Interview „Der Bürohund ist nicht mehr aufzuhalten“


Der Vierbeiner am Arbeitsplatz wird in deutschen Büros immer beliebter. Warum das so ist und welche Vorteile ein Bürohund gleichermaßen für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber und auch die Hunde selbst mit sich bringen kann, erklärt Markus Beyer, 1. Vorsitzender vom Bundesverband Bürohund, im Gespräch mit Glassdoor.

Warum ist ein Bürohund ein Zeichen für einen guten Arbeitgeber?

Markus Beyer: Eine adäquate Zulassung von Bürohunden im Unternehmen ist eines der Anzeichen dafür, dass die Geschäftsführung den Mitarbeiterinteressen Wertschätzung entgegenbringt und sich ernsthaft mit den psychischen und körperlichen Belangen der Angestellten auseinandersetzt. Diese Unternehmen haben sich in der Regel von alten, verkrusteten und krankmachenden Strukturen gelöst, sind innovativ, häufig erfolgreicher und können die Gewinner im „War for Talents“ sein. Diesen Unternehmen gehört die Zukunft!

Was konkret ist bei der von Ihnen erwähnten adäquaten Zulassung von Bürohunden zu berücksichtigen?

Markus Beyer: Bei der Implementierung von Hunden im Büro haben wir es mit drei beteiligten Akteuren zu tun: dem Unternehmen, den Mitarbeitern und natürlich den Hunden selbst. Es müssen also Lösungen her, die die Interessen bzw. das Wohl aller Beteiligten schützen. Dazu empfehlen wir die gemeinsame und individuell angepasste Erarbeitung eines Regelplanes. In dieser Vereinbarung sollten Lösungen für Mitarbeiter, die das Bedürfnis haben, einen Hund mitzubringen, um bspw. einem Burnout vorzubeugen, genauso festgehalten werden, wie die Sorgen von Kollegen mit Hundeangst. Im Sinne des Unternehmens, das an einem verbesserten Ablauf des Geschäftsbetriebs interessiert ist, müssen hier die Rechte und Pflichten der Hundehalter und Hunde berücksichtigt werden. Gestatten Sie mir hier den Hinweis, dass der Hund niemals Mittel zum Zweck sein sollte, sondern als Teammitglied zu betrachten ist!

Gibt es einen tatsächlichen physiologisch messbaren Vorteil, der sich aus der Mensch-Hund-Interaktion ergibt?

Markus Beyer: Bei der Begegnung zwischen Mensch und Hund wird bei beiden die Produktion des Hormons Oxytocin aktiviert. Man nennt es auch das „Feel-Good-Hormon“. Oxytocin hat viele Effekte: Das Hormon führt beispielsweise linear und direkt zur Senkung der Stresshormone Insulin und Cortisol, macht gesünder, empathischer, loyaler und zufriedener.

Womit sich ein Hund im Büro auch für den Arbeitgeber auszahlen kann.

Markus Beyer: Genau, einerseits liegen die Vorteile für Arbeitnehmer klar auf der Hand: Das Risiko, psychisch oder körperlich zu erkranken, ist geringer. Daraus ergeben sich – über den potenziellen positiven Einfluss auf das Arbeitgeberimage hinaus – natürlich weitere Vorteile für den Arbeitgeber: Gesündere, motiviertere und loyalere Mitarbeiter, die zielführender arbeiten und einen geringeren Ausfallaufwand verursachen.

Ist mit der Etablierung Ihres Verbands ein „Trend zum Bürohund“ entstanden?

Markus Beyer: Den Hund im Büro gab es natürlich auch schon vor der Gründung unseres Verbands. Wir geben dem Thema nun Struktur. Hierbei verfolgen wir insgesamt vier Phasen: 1., die Sensibilisierung für das Thema psychische Erkrankungen und Burnout durch unsere Öffentlichkeitsarbeit. 2., die Vorbereitung und Begleitung von Unternehmen, Hundehaltern und Multiplikatoren zur adäquaten Einführung von Hunden im Büro. 3., die Einbindung von Versicherungsträgern zur monetären Unterstützung von Hundehaltern und Unternehmen im Sinne einer wirkungsvollen Präventionsmaßnahme gegen die Folgen von arbeitsbedingten psychischen Erkrankungen. Und 4., das politische Engagement zur Anerkennung des Bürohundes als medizinisches Hilfsmittel.

 

Markus Beyer mit seinem Hund Chester. © Kerstin Ehlen

Nimmt die Anzahl von Bürohunden in Deutschland denn nach Ihrem Kenntnisstand zu?

Markus Beyer: Die genaue Zahl der in Deutschland „tätigen“ Bürohunde kennen wir im Moment noch nicht. Für die nahe Zukunft bereiten wir eine Studie dazu vor. Unsere derzeitige Einschätzung, basierend auf den Reaktionen von Mitarbeitern und Unternehmen, ist eindeutig: Das Thema hat bereits eine beachtliche Eigendynamik entwickelt. Selbst wenn es unseren Verband morgen nicht mehr gäbe, ist das Thema Bürohund aus meiner Sicht nicht mehr aufzuhalten. Dabei ist der Faktor Zeit auf unserer Seite. Immer wenn die aktuellen Gesundheitszahlen für Deutschland veröffentlicht werden, nimmt der Anteil von psychischen Erkrankungen zu. Die Frage ist also nicht, ob der Handlungsdruck der Unternehmen zu entsprechenden Veränderungen führt, sondern lediglich wann dies passiert. Als ein möglicher Lösungsweg bietet sich dann der Bürohund an.

Wie sieht denn die Unterstützung für den Bundesverband Bürohund aktuell aus? 

Markus Beyer: Wir haben derzeit rund 3.000 Unterstützer und Förderer. Das Verhältnis zwischen Hundehaltern und Unternehmen liegt dabei etwa bei 70 zu 30. Bemerkenswert ist die Entwicklung der Kontaktaufnahmen hier bei uns im Verband: Zu Anfang haben vor allem Hundehalter den Kontakt zu uns gesucht. Seit rund einem Jahr sind es jedoch deutlich mehr Unternehmen, die Lösungen zur Einführung von Hunden im Büro suchen. Auf unserer Bürohundkarte sind im Moment 300 Unternehmen mit Bürohunden eingetragen.

 

Hier finden Sie mehr Infos zum Bundesverband Bürohund e.V.

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