Zwei Arbeitnehmerinnen besprechen Job Sharing

Was ist Jobsharing? Definition, Modelle, Vor- und Nachteile

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Glassdoor Team | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 27. Apr. 2023

Beim Jobsharing handelt es um ein Arbeitszeitmodell, bei dem eine Stelle aufgeteilt wird. Das Besondere dabei ist, dass diese Stelle nicht vom Arbeitgeber in zwei unabhängige Teilzeitstellen aufgeteilt wird. Vielmehr finden zwei Arbeitnehmer:innen zusammen, die dann die Entscheidungsmacht darüber haben, wie sie das Jobsharing untereinander aufteilen. Bei uns erfahren Sie alles Wichtige über die verschiedenen Modelle, Vor- und Nachteile sowie die richtige Umsetzung.

Was ist Jobsharing? Definition des Modells

Jobsharing ist ein Arbeitszeitmodell, bei dem sich zwei oder mehr Mitarbeitende eine Vollzeitstelle untereinander aufteilen. Die Verteilung der Aufgaben, Verantwortungsbereiche und Arbeitszeiten obliegt in diesem Fall den Arbeitnehmer:innen. Die Partner:innen, die sich eine Stelle teilen, können sich dadurch flexibel überlegen, wer wann arbeiten möchte beziehungsweise wer für welche Aufgabenbereiche zuständig ist. Obwohl das Konzept in Deutschland noch nicht sehr weit verbreitet ist, gewinnt es immer mehr an Beliebtheit. Weil Unternehmen solche Konzepte selten ausschreiben, ist vor allem die Initiative der Arbeitnehmer:innen gefragt, ein solches Modell vorzuschlagen. Voraussetzung dafür ist eine sehr gute Selbstorganisation aller Beteiligten.

Tipp: Die gesetzliche Grundlage für das Jobsharing in Deutschland befindet sich im § 13 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG), Arbeitsplatzteilung.

Welche Jobsharing-Modelle gibt es? 

Eigentlich ist der Begriff Jobsharing lediglich ein Oberbegriff für verschiedene Modelle der Arbeitsteilung. Die folgenden Jobsharing-Modelle sind dabei die bekanntesten. Wir erklären, was genau dahinter steht.

Modell 1: Job Splitting

Beim Job Splitting teilt der Arbeitgeber eine Vollzeitstelle in zwei Teilzeitstellen auf und vergibt diese an verschiedene Arbeitnehmer:innen, die mit separaten Verträgen voneinander unabhängig sind. Genau genommen zählt Job Splitting deshalb nicht wirklich zu den Jobsharing-Modellen. Diese Form ist aber die einfachste und daher eine besonders weit verbreitete Form, um Arbeitszeit aufzuteilen.

Modell 2: Job Pairing

Beim Job Pairing arbeiten die Partner:innen eng zusammen –  und nicht unabhängig voneinander. Die Idee ist, sich die Aufgaben in Abstimmung untereinander aufzuteilen und wichtige Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Gegenüber dem Arbeitgeber besetzen die Arbeitnehmer:innen also als geschlossenes Team eine Vollzeitstelle.

Modell 3: Top Sharing

Beim Top Sharing handelt es sich um die Aufteilung einer Führungsposition, sodass für Mitarbeitende mehr als ein oder eine Vorgesetzte:r zuständig ist. Besonders in diesem Fall ist eine enge Absprache untereinander essenziell. Die Führung der Mitarbeitenden sowie wichtige strategische Aufgaben werden auf mehr als eine Person verteilt.

Modell 4: Peertandems

Sogenannte Peertandems werden vor allem für besonders schwer zu besetzende oder komplexe Schlüsselpositionen genutzt, für die sehr vielfältige Kompetenzen benötigt werden. Mit einem sich ergänzenden Portfolio zweier Arbeitnehmer:innen lassen sich solche Stellen oftmals besser besetzen.

