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Arbeitsalltag

Was ist ein autoritärer Führungsstil? (Vor- und Nachteile)

Gepostet von Glassdoor-Team

Karriere-Experte

Letzte Aktualisierung February 1, 2022

Egal ob Sie zum höheren Management gehören oder gerade in das Berufsleben einsteigen, es ist immer von Vorteil, die innere Struktur eines Unternehmens zu verstehen. Wenn Sie erkennen, ob Ihr Arbeitsplatz anhand des autoritären Führungsstils organisiert ist, können Sie als Arbeitnehmer:in das Verhalten Ihrer Vorgesetzten beispielsweise besser verstehen und sich anpassen. Im höheren Management erkennen Sie anhand des Führungsstils hingegen, was von Ihnen in dieser Postion erwartet wird. Im Folgenden erklären wir Ihnen, was genau ein autoritärer Führungsstil ist, geben Ihnen Beispiele für dessen Vor- und Nachteile und zeigen Alternativen auf.

Definition eines autoritären Führungsstils 

Unternehmen, die auf einem autoritären Führungsstil aufbauen, sind stark hierarchisiert. Die Entscheidungsgewalt ist dabei nach dem Top-Down-Prinzip verteilt. Das bedeutet, dass die obere Führungsschicht die meiste Macht über Entscheidungen inne hat und nach unten hin Anweisungen gibt. Mitarbeiter:innen wird die Freiheit Entscheidungen zu treffen abgesprochen, da ihre Aufgabe hauptsächlich in der Befolgung und Ausführung von Anweisung besteht.

Der autoritäre Führungsstil, synonymisch auch als direkter Führungsstil bezeichnet, etabliert dabei eine Distanz zwischen Führungsebene und den restlichen Mitarbeitenden eines Unternehmens.

Beispiele eines autoritären Führungsstils

Organisationen, deren Führungsebenen gemäß dem autoritären Führungsstil handeln, lassen sich anhand von einigen Verhaltensweisen und Strukturen erkennen. Folgende Merkmale sind typische Charakteristika von autoritär geführten Unternehmen: 

  • Informationskanäle: Wenn die Informationen über Projekte, Fortschritte und Probleme nur der Führungsebene zugänglich sind, ist dies ein Zeichen für einen autoritären Führungsstil. Den Angestellten wird somit nur das mitgeteilt, was für deren Arbeitsbereich wirklich notwendig ist.
  • Aufgabenverteilung: Sollten die Aufgaben nur von den oberen Führungskräften bestimmt und an das Management weitergegeben werden, dann wird ein direkter Führungsstil angewendet. Die Verteilung von Teilaufgaben vonseiten der Manager:innen an andere Angestellte dient nur der Erfüllung der Vorgaben der Führungsebene.
  • Leistungsorientierung: Die Führungsebene bewertet die Arbeit der Mitarbeitenden anhand deren Beiträge zur Produktivität. Während Mitarbeiter:innen, die die Produktivitätsvorgaben nicht erreichen, bestraft werden, werden solche, die zum Gesamtumsatz beitragen, belohnt — dies ist typisch für eine autoritäre Unternehmensführung.
  • Keine freien Äußerungen: Ein weiteres, wichtiges Merkmal einer direkten Führung ist es, wenn die Arbeitnehmer:innen keine Gegenargumente oder Ideen einbringen dürfen.

Vorteile des autoritären Führungsstils

Auch wenn ein autoritär geführtes Unternehmen nicht für alle Arbeitnehmer:innen eine optimale Arbeitsumgebung darstellen muss, hat dieser Stil trotzdem Vorteile für das Unternehmen.

