Sabbatical

Sabbatical – alles, was Sie über die berufliche Auszeit wissen müssen

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Glassdoor Team | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 10. Aug. 2023

Ein Sabbatical ist eine besondere Form der Auszeit aus dem Berufsleben, die immer beliebter wird. Damit können Sie sich eine längere Pause vom Berufsleben nehmen und sich in dieser Zeit anderen Lebensbereichen widmen.Dabei gibt es allerdings einige Aspekte zu beachten. Wie Sie sich am besten auf das Sabbatical vorbereiten und welche Möglichkeiten Sie dafür haben, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Was ist ein Sabbatical?

Das Sabbatical stammt ursprünglich aus dem Universitätsumfeld und wurde dort für Forschungssemester genutzt. Inzwischen wird diese Auszeit auch in anderen Bereichen, wie in der Privatwirtschaft, immer mehr genutzt. Das Wort Sabbatical oder Sabbatjahr geht dabei von der Bedeutung her auf die Bibel zurück, beziehungsweise auf den jüdischen Sabbat. In der Bibel wird im Zusammenhang dazu geschrieben, dass ein Ackerfeld im siebten Jahr brach liegt, um danach wieder frisch für die nächsten sechs Jahre Anbau zu sein. Genau das ist auch das Ziel eines Sabbaticals: Wieder die Energiereserven aufladen und mit frischem Kopf danach an die Aufgaben im Arbeitsleben starten.

Wie lange dauert ein Sabbatical?

In der Regel dauert ein Sabbatical ein Jahr. Es können allerdings auch nur drei Monate sein. Das hängt von Ihren Bedürfnissen und Gegebenheiten ab. Überlegen Sie dazu am besten, wie viel Zeit Sie benötigen und wie es finanziell aussieht. Sprechen Sie außerdem auch mit Ihrem Arbeitgeber, welche Möglichkeiten es in Ihrem Unternehmen dafür gibt.

Sabbatical: Vor- und Nachteile

Ein Sabbatical bietet für Unternehmen und Arbeitnehmende unterschiedliche Vor- und Nachteile. Dabei ist es individuell abhängig, wie stark Sie etwaige Nachteile betreffen.

Vorteile eines Sabbaticals Nachteile eines Sabbaticals
  • Persönliche Weiterentwicklung
  • Erholung und Burnout-Prävention
  • Verbesserung der Work-Life-Balance
  • Neue Perspektiven für die Arbeit und das Privatleben
  • Finanzielle Herausforderungen
  • Unterbrechung der Karriereentwicklung
  • Möglicherweise Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg

Gründe für ein Sabbatical

Für ein Sabbatical gibt es verschiedene Gründe, die davon abhängig sind, was Sie in der Zeit machen oder erreichen wollen.

  • Persönliches oder berufliches Wachstum: Sie nutzen die Auszeit, um sich selbst weiterzuentwickeln und Weiterbildungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen.
  • Burnout-Prävention: Sie entkommen dem stressigen Arbeitsalltag und sammeln neue Energie für die weitere Karriere.
  • Reisen: Sie wollen ein weit entferntes Land entdecken oder allgemein eine Reise machen, die sich nicht mit einem regulären Urlaub umsetzen lässt.
  • Zeit mit der Familie: Sie verbringen mehr Zeit mit Ihren Kindern und Ihrer Familie, um die Bindung zu stärken.
  • Ehrenamtliches Engagement: Engagieren Sie sich ehrenamtlich, können Sie das Sabbatical nutzen, um sich nur darauf zu konzentrieren und mehr Aufgaben zu übernehmen.

Überlegen Sie sich vor dem Start des Sabbaticals genau, wieso Sie es nehmen wollen und wie Sie es gestalten möchten. Planung und gute Selbstorganisation sind das A und O.

Sabbatical Modelle

Wenn Sie über ein Sabbatical nachdenken, beschäftigen Sie sich mit den unterschiedlichen Modellen, die Sie dafür nutzen können. Wir haben hier die vier häufigsten aufgelistet:

Modell 1: Sabbatical als Sonderurlaub

Bei dieser Variante nehmen Sie für den Zeitraum unbezahlten Urlaub.

