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Bewerbungsgespräch

Wie Sie in einem Vorstellungsgespräch einen schlechten Chef erkennen

Gepostet von Glassdoor-Team

Karriere-Experte

Letzte Aktualisierung 1. September 2022
|7 Min. Lesezeit

Egal wie Ihr Karriereweg verläuft, früher oder später werden Sie ihm begegnen: einem schlechten Vorgesetzten. Einem, der Sie kränken oder gar die Flucht ergreifen lassen wird. In einer Studie von Gallup (auf Englisch) gab einer von zwei Angestellten an, dass er oder sie im Laufe des Berufslebens schon mal einen Job gekündigt hat, um von einem Vorgesetzten oder einer Vorgesetzten loszukommen.

Auch für Sie ist eine vergiftete Atmosphäre auf der Arbeit inakzeptabel? Glücklicherweise können Sie schon bald einen schlechten Chef aus meilenweiter Entfernung erkennen.

Beachten Sie diese fünf Kriterien um herauszufinden, ob Sie einem schlechten Chef gegenübersitzen:

1. Die Wortauswahl und der Tonfall

Achten Sie darauf, wie Ihr Gegenüber seine Worte wählt. Wenn sich Ihr Gesprächspartner beispielsweise negativ äußert, aber sofort wieder zurückrudert, versucht er, die Tatsache zu verdecken, dass er eine negative Einstellung hat.

Schon die Art, wie jemand spricht und welchen Ton er dabei anschlägt, erzeugt eine gewisse Energie. Verlassen Sie sich auf Ihre Intuition und spüren Sie, wie Sie sich in Gegenwart der anderen Person fühlen. Wenn bei Ihnen Unbehagen aufkommt und Sie sich nicht wohl fühlen, überlegen Sie, wo die Ursachen liegen.

„Versuchen Sie, bereits im Bewerbungsgespräch herauszufinden, wie die Kommunikation im Unternehmen ist. Einem guten Chef sollte es wichtig sein, dass seine Mitarbeiter Feedback geben und erhalten können. Hat das Unternehmen eine gute Feedbackkultur, wird der Chef diese bei Nachfrage auch gleich genauer ausführen können.”

Walter Feichtner, Karrierecoach

Ein guter Chef interessiert sich auch für Ihre Persönlichkeit. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie lediglich als Arbeitskraft wahrgenommen werden, dann wird man Sie auch nicht anders behandeln, wenn Sie erst einmal das Jobangebot angenommen haben. Nehmen Sie bewusst zur Kenntnis, wenn persönliche und informelle Höflichkeiten ausbleiben und auch keine Bemühung stattfindet, Ihnen auf einer persönlichen Ebene zu begegnen.

2. Wie sie andere beschreiben

Anekdoten und Geschichten werden gerne in Vorstellungsgesprächen erzählt. Wenn der Chef zum Beispiel eine Arbeitssituation oder ein Projekt beschreibt und dabei abfällig über seine Angestellten spricht, dann respektieren diese ihn wahrscheinlich nicht.

Zögern Sie nicht und fühlen Sie dem potentiellen Chef auf den Zahn. Bringen Sie in Erfahrung, wie er sich selbst im Betrieb wahrnimmt. Fragen Sie ihn nach den größten Problemen des Unternehmens und wo die Ursachen liegen. Wirft er mit Schuldzuweisungen um sich, können Sie sich sicher sein, dass Sie einer schwachen Führungspersönlichkeit gegenübersitzen, die keine Verantwortung übernimmt.

„Sollten Sie merken, dass der Vorgesetzte nicht nur schlecht über andere redet, sondern sich immer wieder selbst lobt, kann dies auf eine verschobene Selbstwahrnehmung und mangelnde Selbstreflexion hindeuten. So jemanden möchten Sie nicht als Chef.”

Walter Feichtner, Karrierecoach

[Lesen Sie auch: Vorstellungsgespräch: 40 Fragen und Antworten, auf die Sie vorbereitet sein sollten]

3. Ob sie Begeisterung zeigen

Spüren Sie bei dieser Person Begeisterung und Leidenschaft? Oder agiert sie gleichgültig und desinteressiert? Zugegeben, jeder Mensch hat hin und wieder einen schlechten Tag – aber ein guter Chef wird sich immer bemühen, seinen Stress außen vor zu lassen und sich professionell zu verhalten.

Achten Sie dabei auf Ihre Gefühle. Sie sollten bei dem Gedanken, für diesen Betrieb zu arbeiten, eine gewisse Aufregung empfinden. Spüren Sie hingegen, dass Ihr Chef seinen Job hasst oder er ihm gleichgültig ist, dann verabschieden Sie sich davon. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das Büro von unmotivierten Mitarbeitern besetzt ist, die unter der schlechten Stimmung leiden.

