Mobbing am Arbeitsplatz: Was du tun kannst

Hannes Jarisch

Hannes Jarisch

Hannes Jarisch | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 25. Apr. 2024

Mobbing am Arbeitsplatz ist in Deutschland leider ein weit verbreitetes Problem. Viele Arbeitnehmer:innen erleben Ausgrenzung, Diskriminierung und andere Formen des Mobbings durch Kolleg:innen oder Vorgesetzte. Die Folgen einer dauerhaften Benachteiligung und Schikanierung können dabei ganz erheblich sein, bis hin zu schwerwiegenden psychischen Problemen. Hier erfährst du, wie du dir Hilfe bei Mobbing am Arbeitsplatz suchen kannst und wie du reagieren solltest, wenn du Mobbing in deinem beruflichen Umfeld registrierst.

Was ist Mobbing am Arbeitsplatz?

Definition: Mobbing

Mobbing am Arbeitsplatz lässt sich wie folgt definieren:
Unter Mobbing versteht man die wiederholte und systematische Ausgrenzung, Schikanierung oder Benachteiligung einer Person.

Der Ausdruck Mobbing stammt aus dem Englischen und bedeutet ursprünglich belagern, bedrängen oder angreifen.

Wie viele Arbeitnehmer:innen in Deutschland unter Mobbing leiden, lässt sich nur schwer sagen. Allerdings ist davon auszugehen, dass mindestens ein zweistelliger Prozentsatz der Angestellten mindestens einmal im Berufsleben gemobbt wurde, manche Studien gehen auch von einem Anteil von gut 30 Prozent aus.

Anzeichen für Mobbing am Arbeitsplatz

Natürlich handelt es sich nicht bei jeder Konfrontation im Berufsleben direkt um Diskriminierung oder Schikane.

Mobbing kann sich auf vielfältige Weise äußern, häufig wird der oder die Betroffene hierbei auf einer persönlichen Ebene durch Kolleg:innen oder Vorgesetzte angegriffen. Vor allem bei der Schikanierung durch einen oder eine Vorgesetzte besteht ein großes Machtgefälle.

Viele Formen von Mobbing sind strafbare Handlungen. Auch sexuelle Belästigung ist eine Form von (drastischem) Mobbing.

„Der Mobbing-Forscher Heinz Leymann unterscheidet insgesamt 45 Mobbing-Handlungen, zum Beispiel Demütigungen, das Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen oder die Zuweisung sinnloser Aufgaben“, erklärt Diplom-Psychologe Dr. Hubert Raab. „Auch der Missbrauch von Autorität, um das Opfer zu schikanieren, Gewaltandrohungen und soziale Exklusion fallen unter Mobbing.“

Wie lässt sich feststellen, ob Kolleg:innen von Mobbing betroffen sind?

„Wenn sich ein:e Kolleg:in plötzlich zurückzieht, weniger mitteilsam ist, empfindlich reagiert oder oft krank geschrieben ist, können dies alles Anzeichen für Mobbing sein“, sagt Mediatorin und Wirtschaftspsychologin Anne Alter. „Letztendlich kann es viele Ursachen für solches Verhalten geben und nur die Person selbst kann dies auf Nachfrage schildern.“

Nicht immer ist Mobbing für Außenstehende direkt erkennbar und auch Betroffene neigen regelmäßig dazu, die eigene Schikanierung herunterzuspielen.

„Ein Klient vor mir stellte erst während unserer Sitzungen fest, dass er Opfer von subtilen, aber stetigen Mobbingattacken wurde“, berichtet Karrierecoach Bastian Hughes. „Diese äußerten sich in sarkastischen Bemerkungen von Kollegen, die anfangs wie harmlose Witze klangen. Sie hatten sich aber zu einer konstanten Quelle des Unwohlseins entwickelt.“

Charakteristisch ist auch, dass sich das Mobbing einer bestimmten Person mit der Zeit auf immer vielfältige Weise äußert:

„Mein Klient wurde darüber hinaus nicht mehr zu wichtigen Meetings eingeladen und seine Ideen schienen plötzlich ungehört zu verhallen“, sagt Hughes. „Bis dahin hatte er das Verhalten seiner Kollegen als Phase bzw. Reaktion auf den Stress abgetan. Aber die Vorkommnisse häuften sich.“

Wann wird die Grenze zum Mobbing überschritten?

