Zwischenzeugnis anfordern: So geht’s problemlos

Zwischenzeugnis anfordern

Wer sich aus einer Festanstellung heraus bei einem anderen Unternehmen bewerben will, hat mit einem guten Zwischenzeugnis Vorteile. Doch das zu bekommen, ist nicht immer ganz einfach. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Wie wichtig ist überhaupt ein Zwischenzeugnis?

Sehr wichtig. Wechselwillige Arbeitnehmer können damit auch aus einer Festanstellung heraus bei Bewerbungen punkten und so mit der „freien“ Konkurrenz mithalten. Hier wirkt das Zwischenzeugnis, wenn es positiv und ohne Geheimklauseln formuliert ist, quasi wie ein Empfehlungsschreiben – auch wenn der bisherige Arbeitgeber es sicher nicht so beabsichtigt.

Aber auch ohne aktuelle Bewerbungsabsicht kann ein Zwischenzeugnis für jeden Arbeitnehmer sehr wertvoll sein. Vom Zwischenzeugnis darf der Arbeitgeber beim Endzeugnis nämlich nicht ohne triftigen Grund abweichen. Und auch bei späteren Problemen, etwa einer beabsichtigten Kündigung, kann ein positives Zwischenzeugnis Gold wert sein. Und sei es nur, um die Abfindung in die Höhe zu treiben.

Dafür aber, dass ein Zwischenzeugnis in vielen beruflichen Situationen weiterhelfen kann, wird es erstaunlich wenig angefragt, wie Umfragen unter Personalverantwortlichen zeigen. Zu groß, so schätzen Experten, ist anscheinend die Furcht vieler Arbeitnehmer, mit diesem Wunsch negativ beim Chef aufzufallen.

Wie fragt man – unverdächtig – nach einem Zwischenzeugnis?

Ehrlich gesagt: Das ist schwierig. Wenn Sie ein Zwischenzeugnis anfordern, besteht natürlich immer die Gefahr, dass der Vorgesetzte denkt, Sie bewerben sich anderswo. Wenn das nicht so ist, sollten Sie in dem Gespräch mit ihm ausdrücklich Ihre Loyalität und Treue zum Unternehmen bestätigen. Am elegantesten machen Sie das, indem Sie Ihm eine Perspektive der nächsten Jahre aus Ihrer Sicht präsentieren.

Wenn Sie aber vor dem Absprung stehen, möchten Sie natürlich nicht, dass er das ahnt, weil das die zukünftige Zusammenarbeit belasten könnte. Deshalb sollten Sie sich immer auf einen triftigen Grund (s.u.) berufen, wenn es ihn denn gibt. Falls keiner dieser „unverdächtigen“ Gründe vorliegt, hilft oft das Argument, dass ihr letztes Zeugnis schon lange zurückliegt: Nach drei Jahren können Sie in den allermeisten Fällen ohne Probleme nach einem Zwischenzeugnis fragen. Aber auch hier sollten Sie auf jeden Fall Fingerspitzengefühl bei der Anfrage zeigen.

Die beste Situation ist es natürlich, wenn Ihr Unternehmen turnusgemäß Zwischenzeugnisse für Interessierte ausstellt. Dann sollten Sie diese Gelegenheit auf alle Fälle nutzen. 

Wann kann man auf jeden Fall um ein Zwischenzeugnis bitten?

Wichtig zu wissen: Es muss immer ein betriebsinterner Grund für die Ausstellung eines Zwischenzeugnisses vorliegen. Also etwa, wenn...

...der Vorgesetzte wechselt,

...das Unternehmen fusioniert,

...die Rechtsform des Unternehmens sich ändert,

...das Unternehmen umstrukturiert wird,

...das persönliche Aufgabenfeld sich ändert,

...ein Auslandseinsatz vorgesehen ist,

...man befördert wurde oder

...das Unternehmen sich im Insolvenzverfahren befindet.

Wichtig dabei: Nach dem Eintritt eines solchen triftigen Grunds sollte man nicht allzu lange mit der Bitte um ein Zwischenzeugnis warten. Hier gilt eine Maximalgrenze von etwa drei Monaten.

Gibt es einen rechtlichen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis?

Nein. Aber es einige Situationen, in denen Arbeitnehmer es trotzdem verlangen können. Wie mehrere Gerichte entschieden haben, gilt das vor allem bei gravierenden Veränderungen für den Arbeitnehmer. Dazu zählen zum Beispiel ein Wechsel der Position oder die Übernahme anderer Aufgaben im Unternehmen (s.o.). Aber auch eine anstehende längere Auszeit wie die Elternzeit oder ein Sabbatical kann Grund genug sein.

Was sollte, was muss in einem Zwischenzeugnis stehen?

Im Grunde unterscheidet sich der Inhalt eines Zwischenzeugnisses nicht von dem des endgültigen, das Sie bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses bekommen: Zum einen werden auch hier Zeitraum und Tätigkeiten der Beschäftigung festgehalten, dies sind die Mindestvoraussetzungen an ein „einfaches“ Zeugnis. Aber auch ein Zwischenzeugnis sollte „qualifiziert“ sein, das heißt, Ihre Leistungen und Ihr Verhalten sollten bewertend aufgeführt werden. Eine Schlussformel wie „Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit“ bekräftigt das vorher Geschriebene – und beseitigt auch beim Unternehmen, bei dem man sich bewirbt, mögliche Zweifel daran, ob die alte Firma Sie mit einem guten Zeugnis nur „wegloben“ will.

Einziger formeller Unterschied: Anders als das Endzeugnis muss das Zwischenzeugnis im Präsens geschrieben werden. 

Was kann man tun, wenn man kein (gutes) Zwischenzeugnis bekommt, sich aber trotzdem bewerben möchte?

Viele Unternehmen akzeptieren, dass nicht jeder Bewerber ein Zwischenzeugnis vorlegen kann. Personalexperten raten deshalb dazu, sich für die Bewerbung selbst eine Art persönliche Leistungsbilanz zu schreiben. Darin sollten Sie Ihre wichtigsten Aufgaben, bemerkenswerte Erfolge und die Bandbreite der Erfahrungen beim aktuellen Arbeitgeber aufführen.