Dazuverdienen per Nebenjob – was ist erlaubt und was nicht?

Nebenjob Corona

Ein Nebenjob ist für viele Arbeitnehmer eine Möglichkeit, fehlendes Gehalt zu kompensieren. Aber darf Ihnen ein Arbeitgeber den Nebenverdienst verbieten? Und wie sieht es aus, wenn Sie sich gerade wegen der Corona-Krise in der Kurzarbeit befinden?

Reicht das Einkommen nicht aus, bietet ein Nebenjob eine gute Möglichkeit, etwas dazuzuverdienen. Ganz gleich, ob Sie im Supermarkt Regale auffüllen, Hunde Gassi führen oder Ihre Haushaltskasse mit dem Verkauf selbstgenähter Kinderkleidung (oder Atemmasken) auffüllen.

Nebenjobs nicht per se verboten

Zunächst einmal darf Ihr Arbeitgeber Ihnen die Ausübung eines Nebenjobs nicht per se verbieten. Und selbst, wenn sich eine entsprechende Klausel in Ihrem Arbeitsvertrag findet, lohnt es sich, einen Anwalt um Rat zu fragen. Denn generell besteht hierzulande das Recht auf freie Berufswahl. 

Allerdings gibt es Ausnahmen:

  • Ihre Haupttätigkeit darf durch den Nebenjob nicht beeinträchtigt werden. Das heißt etwa: Jobben Sie bis nachts in der Kneipe und sind am nächsten Tag schlicht zu müde, Ihren Hauptjob auszuüben, ist das ein Problem.
  • Sie dürfen nicht für die Konkurrenz Ihres Hauptarbeitgebers tätig werden.
  • Befinden Sie sich gerade im Erholungsurlaub, dürfen Sie nicht Ihrem Nebenerwerb nachgehen, wenn Ihr Erholungsprozess dadurch negativ beeinträchtigt wird.
  • Sie dürfen die gesetzliche Höchstarbeitszeit nicht überschreiten, weil Sie einen Nebenjob ausüben. In der Regel sind das acht Stunden. Diese Zeit kann in Ausnahmefällen auf zehn Stunden erhöht werden.
  • Haben Sie sich bei Ihrem Hauptarbeitgeber krankgemeldet, etwa, weil Sie Rückenschmerzen haben, dürfen Sie nicht zu Ihrem Nebenjob gehen, bei dem Sie schwere Waren in Regale einsortieren. Denn dadurch würde der Heilungsprozess negativ beeinträchtigt.
  • Sie sind verbeamtet, als Soldatin oder Soldatin tätig: Hier gelten andere Regeln. Wenden Sie sich dazu an Ihren Dienstherrn. In der Regel ist ein Nebenjob für Sie genehmigungspflichtig.

Treffen diese Ausnahmen auf Sie nicht zu, steht einem Nebenerwerb nichts im Wege

Nebenbei Geld verdienen in der Kurzarbeit

Aber wie sieht es aus, wenn Sie sich gerade in der Kurzarbeit befinden, weil Ihr Arbeitgeber infolge wirtschaftlicher Engpässe – zum Beispiel wegen der Corona-Krise - in finanziellen Schwierigkeiten steckt? Auch hier gilt zunächst, dass Sie Ihren Arbeitgeber in der Regel nicht um Erlaubnis bitten müssen, wenn Sie einen Nebenjob annehmen wollen. Allerdings gelten auch hier die oben genannten Ausnahmen.

Und auch darüber hinaus gibt es einiges zu beachten, wenn Sie zusätzlich zu Ihrem Hauptjob, den Sie aktuell in Kurzarbeit ausführen, einen Mini- oder Midijob annehmen wollen. Denn auch, wenn es verlockend klingt, das fehlende Gehalt mit einer Nebentätigkeit aufzubessern und die plötzlich gewonnene Freizeit zum Geldverdienen zu nutzen, ist das gar nicht so einfach. 

Kurzarbeitergeld setzt sich folgendermaßen zusammen: Ein Arbeitgeber, der seine Beschäftigten in die Kurzarbeit schickt, kommt nur für die Stunden auf, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich geleistet haben. Das bedeutet: Ihr Gehalt fällt geringer aus. Aufgestockt wird es aus Geldern der Arbeitsagentur. So kommen Sie am Ende im Durchschnitt auf etwa zwei Drittel ihres eigentlichen Gehaltes.

Möchten Sie nun einen Nebenjob annehmen, um in der Summe auf Ihr eigentliches Gehalt vor der Kurzarbeit zu kommen, sind einige Überlegungen anzustellen. Denn es gibt viele Fallstricke. 

Eine wichtige Rolle spielt zum Beispiel der Zeitpunkt der Aufnahme des Minijobs. 

Befinden Sie sich bereits in der Kurzarbeit und nehmen erst jetzt einen Nebenjob an, gilt: Das Gehalt, das Ihnen Ihr Minijob bringt, wird in diesen Fall angerechnet. Das bedeutet: Das Kurzarbeitergeld wird entsprechend gesenkt. 

Denn die Summe aus Kurzarbeitergeld plus des Geldes, das Sie noch aus Ihrem Hauptjob bekommen und Ihr Verdienst aus dem Nebenjob darf nicht über Ihrem eigentlichen Verdienst liegen, den Sie ohne Kurzarbeit hätten. 

Ein weiterer Punkt, den Sie unbedingt beachten müssen, ist, dass Sie Ihren Arbeitgeber oder das Arbeitsamt sofort informieren müssen, wenn Sie einen Nebenjob annehmen. 

Sehr wichtig zu wissen: Das Arbeitsamt kann Kurzarbeiter sogar zur Ausübung einer Nebenbeschäftigung verpflichten. Lehnt man diese ab, drohen Leistungssperren.

Wenn der Nebenjob schon vorher da war

Ein wenig anders sieht es aus, wenn Sie bereits vor der Kurzarbeit einen Nebenjob hatten. Sind Sie schon seit längerer Zeit neben Ihrer Haupttätigkeit, die Sie vielleicht in Teilzeit ausüben, nebenbei erwerbstätig, spielt das Einkommen aus diesem Nebenjob keine Rolle, wenn es um das Kurzarbeitergeld geht. Abstriche gibt es dann keine.  Wer möchte, darf seinen Nebenjob auch aufstocken. Allerdings wird dann das zusätzliche Einkommen, das durch die Aufstockung hinzukommt, auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. 

Nebentätigkeit als Chance

Doch auch, wenn unter dem Strich vom Verdienst aus dem Nebenjob nicht viel übrig bleibt, kann die Tätigkeit für Kurzarbeiter eine Chance sein. Schließlich lernen Sie auf diese Weise auch andere Arbeitgeber kennen, knüpfen Kontakte und erwerben neue Kenntnisse und Fähigkeiten. Außerdem zeigen Sie Eigeninitiative und Selbstverantwortung – Aspekte, die besonders dann interessant werden, wenn doch eines Tages der Verlust der Haupttätigkeit droht und Beschäftigte sich neu bewerben müssen. 

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