Modell 5: Succession Tandems

In einem Succession Tandem geht es darum, eine Nachfolgekraft für eine besetzte Stelle zu finden, für die Expertise und Erfahrung erforderlich ist. Indem ein erfahrener Mitarbeiter oder eine erfahrene Mitarbeiterin in einer besonderen Form des Mentoring eine zeitlich befristete Tandempartnerschaft mit einer jungen Fachkraft eingeht, kann diese nach und nach von der Expertise der älteren Fachkraft lernen. Das Ziel: Die Fachkraft soll diese Stelle dann am Ende komplett übernehmen.

Modell 6: Crosscompany Tandem

Hier sollen zwei Fachkräfte eine Tandempartnerschaft eingehen, die möglicherweise aus unterschiedlichen Unternehmen, wie etwa Mutter- und Tochtergesellschaft, stammen, jedoch für das gleiche Fachgebiet zuständig sind. Aus diesem Grund wird das Modell auch crossfunktionales Tandem genannt. Ziel des Modells ist es, wichtiges Fachwissen zu bündeln.

Für wen eignet sich Jobsharing?

Grundsätzlich eignet sich Jobsharing für alle, die sich mehr Freizeit wünschen. Das Konzept wird in vielen Branchen bereits umgesetzt, Beispiele hierfür sind Stellen in den folgenden Bereichen:

Vorreiter sind in dieser Hinsicht Ärzte und Ärztinnen sowie Pflegefachkräfte, da diese Berufe mitunter körperlich sehr belastend sind. Doch neben der körperlichen Belastung können viele andere Gründe ausschlaggebend dafür sein, dass Jobsharing in Erwägung gezogen wird.

Berufstätige Eltern können mithilfe von Jobsharing etwa ihre Arbeitszeit zurückfahren, um mehr Zeit für Kinder und Familie zu haben, ohne beispielsweise eine Führungsposition komplett aufgeben zu müssen.

Aber auch für Arbeitnehmer:innen mit einem allgemeinen Wunsch nach mehr Freizeit oder nach einer berufsbegleitenden Weiterbildung ist Jobsharing interessant. „Aufgeteilte“ Jobs lassen sich auch in Betracht ziehen, wenn es darum geht, einen Burnout am Arbeitsplatz zu vermeiden. Grundsätzlich kann jede Position mit Jobsharing besetzt werden, bei der Aufgaben, Verantwortungsbereiche und Arbeitszeiten aufgeteilt werden können.

Tipp: In Ihrem Unternehmen gibt es bisher kein Jobsharing? Schlagen Sie es vor. Gerade im Hinblick auf wichtige HR- und Arbeitsmarkt-Trends können Sie Ihr Unternehmen im Sinne der Zufriedenheit der Mitarbeitenden auf Jobsharing als Möglichkeit aufmerksam machen.

Wie kann ein Jobsharing-Arbeitsverhältnis aussehen?

Wie genau funktioniert aber ein Arbeitsverhältnis für Jobsharing-Jobs? Die Arbeitszeiten müssen beim Jobsharing nicht zwangsläufig gleichmäßig auf die Partner:innen aufgeteilt werden. Neben dem klassischen 50/50 Verhältnis sind auch andere Gewichtungen – wie beispielsweise 40 und 60 Prozent oder 30 und 70 Prozent – möglich. Auch erfolgreich im Home Office arbeiten und regelmäßig ins Büro kommen klappt beim Jobsharing in der Regel nur dann, wenn sich die Partner:innen absprechen. Denn meist ist für die geteilte Stelle in vielen Unternehmen nur ein Arbeitsplatz vorgesehen.

Jeder der beiden Jobsharer:innen erhält einen eigenen Arbeitsvertrag auf Teilzeitbasis. Bei Ausfall eines Jobsharing-Partners oder einer Jobsharing-Partnerin ist die jeweils andere Person nicht automatisch dazu verpflichtet, einzuspringen und die Vertretung zu übernehmen, außer es wurde vertraglich explizit so festgelegt. Im Normalfall muss die Person einer Vertretung im Einzelfall zustimmen. Einen Mustervertrag für Jobsharing gibt es in dieser Hinsicht jedoch nicht.

Welche Voraussetzungen gelten beim Jobsharing?