Folgende Vorteile ergeben sich aus einem direkten Führungsstil:

  • Kurze Entscheidungsprozesse: Der wichtigste Vorteil eines autoritären Führungsstils ist die Schnelligkeit der Entscheidungsfindung. Da nur eine Person oder eine kleine Gruppe von Vorgesetzten an den Entscheidungsprozessen beteiligt sind, ist das Unternehmen sehr handlungsfähig und kann rasch auf Marktveränderungen und Probleme antworten.
  • Wenige Unklarheiten: Für einige Arbeitnehmer:innen ist es hilfreich konkrete Vorgaben für ihre Arbeit zu haben. Dadurch dass Verantwortungs- und Zuständigkeitsbereiche eindeutig geregelt sind, gibt es keine Unklarheiten, die erledigt werden muss. Die Arbeit kann als Folge zügig voran gehen. 
  • Erleichterte Kontrolle: Aufgrund der strikten Zuweisung von Aufgaben und Zuständigkeiten können die Arbeitsabläufe und Fortschritte einzelner Mitarbeitenden leichter kontrolliert werden.
  • Schnellere Handlungsfähigkeit: Besonders wenn eine Krise — wie die Corona-Pandemie — die Produktivität  eines Unternehmens gefährdet, muss schnell gehandelt werden. Da die Entscheidung und Verantwortung bei nur wenigen Personen liegt, werden Diskussionen, die den Prozess verlängern, umgangen. Deshalb kann es schneller auf eine solche Veränderung reagiert werden.

Nachteile des autoritären Führungsstils

Neben den Vorteilen lassen sich jedoch auch folgende Nachteile identifizieren:

  • Keine Vertrauensbasis: Die strenge Hierarchisierung des Unternehmens sorgt für eine große Distanz zwischen der Führungsebene und den Angestellten. Es bildet sich keine Vertrauensbasis und die Mitarbeitenden fühlen sich deswegen der Führung oder dem Unternehmen nicht verpflichtet.
  • Hohe Belastung: Aufgrund der geringen Flexibilität am Arbeitsplatz und dem hohen Leistungsdruck sind die Arbeitnehmer:innen einer hohen Stressbelastung ausgesetzt. Mitarbeitende melden sich daher öfter krank oder wechseln vermehrt den Arbeitgeber.
  • Mangelnde Kreativität: Ein autoritär geführtes Unternehmen kann nicht von den Ideen seiner Mitarbeiter:innen profitieren. Zudem sorgt der hohe Leistungsanspruch dafür, dass zwar quantitativ gut gearbeitet wird. Die Qualität der Leistung lässt jedoch häufig nach.
  • Geringe Motivation und Unternehmensbindung: Eines autoritärer Führungsstil führt dazu, dass Mitarbeiter:innen ihre Motivation für die Arbeit und Bindung zum Unternehmen verlieren, was schlussendlich für einen Rückgang in der Produktivität sorgt. 
  • Unzufriedenheit: In den meisten autoritär geführten Unternehmen werden die Erfolge der Kompetenz der Führung zugesprochen, während Misserfolge auf die mangelnde Kompetenz der Angestellten zurückgeführt werden. Dies kann zu einer Unzufriedenheit bei den Arbeitnehmer:innen und somit zu einem Produktionsrückgang führen.

Alternative Führungsstile

Während der autoritäre Führungsstil von Unternehmern wie Henry Ford angewandt wurde, verliert dieser Stil für viele Manager:innen an Bedeutung. Das liegt besonders daran, dass strenge Hierarchien innerhalb von Unternehmen abnehmen und sogenannte flache Hierarchien bevorzugt werden. Die emotionale Bindung der Mitarbeitenden an ihre Arbeitgeber und die Aufrechterhaltung ihrer Motivation ist in den Fokus heutiger Konzerne gerückt. Folgende Alternativen haben sich etabliert:

  • Kooperativer Führungsstil
  • Laissez-faire Führungsstil
  • Situativer Führungsstil

Kooperativer Führungsstil

Während einem/r Manager:in in einem autoritär geführten Unternehmen vor allem die Kontrolle und Delegation von Aufgaben zukommt, werden Manager:innen in kooperativ geführten Organisationen zu Leadern. Das bedeutet, dass ihre Hauptaufgabe daraus besteht, ein Gefühl des Miteinanders zu fördern. Anstatt dass eine Person eine Entscheidung trifft, werden Diskussionen angeregt und Aufgaben gemeinsam den Kompetenzen der jeweiligen Angestellten entsprechend verteilt.

