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Frauen verdienen unter gleichen Voraussetzungen 5,5 % weniger als Männer

Frauen verdienen in Deutschland weniger als Männer. Laut Statistischem Bundesamt beläuft sich der Gender Pay Gap hierzulande auf 21 Prozent. Ein Teil der Lohnlücke lässt sich darauf zurückführen, dass Männer im Durchschnitt in anderen Branchen arbeiten, schlicht besser bezahlte Positionen innehaben oder mehr Berufserfahrung haben. Wie eine aktuelle Studie von Glassdoor® zeigt, besteht allerdings auch dann noch eine Lohnlücke, wenn Gehälter von Frauen und Männern statistisch bereinigt werden – sprich, diese Faktoren herausgerechnet werden.

Glassdoor hat im Rahmen der internationalen Untersuchung „Demystifying the Gender Pay Gap“ mehr als 534.000 Gehaltsangaben analysiert, die Arbeitnehmer auf der Plattform online geteilt haben. Das Besondere an diesen Gehältern: Die Daten sind mit sehr spezifischen Angaben der Arbeitnehmer verknüpft, wie dem genauen Jobtitel oder dem konkreten Arbeitgeber. Dadurch konnten Gehälter genau verglichen und ein präzise bereinigter Gender Pay Gap identifiziert werden. Zusätzlich zeigt die Studie die Ursachen für den Gender Pay Gap, diskutiert Lösungsansätze und stellt Empfehlungen für Regelungen bereit, die dazu beitragen können, die Lohnlücke zu schließen.

Die Ergebnisse für die unbereinigte Gehaltskluft legen offen, dass Frauen hierzulande für jeden Euro, den Männer verdienen, durchschnittlich nur 78 Cent erhalten. Doch auch nach der statistischen Bereinigung bleibt eine Gehaltskluft von 5,5 Prozent bestehen. Mit anderen Worten: Eine Frau verdient im Schnitt auch dann noch weniger als ihr männlicher Kollege, wenn sie die gleiche Stellenbezeichnung hat, beim gleichen Arbeitgeber angestellt ist, in der gleichen Region arbeitet sowie Alter, Ausbildung und Berufserfahrung vergleichbar sind. Ähnliche Ergebnisse wurden auch in den anderen untersuchten Nationen USA, Großbritannien, Frankreich und Australien festgestellt.

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Was sind erklärbare und ungeklärte Faktoren des Gender Pay Gaps?

Um besser zu verstehen, wie der Gender Pay Gap zustande kommt, unterteilt Glassdoor die Lohnlücke in einen erklärbaren und einen ungeklärten Anteil. In Deutschland sind 51 Prozent der Gehaltskluft erklärbar, z. B. durch verschiedene Arbeitnehmermerkmale. Gleichzeitig können 49 Prozent des Lohnunterschieds nicht durch Faktoren, die anhand der Glassdoor-Daten beobachtbar sind, erklärt werden. Zu diesen ungeklärten Faktoren können beispielsweise Unterschiede in der Gehaltsverhandlungsstrategie von Männern und Frauen oder auch eine unterschiedliche Behandlung durch den Arbeitgeber gehören. Im direkten Vergleich mit den anderen untersuchten Ländern nimmt Deutschland hier den letzten Platz ein – in den USA sind 67 Prozent des Gender Pay Gap erklärbar, in Großbritannien immerhin noch 64 Prozent.

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Ein wesentlicher Faktor für die Gehaltskluft sind unterschiedliche Beschäftigungsarten und Branchen, für die sich Männer bzw. Frauen „typischerweise“ entscheiden und deren Verdienstpotenzial stark variiert. Dieser Faktor macht in Deutschland 28 Prozent aus und findet sich ebenfalls in allen anderen untersuchten Ländern. Wie wissenschaftliche Studien zeigen, tragen auch sozialer Druck und Gendernormen dazu bei, wie sich die Karrieren von Männern und Frauen entwickeln. So wird von Frauen teilweise stärker erwartet, dass sie das klassische Rollenbild erfüllen und sich um die Kinder oder pflegebedürftige Verwandte kümmern. Dadurch nehmen sie beispielsweise niedriger bezahlte Jobs bzw. Teilzeitanstellungen an. Genderspezifische Unterschiede haben Einfluss auf die Ausbildung und Berufserfahrung und machen 22 Prozent des erklärbaren Gender Pay Gaps aus

„Frauen und Männer tendieren schon früh im Leben dazu, verschiedene Karrierewege zu verfolgen und dann in unterschiedlichen Branchen und Berufen tätig zu sein. Diese Entscheidungen sind häufig auf soziale Erwartungen und traditionelle Gendernormen zurückzuführen. Dies wiederum ist der größte Einflussfaktor, der Lohnunterschiede zwischen Frau und Mann erklärt“, so Chamberlain.

Der Ländervergleich

Die vollständigen Ergebnisse zur Studie „Demystifying the Gender Pay Gap” mit detaillierten Analysen zum Gender Pay Gap in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den USA und Australien stehen zum Download zur Verfügung (auf Englisch).