Beim Jobsharing teilen Sie sich Ihre Position mit Ihrem Jobsharing-Partner oder Ihrer Jobsharing-Partnerin. Dafür ist eine gute Zusammenarbeit zwingend erforderlich, die Qualität Ihrer Arbeit hängt sogar maßgeblich davon ab. Sie sollten daher ein guter Teamplayer und kein:e Einzelkämpfer:in sein – und eine hohe soziale Kompetenz besitzen. Es ist essenziell, dass Sie sich untereinander gut organisieren und offen und ehrlich miteinander kommunizieren. Dadurch, dass Sie gemeinsam eine Stelle besetzen, sollten Sie ebenso kompromissbereit sein und auch auf die Ideen, Vorschläge und Bedenken Ihres Partners oder Ihrer Partnerin eingehen. Eine gute Vertrauensbasis ist für die Zusammenarbeit ebenso unerlässlich. Die wichtigsten Voraussetzungen, die Sie für ein Jobsharing mitbringen sollten, haben wir Ihnen zusammengefasst:

  • Organisationstalent
  • Kommunikationstalent
  • Kompromissbereitschaft
  • Vertrauen zum Jobsharing-Partner bzw. zur Jobsharing-Partnerin
  • Kooperationsbereitschaft
  • Flexibilität

Was sind die Vor- und Nachteile von Jobsharing für Arbeitgeber und Arbeitnehmer:innen?

Als neues Konzept der Arbeitsteilung muss sich Jobsharing erst langsam etablieren. Neben einer Reihe von Vorteilen sind mit Jobsharing sowohl für Arbeitnehmer:innen als auch für Arbeitgeber jedoch auch Nachteile verbunden. Ob Jobsharing das Richtige für Sie ist, sollten Sie sich im Voraus gut überlegen. Als Entscheidungshilfe und zum Überblick fassen wir zentrale Jobsharing Vor- und Nachteile hier zusammen:

Vorteile Arbeitnehmer:innenNachteile Arbeitnehmer:innen
- Teilung der Arbeitszeit
- Unterstützung durch Partner:in
- enge Zusammenarbeit im Team
- mehr Zufriedenheit im Job
- Fehlervermeidung durch Vier-Augen-Prinzip
- Arbeitserfolg von guter Zusammenarbeit abhängig
- Konfliktpotenzial
- häufige Absprachen notwendig
Vorteile ArbeitgeberNachteile Arbeitgeber
- erhöhte Mitarbeitermotivation durch mehr Zufriedenheit
- Nutzung von Synergien
- steigende Attraktivität als Arbeitgeber
- verbesserter Ausgleich bei Urlaub und Krankheit
- hoher Organisationsaufwand
- Arbeitserfolg abhängig von der Zusammenarbeit der Partner:innen
- Ressourcenbindung von zwei Personen für insgesamt eine Vollzeitstelle

Fazit: Ergreifen Sie die Initiative, wenn das Konzept des Jobsharing das Richtige für Sie ist!

Jobsharing ist in einigen Branchen noch nicht weit verbreitet, jedoch in vielen Berufen umsetzbar. Oft sieht der Betrieb selbst aber womöglich gar nicht die Notwendigkeit, Stellenangebote für Jobsharing-Jobs auszuschreiben. Wenn Sie die Vorteile des Jobsharings gerne für sich nutzen möchten, bereiten Sie am besten einige gute Argumente mithilfe unserer Übersicht vor – und suchen Sie sich idealerweise eine:n Tandempartner:in, bevor Sie damit auf das Unternehmen zugehen. Vielleicht helfen Sie mit Ihrer Initiative auch anderen von der Arbeit überlasteten Kollegen wie Kolleginnen – und schaffen eine neue Maßnahme für eine bessere Work-Life-Balance.

Tipp: Entdecken Sie auf Glassdoor Stellenangebote für Jobsharing und lassen Sie sich davon inspirieren, wie viele Positionen sich mit diesem Konzept besetzen lassen. Vielleicht ist auch Ihr Beruf dabei?

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