Der Dunning-Kruger-Effekt im Berufsalltag

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Glassdoor Team | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 9. Mai 2024
Inkompetenz und Selbstüberschätzung sind Eigenschaften, die im Arbeitsalltag nicht gerade gefragt sind. Und doch verfügen manche Menschen über ein geradezu unerschütterliches Selbstbewusstsein, was ihre eigenen Fähigkeiten angeht. Der Haken an der Sache: Häufig bringen sie im jeweiligen Bereich eher keine Höchstleistungen. Das Phänomen ist auch als Dunning-Kruger-Effekt bekannt. Erfahre hier, wie dieser Effekt Menschen beeinflusst und wie du im Berufsleben am besten damit umgehst.
- Was ist der Dunning-Kruger-Effekt?
- Warum fallen so viele Menschen dem Dunning-Kruger-Effekt zum Opfer?
- Wie erkennst du, ob du vom Dunning-Kruger-Effekt betroffen bist?
- Warum ist es wichtig, den Dunning-Kruger-Effekt zu kennen und damit im Berufsalltag umzugehen?
- Kann der Dunning-Kruger-Effekt überwunden werden?
- Was ist das Gute am Dunning-Kruger-Effekt?
- Fazit – den Dunning-Kruger-Effekt im Job nutzen
Was ist der Dunning-Kruger-Effekt?
Je inkompetenter, desto selbstbewusster: So lässt sich der Dunning-Kruger-Effekt einfach erklären. Dabei handelt es sich bei dem Dunning-Kruger-Effekt nach der offiziellen Definition um eine kognitive Wahrnehmungsverzerrung des eigenen Selbstverständnisses: Menschen, die in einem Gebiet unerfahren oder inkompetent sind, überschätzen ihre Fähigkeiten in diesem Bereich deutlich.
Worauf basiert der Dunning-Kruger-Effekt?
Das Phänomen wurde 1999 von den US-amerikanischen Psychologen David Dunning und Justin Kruger entdeckt. Ihre Forschungen basieren auf einer Versuchsreihe mit Studierenden: Diese sollten nach der Bearbeitung von Logik- und Sprachtests ihre eigenen Ergebnisse im Vergleich zu denen der anderen Teilnehmenden bewerten. Bei der Auswertung stellte sich heraus: Wer am schlechtesten abschnitt, glaubte von sich, Top-Ergebnisse geliefert zu haben. Selbst nach Einsicht in ihre Aufgaben waren sie weiterhin von ihrer Kompetenz überzeugt. Dunning und Kruger schlossen daraus, dass inkompetente Menschen…
- ihre Fähigkeiten überschätzen,
- diese bei erfahrenen Personen zugleich nicht erkennen
- sich ihrer eigenen Inkompetenz nicht bewusst sind.
Warum fallen so viele Menschen dem Dunning-Kruger-Effekt zum Opfer?
Der Dunning-Kruger-Effekt ist tückisch: Die Wissenschaftler und Entdecker des Phänomens führen ihn auf mangelnde Metakognition zurück: Betroffene sind nicht in der Lage dazu, ihre kognitiven Prozesse zu überprüfen und zu reflektieren – oder frei nach Sokrates: Sie wissen nicht, dass sie nichts wissen. Zugleich ignorieren sie Indizien und Tatsachen, die belegen, dass sie alles andere als Expert:innen in einem Gebiet sind. Aus psychologischer Sicht ist das kein Wunder – schließlich möchte jeder Mensch grundsätzlich sein (positives) Selbstbild aufrechterhalten.
Wie erkennst du, ob du vom Dunning-Kruger-Effekt betroffen bist?
Wer sich selbst überschätzt, ist sich dem in aller Regel nicht bewusst. Wie also merkst du, ob du gerade auf den Dunning-Kruger-Effekt hereinfällst? Es gibt einige Indizien, die darauf hinweisen, dass du womöglich doch nicht so kompetent bist, wie du denkst:
- Dir unterlaufen in deiner Arbeit immer wieder Fehler und du sammelst negatives Feedback, obwohl du deine Arbeitsergebnisse als tadellos einschätzt.
- Du bist regelmäßig überzeugt, andere könnten dir nicht das Wasser reichen – von den Kolleg:innen über Beschäftigte anderer Abteilungen bis zum Vorgesetzten oder der Vorgesetzten.
- Du weißt es ohnehin immer besser und findest, neue Fakten und Perspektiven oder Weiterbildungen sind unnötig.
Warum ist es wichtig, den Dunning-Kruger-Effekt zu kennen und damit im Berufsalltag umzugehen?