Informieren Sie sich über die Fluktuation von Mitarbeitern, wenn es Ihnen vorkommt, als würden Neuzugänge durch eine Drehtür geschleust. Achten Sie darauf, wie der Vorgesetzte mit seinen Angestellten kommuniziert und andersherum wie Kollegen sich verhalten, sobald er in der Nähe ist. Schlechte Anzeichen sind ein gehetztes, stilles Büro, allgemeine Unruhe und kaum Augenkontakt. Auch wenn die Angestellten sich nicht gut miteinander verstehen, ziehen Sie die Notbremse.

4. Überfreundliches Verhalten

Es mag überraschend klingen, aber wenn Ihr Gegenüber unglaublich freundlich ist, sitzen Sie womöglich in der Falle. Wenn sich die Dinge zu gut anhören, um wahr zu sein – dann sind sie es auch.

„Ein zu freundschaftliches Verhältnis zu ihrem Vorgesetzten kann problematische Züge annehmen. Möchte Ihr Chef von der ersten Sekunde an Ihr bester Freund sein, viele private Dinge wissen und erzählen, sollten Sie vorsichtig sein. Dies ist unprofessionell und kann im normalen Arbeitsalltag zu Interessenskonflikten führen. Zudem ist es oft schwierig, sich abzugrenzen und Nein zu sagen, wenn das Verhältnis zu kumpelhaft ist.”

Walter Feichtner, Karrierecoach

Wenn Sie vom Gespräch einzig den Eindruck mitnehmen, wie nett und freundlich alle waren, und Sie sich sonst an nichts Anderes erinnern, könnte das ein schlechtes Signal sein. Wahrscheinlich hat Ihr Gesprächspartner versucht, Sie mit einer Überkompensation an Freundlichkeit für sich einzunehmen. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl – Sie werden die Situation durchschauen.

Achten Sie auf Authentizität. Nehmen Sie nicht das erstbeste Angebot an – suchen Sie weiter, bis Sie den für Sie passenden Job gefunden haben.

„Bei zu großen Versprechungen sollten Sie ebenfalls misstrauisch werden. Wenn Ihr potentieller Vorgesetzter Ihnen alles verspricht, was Sie sich wünschen und Ihren zukünftigen Arbeitsalltag als absolut perfekt beschreibt, sollten Sie aufhorchen. Auch ein Chef möchte sein Unternehmen gut verkaufen, doch falsche Versprechungen sollten Sie erkennen können und sich zweimal überlegen, ob Sie in einem solchem Umfeld arbeiten möchten.”

Walter Feichtner, Karrierecoach

5. Körpersprache

Die Art und Weise, wie ein Gesprächspartner sitzt, sich bewegt, steht und redet sagt viel über ihn als Person wie auch als Chef aus.

Wenn er sich zurücklehnt und kaum Augenkontakt sucht ist er desinteressiert und zollt Ihnen keinen Respekt. Er schenkt wahrscheinlich auch seinen Angestellten wenig Aufmerksamkeit und Anerkennung für ihren Erfolg.

Wenn er auf dem Stuhl hin und her rutscht und immer wieder auf seine Uhr blickt ist er unsicher. Ein Chef ohne Selbstvertrauen könnte sich von Ihnen eingeschüchtert fühlen und Sie davon abhalten, sich weiterzuentwickeln.

Achten Sie auch auf Einschüchterungstaktiken. Wenn Ihr Gegenüber auf Sie zeigt, Sie von oben bis unten begutachtet und sich oft vorlehnt, könnte er versuchen, Sie niederzudrücken oder Ihre Belastbarkeit auszutesten.

Ein schlechter Chef nutzt Angst, um seine Mitarbeiter zu unterdrücken, behandelt sie respektlos und fördert Nachwuchstalente nicht. Um solche Charakterzüge zu entlarven, sollten Sie die Körpersprache genau beobachten.

Lassen Sie sich nicht auf ein faules Arrangement ein, das Ihren Möglichkeiten nicht gerecht wird und Sie stresst. Sie sollten genau wissen, was Sie wert sind, und einfordern, was Sie sich für Ihre Karrierelaufbahn wünschen und was Ihnen zusteht.

Um Ihnen bei der Suche Mut zu machen, haben wir Best-Practice-Beispiele der beliebtesten Managerinnen und Manager zusammengestellt.

Sind auch Sie schon einmal einem miesen Chef im Bewerbungsgespräch begegnet? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren!

Walter Feichtner

Walter Feichtner ist Dipl.-Kulturwirt und Inhaber von Karrierecoach München. Als Coach und Berater ist er Experte für alle Fragen rund um das Thema Karriere und den Bewerbungsprozess. Außerdem ist er an über 30 Unis und Fachhochschulen als Gastdozent tätig.

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