  • Vorteil: Sie behalten Ihren Arbeitsplatz und auch der Kündigungsschutz bleibt bestehen. Sie kehren anschließend regulär am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub zurück.
  • Nachteil: Sie sind nur in den ersten vier Wochen des Sonderurlaubs versichert, danach müssen Sie sich selbst um Krankenversicherung und Co kümmern. Außerdem bekommen Sie kein Gehalt.

Modell 2: Sabbatical mit Langzeitarbeitskonto

Hierbei bauen Sie Überstunden auf oder sammeln nicht genommene Urlaubstage an, um diese dann in einer größeren Auszeit zu nutzen. Klären Sie hierfür alles mit Ihrem Arbeitgeber ab, damit die Urlaubstage und Überstunden nicht nach der üblichen Frist verfallen.

  • Vorteil: Sie erhalten weiterhin Ihren Lohn und auch die Sozialversicherungsbeiträge werden von Ihrem Arbeitgeber bezahlt.
  • Nachteil: Sie müssen erst einige Zeit lang Überstunden aufbauen und mit Ihrem Arbeitgeber das Ansammeln der Stunden und Urlaubstage absprechen.

Modell 3: Sabbatical durch Lohnverzicht

Dieses Modell sieht vor, dass Sie einige Zeit lang auf einen Teil Ihres Lohns verzichten. Also im Prinzip ein Gehalt für eine Teilzeitstelle erhalten, aber Vollzeit arbeiten. Der Teil des Gehalts, der Ihnen nicht ausgezahlt wird, wird stattdessen von Ihrem Arbeitgeber angelegt, sodass er während des Sabbaticals ausgezahlt werden kann.

  • Vorteil: Sie erhalten weiterhin Ihr Einkommen und Ihr Arbeitgeber bezahlt auch die Sozialversicherungsbeiträge – und zwar die ganze Zeit über.
  • Nachteil: Sie verzichten einige Zeit auf Lohn und müssen mit Ihrem Arbeitgeber absprechen, wie das Geld angespart wird.

Modell 4: Sabbatical durch Kündigung

Das ist die drastischste Variante. Hierbei kündigen Sie Ihren Job und nehmen sich eine Auszeit, bevor Sie bei einer neuen Arbeit anfangen. Dieses Modell hängt häufig mit einer beruflichen Neuorientierung zusammen.

  • Vorteil: Ihr Sabbatical findet auf jeden Fall statt.
  • Nachteil: Sie erhalten keinen Lohn und müssen sich selbst um die Sozialversicherung kümmern. Außerdem müssen Sie sich für nach dem Sabbatical einen neuen Job suchen.

Vorbereitung auf das Sabbatical: Tipps und Wissenswertes

Ein Sabbatical sollten Sie gut vorbereiten. Denken Sie darüber nach, welches Modell am besten zu Ihren Lebensumständen passt – und sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber darüber. Mit der richtigen Planung können Sie entspannt ins Sabbatical starten.

Sabbatical Anspruch – ja oder nein?

Gesetzlich betrachtet haben Sie in der Privatwirtschaft keinen festen Anspruch auf ein Sabbatical. Daher müssen Sie Ihr Sabbatical genehmigen lassen. Im Falle einer Erlaubnis empfiehlt es sich, einen Vertrag zum Sabbatical, dem Ablauf und der Wiedereingliederung zu erstellen.

Dort ist alles enthalten, was Sie wissen müssen:

  • Gehalt
  • Dauer
  • Wiedereinstieg (achten Sie hier darauf, dass Sie nicht auf eine andere gleichwertige Stelle versetzt werden können)
  • Sozialversicherungsbeiträge
  • wenn nötig: wie das Geld – beziehungsweise die gesammelten Stunden – angespart werden

Überprüfen Sie zuerst Ihren Arbeitsvertrag, ob dort ein Anspruch auf Sabbatical festgehalten ist. Auch die Firmenrichtlinien können dafür eine gute Orientierung geben.

