden läuft.

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So erreichen Sie Ihre Ziele

Sie denken sich jetzt wahrscheinlich: „Das ist ja alles schön und gut, aber diese Herangehensweise würde in meinem Unternehmen niemals funktionieren.“

Vielleicht haben Sie Recht. Vielleicht ist Ihr Unternehmen eine Ausnahme. Aber ist es nicht einen Versuch wert?

Das Verhältnis zwischen Mitarbeiterwert und Entlohnung gilt sowohl in großen, schonungslosen Unternehmen als auch in mitarbeiterfreundlichen Firmen.

Einer meiner Mitarbeiter berichtete mir neulich von seiner Erfahrung bei einem früheren Arbeitgeber. Sein damaliges Unternehmen war eher knauserig und hatte besonders bei Entry-Level-Positionen eine hohe Mitarbeiterfluktuation. Er wendete jedoch meine oben beschriebene Methode an und spezialisierte sich auf seinem Gebiet.

Als er nach einiger Zeit begann, sich nach einem neuen Job umzuschauen, wurde seinem Arbeitgeber klar, dass ohne ihn das Unternehmen um Monate oder sogar Jahre zurückgeworfen werde würde.

Er war als Mitarbeiter für das Unternehmen so wertvoll geworden, dass sein Arbeitgeber es sich nicht leisten konnte, ihn zu verlieren. Dies ermöglichte ihm, eine Gehaltserhöhung von 40 Prozent zu verhandeln.

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Schlussfolgerung

Und was ist die Moral der Geschichte? Wenn Sie glauben, eine Gehaltserhöhung verdient zu haben, beschweren Sie sich nicht jeden Freitagabend über einem Bier bei Ihren Freunden darüber. Schauen Sie sich die Ist-Situation an und analysieren Sie, was Sie wirklich wert sind. Sprechen Sie mit Ihrem Chef und arbeiten Sie daran, Ihren Wert für das Unternehmen zu steigern.

 

Jacob Baadsgaard ist Gründer und CEO von Disruptive Advertising. Er ist ein passionierter Unternehmer und seine Mission ist es, Unternehmen beim erfolgreichen Online-Marketing zu helfen.