„Wenn das eigene Wohlbefinden am Arbeitsplatz dauerhaft beeinträchtigt ist. Die Grenze zwischen einem Scherz und Mobbing ist oft fließend, doch wenn das Verhalten systematisch wird und negative Auswirkungen auf das persönliche oder berufliche Leben hat, dann ist es Zeit, zu handeln!“

Bastian Hughes, Karrierecoach

Beispiele für Mobbing am Arbeitsplatz durch Chef:in oder Kolleg:innen

Beispiel 1: Unsachliche Kritik

Problematisch wird Kritik durch Vorgesetzte und Kolleg:innen immer dann, wenn sie persönlich wird. Dazu gehört beispielsweise das Infragestellen der grundlegenden fachlichen Eignung einer Person oder verletzende Äußerungen, die sich auf Äußerlichkeiten wie Kleidung oder körperliche Eigenschaften beziehen.

Beispiel 2: Vorhalten von Informationen

Eine besonders perfide Art des Mobbings ist es, Betroffene von wichtigen Informationen auszuschließen. Dies geschieht beispielsweise durch den Ausschluss aus einem E-Mail-Verteiler.

Beispiel 3: Soziale Ausgrenzung

Bei sozialer Ausgrenzung wird die gemobbte Person im sozialen Umfeld des Jobs, meist durch Kolleg:innen, isoliert.

Wirtschaftspsychologin Anne Alter sagt dazu:

„Mobbing findet oft im Verborgenen statt und ist dann durch passive Verhaltensweisen geprägt, welche nur der gemobbten Person selbst auffallen, zum Beispiel:

  • Ignorieren in der Mittagspause
  • Entwenden und Verstecken persönlicher Sachen oder Unterlagen vom Schreibtisch
  • Manipulation von Dokumenten“

Beispiel 4: Verbreiten von Unwahrheiten

„Das Verbreiten von Lügen und Gerüchten ist eine besonders weit verbreitete Form des Mobbings“, sagt Diplom-Psychologe Dr. Hubert Raab. „Hier geht es darum, den Ruf einer Person zu schädigen, wobei auch Cybermobbing eine immer größere Rolle spielt.“

Beispiele 5: Gewalt

Psychische und physische Gewalt und auch die Androhung von Gewalt durch Kolleg:innen oder Vorgesetzte sind drastische Formen des Mobbings und in vielen Fällen auch strafbar.

Was tun bei Mobbing am Arbeitsplatz?

Wenn du selbst unter Mobbing leidest oder der Meinung bist, dass eine Kollegin oder ein Kollege gemobbt wird, solltest du schnell reagieren.

Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es in Deutschland kein zentrales Anti-Mobbing-Gesetz. Täter machen sich aber in vielen Fällen auf Grundlage anderer Gesetze strafbar.

Ab wann sollte man gegen Benachteiligungen am Arbeitsplatz vorgehen?

„Zunächst einmal ist es wichtig, sich selbst gut auf dem Schirm zu haben“, erklärt Anne Alter. „Es ist ganz normal, dass auf der Arbeit mal Streit herrscht, die Stimmung nicht gut ist, oder eine:e Kolleg:in etwas in mir auslöst, das für mich höchst unangenehm ist. Das gehört alles dazu.“

Unsere Expertin führt weiter aus:

„Mobbing ist ein Prozess, der in der Regel schleichend passiert. Wenn ich abends im Bett wach liege, den nächsten Arbeitstages mit Bauchweh antizipiere und meine Lebensqualität absinkt, dann ist das ein klares Alarmzeichen, dass etwas wirklich nicht stimmt.“

Anne Alter, Mediatorin und Wirtschaftspsychologin

Und dann ist es Zeit, etwas gegen das Mobbing zu unternehmen.

Maßnahme 1: Mobbing ignorieren

Eine erste Maßnahme gegen Mobbing besteht darin, die Sticheleien zu ignorieren. Allerdings sollte das keinesfalls dazu führen, Mobbing über einen längeren Zeitraum zu ertragen. Wenn Ignorieren nicht hilft, wird es Zeit für andere Maßnahmen.

Maßnahme 2: Mobber direkt ansprechen

Falls Ignorieren nicht hilft, sollten Betroffene möglichst schnell die Konfrontation suchen, bevor sich eine Mobbing-Situtation weiter hochschaukelt. Wenn möglich, sollten Mobber direkt auf ihr Fehlverhalten angesprochen werden. Kleinere Konfliktherde lassen sich so löschen, bevor sie weiter anwachsen.

Wichtig dabei: Betroffene sollten sachlich bleiben, auch wenn es schwerfällt.