Sonderfall: Sabbatical im öffentlichen Dienst

Ein Sonderfall ist der öffentliche Dienst und die Arbeit als Beamte:r. In diesen Positionen ist ein Sabbatical-Anspruch grundsätzlich gesetzlich verankert. Dieses müssen Sie allerdings auch zwei bis sechs Jahre vor dem gewünschten Beginn genehmigen lassen. Die genauen Regelungen können sich dabei von Bundesland zu Bundesland und von Tarifvertrag zu Tarifvertrag unterscheiden. In der Regel handelt es sich hierbei um das Modell mit dem Arbeitszeitkonto.

Die Gründe für das gesetzliche Anrecht auf ein Sabbatical bei Beamten und im öffentlichen Dienst sind historisch bedingt. So kommt das Sabbatical aus der Forschung, die in den meisten Stellen zum öffentlichen Dienst gehört. Außerdem gab es in Deutschland in den 80er-Jahren zu viele Lehrer:innen, sodass man mit einem Sabbatical das Überangebot versuchte auszugleichen.

So überzeugen Sie Ihren Arbeitgeber vom Sabbatical

Da Sie in den meisten Fällen kein gesetzliches Anrecht auf ein Sabbatical haben und es immer genehmigen lassen müssen, gibt es hier drei Tipps, wie Sie Ihren Arbeitgeber von einem Sabbatical überzeugen.

Tipp 1: Bereiten Sie sich gut vor

Überlegen Sie sich, wie das Sabbatical Sie weiterbringt und welchen Nutzen auch Ihr Arbeitgeber daraus ziehen kann. Eine Inspiration dafür können die Vorteile eines Sabbaticals sein.

Tipp 2: Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber rechtzeitig darauf an

Je früher Sie Ihren Arbeitgeber über Ihr Vorhaben informieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie Ihnen das Sabbatical genehmigt.

Tipp 3: Machen Sie konkrete Vorschläge

Zeigen Sie Ihrem Arbeitgeber, wie Sie das Sabbatical umsetzen wollen und dass Sie sich schon ausführliche Gedanken darüber gemacht haben. Das kann eine mögliche Vertretung oder ein ausgearbeitetes Modell sein. Bei Ihrem Arbeitgeber kommt die Art Sabbatical am besten an, die gut geplant ist – und die auch für das Unternehmen Vorteile hat. Stellen Sie also diese Aspekte in Ihren Gesprächen heraus.

Aus welchen Gründen kann ein Arbeitgeber das Sabbatical ablehnen?

Wenn Sie das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber richtig vorbereiten, stehen Sie Chancen hoch, dass Ihnen das Sabbatical genehmigt wird. Allerdings gibt es einige Gründe, auf die Sie nur teilweise Einfluss haben, die dazu führen können, dass Ihr Arbeitgeber das Sabbatical ablehnt:

  • Betriebliche Notwendigkeiten und Personalengpässe: Wenn Sie in einer schwierigen Phase des Unternehmens oder eines wichtigen Projekts ein Sabbatical nehmen wollen, kann das abgelehnt werden. Das Gleiche gilt für viele gleichzeitige Urlaube in dem Zeitraum, in dem Sie fehlen würden – was zu einer Überbelastung des Teams führen könnte, sodass der Arbeitgeber diese Situation vermeiden möchte.
  • Finanzielle Auswirkungen: Diese können vor allem dann für das Unternehmen entstehen, wenn eine Ersatzkraft für Sie angestellt und eingearbeitet werden muss.
  • Unzureichende Vorbereitung: Dies können Sie am ehesten selbst beeinflussen, indem Sie sich vor dem Gespräch gut informieren und einen Plan ausarbeiten. Außerdem sollten Sie nicht zu spät anfragen.

Sabbatical – das müssen Sie beachten

Nachdem Sie das Sabbatical genehmigt bekommen haben, gibt es noch weitere Aspekte wie den Urlaubsanspruch und die Sozialversicherungen, die Sie in der weiteren Vorbereitung berücksichtigen sollten.

