Disziplinarische vs Fachliche Führung

Disziplinarische vs. fachliche Führung – Merkmale, Unterschiede und Definition

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Glassdoor Team | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 25. Juli 2023

Die Arbeitswelt befindet sich im steten Wandel, das macht auch vor den Führungsetagen nicht Halt. Dort sind heutzutage zwei verschiedene Stile mit unterschiedlichen Schwerpunkten gängig: die disziplinarische versus die fachliche Führung. Was die beiden Varianten ausmacht – und wieso es eigentlich „und statt „vs. heißen sollte –, erfahren Sie in unserem Artikel.

Disziplinarische Führung: Definition

Die disziplinarische Führung wird auch als die hierarchische Führung bezeichnet. Der oder die disziplinarische Vorgesetzte besitzt eine sogenannte Weisungsgewalt und trifft die Entscheidungen. Das beinhaltet auch die Einstellung von neuen Mitarbeitenden und daher eine direkte Zusammenarbeit mit der Personalabteilung. Außerdem fällt die Organisation von Weiterbildungen in den Bereich der disziplinarischen Vorgesetzten. Beispiele für disziplinarische Vorgesetzte sind zum Beispiel klassische Abteilungsleiter:innen.

Per se steht bei der disziplinarischen Führung der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin mehr im Vordergrund. Es geht darum, die Stärken und Schwächen zu identifizieren und diese dementsprechend für Projekte einzuplanen. Die Rollen sind klar verteilt – gibt der oder die disziplinarische Vorgesetzte eine Anweisung, ist dieser in der Regel zu folgen.

Vor- und Nachteile von disziplinarischer Führung

Die disziplinarische Führung hat unterschiedliche Vor- und Nachteile, die je nach Beruf und Abteilung verschieden Anwendung finden.

VorteileNachteile
Entwicklung der Mitarbeitenden: Disziplinarische Vorgesetzte kümmern sich um die Entwicklung der Mitarbeitenden und achten darauf, dass diese sich regelmäßig weiterbilden.
Klare Rahmenbedingungen: Es ist eindeutig festgelegt, wer welche Rolle einnimmt.
Kontrolle: Die Weisungsbefugnis eines oder einer disziplinarischen Vorgesetzten kann als Kontrolle von den Mitarbeitenden wahrgenommen werden und die Kreativität und Motivation einschränken.
Wenig Mitspracherecht für Mitarbeitende: Das kann zu einem verminderten Engagement führen, da der Einfluss als gering eingeschätzt wird.

Fachliche Führung: Definition

Im Gegensatz zur disziplinarischen Führung besitzt die fachliche keine absolute Weisungsbefugnis. Stattdessen steht hier die Fachkompetenz im Vordergrund – und ist der Hauptgrund für die Position. Meist handelt es sich hierbei um Projektleitende, die sich um fachliche Fragen kümmern. Diese Art Führungsstil wird allgemein als demokratischer und weniger hierarchisch wahrgenommen. Der Fokus liegt auf den Arbeitsinhalten und darauf, wie Projekte am besten umgesetzt werden können. Je nach Fachbereich können es auch mehrere fachliche Führungskräfte sein, die sich um einzelne Aspekte oder Projekte kümmern.

Vor- und Nachteile von fachlicher Führung

Die fachliche Führung weist verschiedene Vor- und Nachteile auf, die unterschiedliches Gewicht haben.

VorteileNachteile
Zusammenarbeit auf Augenhöhe: Keiner ist offiziell höher gestellt und es wird mit flachen Hierarchien gearbeitet.
Inspiration durch fachliche Kompetenz: Durch das Expertenwissen kann die fachliche Führungskraft die Mitarbeitenden inspirieren und auf neue Ideen bringen.
Zeitaufwändig: Mehrere Menschen einzubeziehen, kann zu längeren Entscheidungsprozessen führen.
Keine Weisungsbefugnis: In Konfliktsituationen – oder wenn es um den Bedarf von neuen Mitarbeitenden geht –, kann das zu Problemen führen.

Unterschiede fachliche und disziplinarische Führung

Der größte Unterschied zwischen fachlicher und disziplinarischer Führung ist die Weisungsbefugnis. Während die disziplinarische Führung klar Anweisungen erteilen kann, die auch Gewicht haben, hängt bei der fachlichen Führung alles von der Fachkompetenz ab – und diese Person besitzt keine Weisungsbefugnis. Auch konzentriert sich die Zusammenarbeit mit der disziplinarischen Führungskraft mehr auf die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden, während bei der fachlichen Führungskraft die Arbeitsinhalte in den jeweiligen Projekten im Vordergrund stehen.

Zudem ist die disziplinarische Führung durch klare Hierarchien gekennzeichnet, während bei der fachlichen Führung flache Hierarchien vorherrschen. Dadurch ist hierbei ein größeres Einbeziehen der Mitarbeitenden möglich, was in der Regel positiv auf die Unternehmenskultur einzahlt.

Disziplinarische oder fachliche Führung?

Die fachliche Führung ist vor allem im Expertenumfeld die am häufigsten gewählte Variante. Beispiele dafür sind die IT und Wissenschaftler:innen. Hier wird erwartet, dass die Führungskraft auch das notwendige Wissen aufweist und sich auskennt. Allgemein ist die fachliche Führung für diejenigen am besten geeignet, die zwar führen möchten, aber dabei keine Personalverantwortung tragen wollen.

Für ein Unternehmen empfiehlt es sich, die fachliche Führung nicht zu ignorieren, da diese vor allem bei der jüngeren Generation eine große Akzeptanz genießt. Bei der Entscheidung heißt es auch nicht zwingend fachliche vs. disziplinarische Führung – stattdessen hat es sich als hilfreich erwiesen, beide Rollen zu besetzen und den Fokus darauf zu richten, dass die jeweilige Person die wichtigsten Eigenschaften einer Führungskraft mitbringt.

Fachliche und disziplinarische Führung trennen?

Früher wurden die fachliche und disziplinarische Führung von ein und derselben Person verkörpert. Zwar kommt das auch heutzutage noch häufig vor, allerdings sollten Sie darüber nachdenken, dafür zwei unterschiedliche Führungskräfte einzusetzen.

Eine Möglichkeit sind fachliche Führungskräfte für bestimmte Bereiche, die dann von einer einzigen disziplinarischen Führungskraft, dem oder der Abteilungsleiter:in, betreut werden. Das wird dem Wunsch nach Fachkompetenz gerecht und ermöglicht es den fachlichen Führungskräften, dabei keine Personalverantwortung übernehmen zu müssen.

Die Trennung von fachlicher und disziplinarischer Führung ermöglicht es der jeweiligen Führungskraft auch, sich mehr auf die eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren. Dafür ist es notwendig, dass die beiden Führungskräfte zusammenarbeiten – und sich regelmäßig austauschen. Zum Beispiel rund um mögliche Weiterbildungen für Mitarbeitende.

Fazit: disziplinarische vs. fachliche Führung von verschiedenen Faktoren abhängig

Im Prinzip heißt es nicht disziplinarische vs. fachliche Führung, sondern disziplinarische und fachliche Führung. Beide Rollen sollten im Unternehmen besetzt werden. Am besten von verschiedenen Personen, um zu gewährleisten, dass es zu keiner Überlastung kommt. Achten Sie dabei darauf, dass die Führungskräfte gut zusammenarbeiten und keine Konkurrenz entsteht. Dann kann das ein funktionierendes System für das Unternehmen und die Mitarbeitenden werden.

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