Unsere Expertin Anne Alter hat einige Beispiele parat, wie eine Ansprache an den Täter aussehen könnte:

„Bei ersten Anzeichen von Mobbing, kann man das Verhalten direkt ansprechen:

  • „Ich habe gehört, dass du den Termin angesetzt hast. Was erhoffst du dir davon, mich nicht dabei zu haben?“
  • „Ich fühle mich herabgesetzt durch dein Verhalten.“
  • „Gibt es einen bestimmten Grund dafür, dass du mir diese Infos vorenthalten hast?“
  • „Ich lasse mir nicht gefallen, dass du so abwertend mit mir sprichst.“

Es ist wichtig, nicht die Person zu bewerten, sondern das gezeigte Verhalten. Das erfordert viel Mut, kann aber gleich zu Beginn dem Verhalten den Riegel vorschieben.“

Maßnahme 3: Kolleg:innen um Hilfe bitten

Oft fällt es einem Mobbing-Opfer schwer, den Täter alleine mit seinem Verhalten zu konfrontieren. Dann sollten zunächst Kolleg:innen angesprochen und um Hilfe gebeten werden.

Weiterhin ist es empfehlenswert, alle Mobbing-Vorfälle schriftlich zu notieren, sobald weitere Personen wie Kolleg:innen hinzugezogen werden. So lässt sich auch mit etwas zeitlichem Abstand nachvollziehen, was genau passiert ist.

Maßnahme 4: Vorgesetzte informieren

Wenn die bereits genannten Maßnahmen nicht zur Lösung des Problems beitragen, wird es Zeit, Vorgesetzte über das Mobbing zu informieren und das Mobbing am Arbeitsplatz zu melden. Es ist wichtig, mit diesem Schritt nicht zu lange zu warten.

Vorgesetzte haben mehr Möglichkeiten, die Mobbing-Situation zu lösen, beispielsweise durch eine Ansprache an den oder die Mobber:in, eine Abmahnung oder, bei besonders drastischem Fehlverhalten, sogar eine Kündigung.

Auch die HR-Abteilung eines Unternehmens ist eine wichtige Anlaufstelle. Gerade in großen Konzernen finden sich hier häufig qualifizierte Personen, die im Umgang mit Mobbing geschult sind und die vermitteln und unterstützen können.

Aber was tun, wenn das Mobbing durch den Chef oder die Chefin stattfindet?

„Sollte er oder sie selbst involviert sein, hilft der Gang zur Personalabteilung, zum Personalrat oder zum Betriebsrat. Vergegenwärtige dir, dass du keine Schuld am Verhalten deiner Vorgesetzten trägst und du dir Hilfe holen darfst. Dein Arbeitgeber ist verpflichtet, Maßnahmen gegen das Mobbing zu ergreifen.“

Anne Alter, Mediatorin und Wirtschaftspsychologin

Maßnahme 5: Anzeige erstatten

Das Klären einer Mobbing-Situation auf juristischem Weg ist meistens langwierig und nicht immer von Erfolg gekrönt. Betroffene sollten sich dessen bewusst sein, bevor sie Anzeige erstatten.

Bei der juristischen Bewertung von Mobbing können verschiedene Paragrafen des Strafgesetzbuches zur Anwendung kommen, unter anderem:

  • Verleumdung (§ 187)
  • Beleidigung (§ 185)
  • Körperverletzung (§ 223)

„Sollte der Arbeitgeber seiner Pflicht nicht nachkommen und Maßnahmen gegen das Mobbing ergreifen, so sollte sich die gemobbte Person an das Arbeitsgericht wenden. Wenn rechtliche Schritte angestrebt werden, sollten alle Übergriffe und Vorkommnisse zur Dokumentation in einem Tagebuch festgehalten werden.“

Anne Alter, Mediatorin und Wirtschaftspychologin

Maßnahme 6: Krankschreibung

Psychische Erkrankungen durch Mobbing am Arbeitsplatz kommen leider sehr häufig vor. Mobbing-Opfer in kritischen Situationen sollten eine Krankschreibung aus psychischen Gründen in Erwägung ziehen.

Wichtig: Wiederholtes Krankschreiben ist keine nachhaltige Lösung, um Mobbing zu entkommen. Es dient lediglich dazu, um akut Betroffene kurzfristig vom Leidensdruck zu befreien und daraufhin eine nachhaltige Lösung zu erarbeiten. Auch sollte unbedingt über eine therapeutische Unterstützung nachgedacht werden.

Maßnahme 7: Kündigung

Ein Jobwechsel eines Mobbing-Opfers sollte die absolute Ausnahme und “Ultima Ratio” sein. Manchmal ist es aber leider der beste Ausweg aus einer stark belastenden Situation.