Sabbatical: Urlaubsanspruch miteinbeziehen

Der Urlaubsanspruch während des Sabbaticals ist sowohl von Ihrem Arbeitsvertrag als auch von Ihrem gewählten Modell abhängig. Bei einer Kündigung oder einem unbezahlten Sonderurlaub können Sie per se keine Urlaubsansprüche ansammeln. Die Zeit Ihres Sabbaticals wird also von Ihrem Anspruch weggerechnet. Anders ist das, wenn Sie Ihr Sabbatical mit einem Arbeitszeitkonto oder einem Lohnverzicht über eine bestimmte Zeit verbinden. Da das Gehalt weiter gezahlt wird, haben Sie auch weiterhin Urlaubsanspruch.

Sabbatical: Sozialversicherung bedenken

Ob Ihr Unternehmen weiterhin die Beiträge für die Sozialversicherung übernimmt, hängt von Ihrem gewählten Modell ab. Bei den Modellen, bei den Sie weiterhin Gehalt bekommen, werden weiterhin die Sozialversicherungsbeiträge während des Sabbaticals gezahlt. Sie müssen sich also nicht um Krankenversicherung, Rentenversicherung und Co. privat kümmern.

Anders sieht das bei der Kündigung oder einem unbezahlten Sonderurlaub aus, der länger als vier Wochen dauert. In diesem Fall müssen Sie sich eine private Krankenversicherung, Rentenversicherung und Pflegeversicherung besorgen, um weiterhin versichert zu sein. Kümmern Sie sich möglichst frühzeitig darum und bedenken Sie bei Reisen auch, dass zum Beispiel eine Auslandskrankenversicherung sinnvoll sein könnte.

Finanzierung des Sabbaticals

Es gibt verschiedene Varianten, wie Sie Ihr Sabbatical finanzieren können. Im besten Fall sparen Sie schon in der Zeit davor Geld an, sodass Sie sich während der Auszeit keine größeren Gedanken machen müssen.

Überlegen Sie dafür, welche Beträge jeden Monat durchschnittlich anfallen. Das sind Miete, Energiekosten, Nahrungsmittel, Auto, Versicherung und eine mögliche Abzahlung von Schulden. Erstellen Sie sich dafür am besten eine Liste, sodass Sie genau sehen, wie viel Geld Sie pro Monat benötigen. Auf dieses Ergebnis rechnen Sie dann noch einen Puffer von zehn bis 20 Prozent hinzu, damit Sie Ihr Sabbatical auch wirklich entspannt genießen können.

Vergessen Sie die Reisekosten nicht, wenn Reisen Teil Ihres Sabbaticals ist.

Bei zwei der vier Modelle für ein Sabbatical erhalten Sie weiterhin Gehalt, das Sie in diese Rechnung miteinbeziehen können. Ansonsten ist es sinnvoll, wenn Sie sich eine monatliche private Sparsumme ausrechnen, die Sie vor dem Sabbatical zur Seite legen, um in der Auszeit dann genug Ressourcen zu haben. Diese können Sie entweder direkt auf einem separaten Konto sparen oder in Aktien und andere Wertpapiere anlegen.

Im Internet finden Sie auch verschiedene Sabbatical-Rechner, bei denen Sie Ihre benötigten Ausgaben und die Dauer des Sabbaticals eingeben. Diese zeigen Ihnen dann an, wie viel Sie monatlich zur Seite legen müssen, um genug Geld zu haben.

Fazit: Nutzen Sie Argumente und gute Planung für ein gelungenes Sabbatical

Wenn Sie sich gut auf das Sabbatical vorbereiten und damit auch Ihren Arbeitgeber überzeugen, steht einer entspannten Auszeit von Ihrem Job nichts im Weg. Übrigens: Für das Sabbatical im Lebenslauf gilt dasselbe wie für das Überzeugen des Arbeitgebers. Stellen Sie die positiven Aspekte in den Vordergrund und seien Sie in Vorstellungsgesprächen bereit, über etwaige Lücken in Ihrem Lebenslauf offen zu sprechen.

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