Da Mitarbeiter:innen am Entscheidungsprozess teilhaben, wird die Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft der Einzelnen gefördert. Zudem wird Eigeninitiative und Kreativität belohnt. Die Führungsebene wird entlastet und auch bei deren Ausfall kann das Unternehmen so normal weiterarbeiten. Ein Nachteil kann insbesondere in neu geformten Teams auftauchen: Die Einigung auf einen gemeinsamen Weg und die stärkere Konkurrenz zwischen Mitarbeiter:innen kann Entscheidungs- und Arbeitsprozesse zu Beginn verlangsamen.

Laissez-faire Führungsstil

Der Laissez-faire Führungsstil ist die lockerste Art ein Unternehmen zu führen. Im Grunde gibt es keine Regeln und neben einem einmaligen Arbeitsauftrag werden keine weiteren Vorgaben gemacht. Die Führungsebene nimmt sich sehr stark zurück und greift nicht in die Arbeitsabläufe ein. Hier werden Eigeninitiative und -verantwortlichkeit von den Mitarbeiter:innen erwartet.

Während die große Entscheidungsmacht über die eigene Arbeit zu einer ersten Leistungssteigerung führen kann, führt der Mangel an Rückmeldung, den die Mitarbeitenden zu ihrer Leistung bekommen, zu einem späteren Rückgang. So sind Angestellte dazu verleitet nur noch das Mindeste zu erledigen und fühlen sich nicht ermutigt aktiv an der Produktivitätssteigerung mitzuwirken.

Situativer Führungsstil

Der situative Führungsstil beginnt sich vermehrt in Unternehmen zu etablieren, da hier die meisten Nachteile der anderen Stile vermieden werden. Grundsätzlich kann eine situative Führung als eine Verbindung aus den anderen drei Stilen definiert werden. Teamleiter:innen sowie Personal des niederen und höheren Managements wechseln hierbei zwischen den drei Stilen — an die Mitarbeitenden angepasst. Es ergeben sich dabei vier Stufen, auf denen Sie den jeweiligen Mitarbeiter:innen begegnen können:

  1. In der Einarbeitungs- und Anfangsphase greift der autoritäre Führungsstil und es werden klare Vorgaben gemacht. 
  2. Mit mehr Erfahrung werden Mitarbeitende in die Entscheidungsfindung miteingebunden, sodass diese eine Kompetenz für eigene, begründete Entscheidungen ausbilden können. 
  3. Erfahreneren Angestellten teilen Sie Ihre Ideen als Führungskraft mit, überlassen jedoch dem/r jeweiligen Mitarbeiter:in die Entscheidung — kleinere Projekten dienen als Testlauf. 
  4. Hat sich ein/e Angestellte:r bewährt, sprechen Sie dem Personal der letzte Stufe die Verantwortung für eigene Entscheidungen und Projektplanung zu. 


Mit dem Wissen über die verschiedenen Führungsstile liegt es nun an Ihnen als Arbeitnehmer:in zu entscheiden, welcher Stil Sie zu besserer Leistung motivieren würde. Arbeiten Sie in einem autoritär geführten Unternehmen aber mehr Freiheiten brauchen, dann können Sie Ihren direkten Vorgesetzten möglicherweise eine Alternative vorschlagen.

Als Führungskraft haben Sie nun hingegen das Wissen, um Ihren Führungsstil individuell anzupassen. Gehen Sie also auf die unterschiedlichen Erfahrungs- und Bildungsniveaus Ihrer Angestellten ein und bieten Sie ihnen ein Arbeitsumfeld an, das am besten ihren Qualifikationen entspricht.

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