Was kann ich als Außenstehender tun, wenn ein:e Arbeitskolleg:in gemobbt wird?

Mobbing in der Arbeitswelt ist leider weit verbreitet und viele Mitarbeiter:innen sind bereits Zeuge von Mobbing geworden.

Unser Experte Bastian Hughes empfiehlt das folgende Vorgehen:

„Wenn du mitbekommst, dass Kolleg:innen von Mobbing betroffen sind: Vorsicht! Bleib zunächst neutral, denn du weißt nicht, ob sich jemand wirklich gemobbt fühlt. Das kann für dich als Außenstehenden zwar so aussehen, jedoch sind die Wahrnehmungen oft unterschiedlich. Um die Situation also gegebenenfalls nicht zu verschlimmern, suche zuerst das Gespräch mit der betroffenen Person. Biete ein offenes Ohr an und zeige Empathie. Finde so heraus, ob du mit deiner Einschätzung richtig liegst.“

In einem solchen Gespräch, welches natürlich in einem diskreten Rahmen und unter Vier-Augen geführt werden sollte, bist du der aktive Zuhörer. Vermeide es, zu viele bohrende Fragen zu stellen.

Auch für die weiteren Schritte empfiehlt Hughes ein vorsichtiges Agieren:

„Wenn es sich wirklich um Mobbing handelt, bleib weiterhin neutral, um nicht Teil des Problems zu werden. Ermutige den oder die Kolleg:in dazu, Hilfe in Anspruch zu nehmen und biete dafür deine Unterstützung an.“

Unsere Expertin Anne Alter macht deutlich, warum es so wichtig ist, Unterstützung anzubieten:

„Gemobbte Personen können sich schuldig und isoliert fühlen und sind oft nicht mehr in der Lage, sich selbst zu helfen. Daher ist es wichtig zu signalisieren, dass der oder die Betroffene nicht alleine ist.“

Du solltest niemals weitere Schritte gegen Mobbing unternehmen, ohne vorher mit dem oder der Mobbing-Betroffenen Rücksprache gehalten zu haben!

In einigen Fällen wissen Betroffene vielleicht gar nichts vom Mobbing, zum Beispiel dann, wenn hinter ihrem Rücken Unwahrheiten und Gerüchte verbreitet werden. Dann empfiehlt sich ebenfalls ein vertrauliches Gespräch, in dem du über die Vorfälle informierst.

Gegen Mobbing am Arbeitsplatz kannst du etwas tun

Mobbing am Arbeitsplatz ist leider weit verbreitet. Wenn du selbst Opfer von Mobbing wirst oder aber den Verdacht hast, dass ein Kollege oder eine Kollegin gezielt diskriminiert wird, solltest du schnell aktiv werden! Suche das Gespräch mit den Gemobbten und zeige die die passenden Lösungswege für die Situation auf.

„Traurig aber wahr: Oft merken Mobbende nicht, welche Auswirkungen ihr Handeln auf andere hat“, sagt Karrierecoach Bastian Hughes. „Was als harmloser Scherz beginnt, kann sich im Laufe der Zeit zu einem richtigen Mobbing entwickeln.“

Umso wichtiger ist es, dass du für alle Betroffenen ein offenes Ohr hast.

Bastian Hughes

Bastian Hughes ist Gründer der Plattform Berufsoptimierer.de. Zuvor arbeitete er zehn Jahre lang als Personaler. Seit 2017 hat er als Karrierecoach in über 3.000 Coaching-Stunden Menschen in ihrer beruflichen Entwicklung unterstützt. Seine Schwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Vorstellungsgespräch, Gehaltsverhandlung, Kommunikation und Konfliktbewältigung.

Bastian Hughes headshot

Anne Alter

Anne Alter ist Mediatorin und Wirtschaftspsychologin, die sich mit Potentialentfaltung im Kontext Arbeit befasst. Dabei ist es ihr besonders wichtig, menschliche Nähe und individuelle Stärken als Mehrwert zu fördern. Neben ihrer Expertise in Sozial-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie verfügt sie über Erfahrungen in klinischer Psychologie und arbeitet dabei traumasensibel.

Anne Alter headshot

Hubert Raab

Dr. Hubert Raab ist Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut. Er betreibt seit 10 Jahren eine Praxis für Verhaltenstherapie und arbeitet zusätzlich als Dozent und Supervisor.

Hubert Raab headshot
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Hannes Jarisch ist Karriere-Experte für den Glassdoor-Blog. Erfahren Sie auf dem Autorenprofil mehr über seine langjährige Erfahrung und bisher veröffentlichte Artikel.