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Arbeitsalltag

Vertrauensarbeitszeit: Vorteile und Nachteile

Gepostet von Hannes Jarisch

Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor

Letzte Aktualisierung February 15, 2022

Was genau ist Vertrauensarbeitszeit und wie unterscheidet sie sich von anderen Arbeitszeitmodellen? Für welche Mitarbeiter:innen ist sie besonders geeignet? Und welche Vor- und Nachteile hat Vertrauensarbeitszeit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

Die moderne Arbeitswelt wird immer flexibler. Das zeigt sich auch daran, dass in vielen Unternehmen mittlerweile das Modell der Vertrauensarbeitszeit Anwendung findet. Der Name macht es dabei schon deutlich: Das Vertrauen zwischen Mitarbeiter:innen und Vorgesetzten spielt hier eine große Rolle.

Definition: Was genau ist Vertrauensarbeitszeit?

Bei der Vertrauensarbeitszeit werden die täglichen Arbeitszeiten nicht durch den Arbeitgeber festgelegt, sondern können durch die Mitarbeiter:innen selbstständig organisiert werden. Es handelt sich hier also um ein flexibles Arbeitszeitmodell.

Vertrauensarbeitszeit bedeutet, dass ein Arbeitgeber nicht direkt kontrolliert, wann seine Angestellten arbeiten. Stattdessen werden von den Mitarbeiter:innen gemeinsam mit den Vorgesetzten Arbeitsziele festgelegt, die bis zu einer bestimmten Frist erreicht werden müssen.

So funktioniert Vertrauensarbeitszeit

Damit die Arbeitsziele weder zu ambitioniert noch zu niedrig angesetzt werden, müssen sowohl Mitarbeiter:innen, als auch Vorgesetzte sehr gut einschätzen können, wie viel Arbeitszeit jeweils für die Erledigung der angesetzten Aufgaben aufgewendet werden muss. Diese „geschätzte“ Arbeitszeit muss dann mit der im Arbeitsvertrag festgelegten Arbeitszeit übereinstimmen (zum Beispiel 40 Stunden pro Woche).

Wann ein/e Mitarbeiter:in diese Arbeitszeit aufwendet, ist bei der Vertrauensarbeitszeit seine/ihre Sache. Vom Arbeitgeber werden dabei keine Arbeitszeiten vorgegeben. Allerdings gelten natürlich auch in diesem Fall weiterhin alle gesetzlichen Vorgaben, die zum Beispiel die maximal zulässige tägliche Arbeitszeit festlegen. Die Einhaltung dieser Vorgaben fällt in die Verantwortung der einzelnen Mitarbeiter:innen, die die eigene Arbeitszeit protokollieren.

Vertrauensarbeitszeit mit Kernarbeitszeit

Eine hundertprozentige Vertrauensarbeitszeit ist in vielen Jobs nicht möglich. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ein/e Mitarbeiter:in regelmäßig auf den Input von Kolleg:innen angewiesen ist oder generell viele Aufgaben im Team erledigt werden müssen. Auch für Meetings ist es wichtig, dass zu einer bestimmten Zeit alle Mitarbeiter:innen anwesend sind.

Allerdings muss unter solchen Umständen nicht gleich komplett auf Vertrauensarbeitszeit verzichtet werden. Stattdessen können vom Arbeitgeber gewisse Kernarbeitszeiten definiert werden, in denen alle Angestellten auf jeden Fall erreichbar müssen. Für die meisten Abstimmungsprozesse und auch für die Kontaktpflege zwischen den Mitarbeiter:innen reicht häufig schon eine Kernarbeitszeit von zwei oder drei Stunden am Tag aus.

Ist Vertrauensarbeitszeit rechtlich zulässig?

Ja, Vertrauensarbeitszeit ist in Deutschland rechtlich zulässig. Allerdings hat der Europäische Gerichtshof festgelegt, dass die Arbeitszeiten aller Mitarbeiter:innen durch den Arbeitgeber vollständig dokumentiert werden müssen. Bei Vertrauensarbeitszeit erfolgt diese Dokumentation der eigenen Arbeitszeit durch die Mitarbeiter:innen selbst, denn sie allein haben einen Überblick darüber, wann sie tatsächlich arbeiten.

Haben alle Arbeitnehmer:innen Anspruch auf Vertrauensarbeitszeit?

Nein, es gibt keinen allgemeinen Anspruch auf Vertrauensarbeitszeit. Ob in einem bestimmten Arbeitsverhältnis Vertrauensarbeitszeit möglich ist, wird zum Beispiel im Arbeitsvertrag geregelt.