Kenne deine Feinde: Nach diesem Motto bringt es dich im Job weiter, dir darüber bewusst zu sein, dass du womöglich gerade auf den Dunning-Kruger-Effekt hereinfällst. Die eigenen Fähigkeiten deutlich zu überschätzen, kann im Beruf fatal sein – etwa, wenn durch Unwissenheit Fehlentscheidungen getroffen oder Sicherheitsrisiken übergangen werden. Und: Wer meint, schon alles zu wissen, sieht auch keine Notwendigkeit für Fort- und Weiterbildungen. So verpufft wichtiges Know-how im eigenen Hause – und die Betroffenen verpassen die Chance auf fachliche Weiterentwicklung.
Das gleiche gilt für das Erkennen bei Kolleg:innen. Wenn du bei ihnen den Dunning-Kruger-Effekt bemerkst, fällt es dir leichter, damit zu arbeiten und gegenzusteuern, wenn das Risiko eines Fehlers besteht.
Kann der Dunning-Kruger-Effekt überwunden werden?
Die klare Antwort lautet: ja. Durch Erweiterung des Wissens lässt sich der Dunning-Kruger-Effekt abmildern, wie die Wissenschaftler in ihrem Ursprungs-Experiment 1999 ebenfalls herausfanden. Verbesserten die Teilnehmenden ihre Kompetenzen, schätzten sie sich und andere automatisch passender ein. Wer sich des Dunning-Kruger-Effekts bewusst ist, durchbricht damit einen Teufelskreis und eröffnet sich selbst die Möglichkeiten, durch mehr Know-how im Beruf weiterzukommen.
Ist der Dunning-Kruger-Effekt widerlegt?
Viele Psycholog:innen kritisieren den Dunning-Kruger-Effekt und weisen auf eine Fehlinterpretation der Ergebnisse hin. Demnach erkannten die Studienteilnehmenden sehr wohl, dass sie weniger kompetent seien als andere, lediglich sei ihre Einschätzung nicht präzise gewesen.
Zwar ist damit der Dunning-Kruger-Effekt nicht widerlegt, allerdings weisen einige Expert:innen darauf hin, dass ohnehin niemand seine eigene Kompetenz vollständig korrekt einschätzen könne. Dazu komme, dass Menschen dazu neigten, ihre Fähigkeiten bei einfachen Aufgaben für deutlich besser zu halten.
Dieser Aspekt des Dunning-Kruger-Effekts zeigt sich anschaulich an einem Beispiel aus dem Alltag: Die meisten Autofahrer:innen sind davon überzeugt, besser zu fahren als andere – dabei kann nur die Hälfte von ihnen tatsächlich zu den besten 50 Prozent zählen.
Was ist das Gute am Dunning-Kruger-Effekt?
Der Dunning-Kruger-Effekt hat nicht nur negative Folgen, im Gegenteil: Im Job sind es häufig die vom Dunning-Kruger-Effekt Betroffenen, die Aufgaben übernehmen, von denen andere die Finger lassen. Das kann einen Schub auf der Karriereleiter bedeuten. Vielfach strengen sie sich bei diesen Tätigkeiten mehr an und schließen sie tatsächlich erfolgreich ab.
Sehr selbstsichere, von sich und ihren Kompetenzen überzeugte Chefs oder Chefinnen gehen vielfach höhere Risiken ein und sind damit erfolgreicher als zögerliche Vorgesetzte.
Menschen, die ungeachtet ihrer tatsächlichen Fähigkeiten sehr von sich überzeugt sind und davon sprechen, kommen häufig weiter, verbuchen Gehaltserhöhungen und Beförderungen.
Nicht zuletzt gilt: Der Dunning-Kruger-Effekt bezieht sich in aller Regel nur auf bestimmte Bereiche und sagt nichts darüber aus, wie intelligent jemand ist. Wer auf einem Gebiet inkompetent ist, kann auf einem anderen ein Virtuose sein.
Fazit – den Dunning-Kruger-Effekt im Job nutzen
Wer den Dunning-Kruger-Effekt bei sich und anderen erkennt, kann von dem Phänomen profitieren. Selbstüberschätzung hat negative Auswirkungen, kann aber auch zu Bestleistungen anspornen. Fallen dir an dir selbst Indizien der Selbstüberschätzung auf, wie häufiges negatives Feedback, kannst du gegensteuern und zum Beispiel durch Weiterbildungen dein Know-how erweitern. Das mildert auch den Dunning-Kruger-Effekt ab. Es schadet ebenfalls nicht, den Effekt im Kollegium zu erkennen, um, falls notwendig und möglich, korrigierend einzugreifen oder um einschätzen zu können, welche Fähigkeiten die Person tatsächlich hat.

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