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Lügen im Job: Fast die Hälfte der deutschen Berufstätigen flunkert am Arbeitsplatz

Team of young computer programmers cooperating in the office.

Wie viel Ehrlichkeit verträgt das Arbeitsleben? Dieser Frage sind wir mit einer repräsentativen Umfrage nachgegangen. YouGov Deutschland befragte dafür 1.066 deutsche Berufstätige zwischen dem 10. und 12. März 2020 zu ihrem Verhalten und dem Umgang mit der Wahrheit am Arbeitsplatz. Das Ergebnis: 45% der Berufstätigen lügen gelegentlich im Job, um gut über die Runden zu kommen.

Jeder fünfte Berufstätige in Deutschland (22%) verstellt sich bei der Arbeit

Können sich Arbeitnehmende im Job so geben wie sie wirklich sind? Mehr als jeder fünfte deutsche Berufstätige (22%) eher nicht. So hoch ist der Anteil derjenigen, die sich laut der Umfrage am Arbeitsplatz nicht authentisch verhalten. 32% der Befragten würden gar niemals Gefühle auf der Arbeit zeigen. Diese Umfrage-Ergebnisse vermitteln ein relativ nüchternes Bild der Arbeitswelt. Diese grundsätzliche Bestandsaufnahme scheint sich auch auf den Umgang mit der Wahrheit im Job niederzuschlagen. Wie viel Raum bleibt für erfrischende Ehrlichkeit im Job?

Ehrlichkeit währt am längsten? Nicht im Beruf

Im Rahmen der Befragung wurden die Teilnehmenden zu zwei unterschiedlichen Arten von Lügen befragt: “Kleine Lügen” erfolgen beiläufig und dienen der Beschönigung (“Ich bin da dran!”), wohingegen “große Lügen” vorsätzlich erfolgen und Tatsachen grob verdreht werden (“Ich habe den Großkunden gewonnen!”). Dem gelegentlichen Gebrauch von kleinen Notlügen in obigen Sinne bekennen sich 45% der Befragten schuldig, regelmäßig ist diese Form bei 28% der deutschen Berufstätigen im Einsatz. Dabei gehen 51% der Männer davon aus, dass kleine Lügen einfach zum Berufsleben dazu gehören. Das sehen nur 45% der weiblichen Befragten so. 

Grobe Lügen bleiben die Seltenheit am Arbeitsplatz

Wird nun bei der Arbeit gelogen, bis sich die Balken biegen? Nicht unbedingt. Bei gröberen Lügen zeigen sich die meisten Berufstätigen zurückhaltender. Nur 8% der Berufstätigen setzen gelegentlich “große Lügen” ein, um sich im Berufsleben durchzusetzen. Nur 6% tun dies häufig. Grundsätzlich neigen eher Männer (8%) als Frauen (4%) dazu, die Wahrheit regelmäßig zu verdrehen. Für 90% der befragten Frauen haben vorsätzliche Lügen im Arbeitsleben nichts zu suchen, aber auch 80% der Männer teilen diese Auffassung. Aus welchen Gründen wird besonders viel auf der Arbeit gelogen? 27% der deutschen Berufstätigen gaben hier an, dass sie schon einmal gelogen haben, um Fehler und Misserfolge zu verbergen. 21% haben schon einmal die Unwahrheit gesagt, weil sie vermuten, dass die eigene Chefin oder der Chef keine abweichende Meinung akzeptiert. 12% der Befragten taten dies, um Strafen und Sanktionen zu entgehen. 

Freunde und Familie werden häufiger angelogen als die Vorgesetzten

Allerdings dürfen sich Mitarbeitende und Vorgesetzte am Arbeitsplatz noch vergleichsweise gut behandelt vorkommen. Die Befragten lügen in der Tendenz häufiger ihre Freunde und Familie an als die eigene Chefin oder den Chef. Während immerhin 38% bereits einmal ihre Lebenspartnerin oder ihren Lebenspartner angelogen haben, geben nur 15% an, es bei ihrem Vorgesetzten probiert zu haben. Auch die Hierarchie hat hier einen Einfluss: Besonders ehrlich gibt man sich nämlich gegenüber dem oder der eigenen CEO. Nur 5% der deutschen Berufstätigen haben in dieser Arbeitsbeziehung schon einmal gelogen. 

“Die Tatsache, dass sich zahlreiche Berufstätige dann und wann mit einer Notlüge behelfen, ist nicht weiter kritisch. Schwierig wird es dann, wenn sie in einem Unternehmen arbeiten, in dem sie es vielleicht müssen, weil Fehler und Misserfolge nicht toleriert werden und Sanktionen drohen. Dabei sollte sich doch herumgesprochen haben, dass ein offener Umgang mit Fehlern dafür sorgen kann, dass Berufstätige mutiger und kreativer werden. Wer sich am Arbeitsplatz verstellen und ständig lügen muss, sollte überlegen, ob sie oder er dort noch richtig aufgehoben ist”, erläutert Felix Altmann, Arbeitsmarktexperte bei Glassdoor. 

Über die Umfrage

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 1.054 Berufstätige zwischen dem 10.03. und 12.03.2020 teilgenommen haben. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Die fehlenden Anteile zu 100 Prozent beruhen auf “Weiß nicht/Keine Angabe”.