Vertrauensarbeitszeit wird immer beliebter

Die Zunahme von Home Office und der Wunsch vieler Arbeitnehmer:innen nach einer flexibleren Arbeitszeitgestaltung führen dazu, dass sich Arbeitgeber immer häufiger mit dem Modell der Vertrauensarbeitszeit auseinandersetzen und diese in immer mehr Unternehmen auch tatsächlich angeboten wird.

Manche Arbeitgeber zögern indes damit, ihren Angestellten eine solche Freiheit bei der Arbeitszeitgestaltung zu geben und tatsächlich müssen eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein, damit Vertrauensarbeitszeit sinnvoll implementiert werden kann.

Was sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Vertrauensarbeitszeit?

1. Vertrauenskultur: Die Grundlage für eine erfolgreiche Vertrauensarbeitszeit

Damit das Modell der Vertrauensarbeitszeit überhaupt funktionieren kann, ist eine ausgeprägte Vertrauenskultur im Unternehmen unabdingbar. Vorgesetzte müssen Ihren Mitarbeiter:innen dieses Vertrauen entgegenbringen, wenn diese ihre Arbeitszeiten selbstständig festlegen.

Außerdem müssen Vorgesetzte und Teamleader sehr genau wissen, wie der Arbeitsalltag ihrer Mitarbeiter:innen überhaupt aussieht und wie viel Zeit für die Erledigung einzelner Aufgaben aufgewendet werden muss.

2. Selbstständige und eigenverantwortliche Arbeitsweise der Mitarbeiter:innen

Vertrauensarbeitszeit verlangt von Mitarbeiter:innen ein hohes Maß an Eigenorganisation, mit dem sie das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen. Außerdem müssen Arbeitszeiten durch die Mitarbeiter:innen selbst protokolliert werden.

Einige Mitarbeiter:innen fühlen sich gestresst, wenn sie selbst ihre Arbeitszeit kontrollieren und protokollieren sollen. Dann können feste Arbeitszeiten die bessere Alternative sein.

3. Ein Tätigkeitsprofil, welches Vertrauensarbeitszeit ermöglicht

Für manche Jobs bietet es sich absolut an, auf Vertrauensarbeitszeit zu setzen. Dazu gehören kreative Berufe wie Graphikdesigner:in oder Programmierer:in. Selbst festlegbare Arbeitszeiten sind auch dann kein Problem, wenn ein/e Arbeitnehmer:in für die Erledigung der Arbeit selten oder nie Input von Vorgesetzten oder Kolleg:innen benötigt und die eigenen Aufgaben größtenteils selbstständig abarbeiten kann.

Andere Tätigkeiten sind für dieses Modell hingegen gar nicht geeignet, zum Beispiel Lokführer:in oder Call-Center-Agent. Hier ist es notwendig, dass der/ die Arbeitnehmer:in an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit präsent ist.

Vorteile und Nachteile der Vertrauensarbeitszeit

Vorteile für den Arbeitgeber

  • Attraktivität als Arbeitgeber steigt
  • Mitarbeiter:innen arbeiten ergebnisorientiert, anstatt einfach Arbeitszeit „abzusitzen“
  • Besseres Betriebsklima durch Vertrauenskultur
  • Größere Flexibilität im Arbeitsalltag für Angestellte und Vorgesetzte

Nachteile für den Arbeitgeber

  • Höherer Organisationsaufwand
  • Größeres Konfliktpotenzial zwischen Kolleg:innen (beispielsweise aufgrund fehlender Erreichbarkeit)
  • Möglicher Missbrauch durch Mitarbeiter:innen

Vorteile für Mitarbeiter:innen

  • Flexible Einteilung der eigenen Arbeitszeit
  • Kein „Absitzen von Arbeitszeit“, wenn keine Aufgaben zu erledigen sind
  • Bessere Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben
  • Vertrauenskultur im Unternehmen und gegenüber Vorgesetzten

Nachteile für Mitarbeiter:innen

  • Arbeitszeiten müssen selbstständig dokumentiert werden
  • Höherer Koordinierungsaufwand mit Kolleg:innen
  • Gefahr von „versteckten Überstunden“, die nicht dokumentiert oder vergütet werden
  • Gefahr der „ständigen Erreichbarkeit“
  • Engagierte Arbeitsleistung wird durch Vorgesetzte häufig nicht wahrgenommen

Vertrauensarbeitszeit: Richtig umgesetzt für viele Arbeitnehmer:innen ein attraktives Arbeitsmodell

Für Arbeitnehmer:innen, die gerne selbstständig arbeiten und sich ihre Zeit gut einteilen können, ist Vertrauensarbeitszeit eine attraktive Wahl. Richtig umgesetzt können auch Arbeitgeber davon profitieren, denn ihre Mitarbeiter:innen haben so ein wirkliches Interesse daran, produktiv zu arbeiten.

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