Sie wollen Pilot werden? So erreichen Sie den Traumberuf

Pilot werden

Pilot, das ist ein spannender, moderner Beruf, von dem viele junge Frauen und Männer träumen. Doch nur wenige Bewerber überstehen die harten Auswahltests – und können sich die teure Ausbildung überhaupt leisten. Wir zeigen Ihnen die besten Wege über den Wolken.

Was machen Piloten?

Mütze auf, ins Cockpit setzen, losfliegen – nein, das ist nicht alles, was Piloten machen. In Wirklichkeit beansprucht das Fliegen nur rund 30 Prozent der Arbeitszeit eines normalen Verkehrspiloten. Die Vorbereitung und Organisation eines Fluges ist äußerst komplex und erfordert große Sorgfalt, schon deshalb ist die Ausbildung intensiv, die Voraussetzungen für den Beruf sehr anspruchsvoll.

Was brauche ich für Fähigkeiten als Pilot?

Das dürfte auf den ersten Blick viele überraschen: Rein formell ist, um Pilot zu werden, keine besondere schulische Bildung vorgeschrieben, nur das Mindestalter von 17 Jahren ist vorgegeben. In der Praxis aber wird meistens mindestens ein Abitur vorausgesetzt. Wenn ein fachspezifisches Studium (Mathematik, Informatik, Ingenieur o.ä.)  und technische Vorerfahrungen im Lebenslauf stehen, wird das in Auswahlverfahren auch positiv bewertet.

Auf jeden Fall ist eine umfassende Allgemeinbildung wichtig, mit guten Noten vor allem in Mathematik, Physik und Englisch. Dazu eine gute körperliche Verfassung (vor allem natürlich in Punkto Sehvermögen), sowie gute Raumorientierung, schnelle Auffassungsgabe, Merkfähigkeit und Stressresistenz.

Welche Ausbildungswege gibt es und wie komme ich dorthin?

Obwohl die Ausbildungen zum Berufsflugzeugführer, Verkehrsflugzeugführer und Hubschrauberführer bundesweit einheitlich geregelt sind und hauptsächlich schulisch ablaufen, gibt es im Detail – etwa bei Dauer oder Ablauf - unterschiedliche Ausbildungswege, je nach ausführender Organisation. Es gibt die Möglichkeit, sie an einem Stück oder berufs- oder studienbegleitend in mehreren Stufen durchzuführen (s.unten).  Die gängigsten Anbieter sind spezielle private Flugschulen oder die Airlines direkt. Und natürlich kann man auch über die Bundeswehr eine Pilotenausbildung absolvieren.

Der eigentlichen Ausbildung ist oft ein umfangreiches Testverfahren vorgeschaltet. In vielen Fällen geschieht das schon vorab, erst nach bestandenem Online-Test startet die eigentliche Bewerbung. Wer danach eine Einladung zum Eignungstest erhält, hat schon einen respektablen Schritt geschafft – aber das Schwerste kommt erst noch. In den Tests werden nicht nur technische, physikalische, englische und mathematische Kenntnisse geprüft, sondern auch soziale Fähigkeiten, wie Teamfähigkeit, Belastbarkeit und Kommunikationsfähigkeiten. 

Dieser Test wird oft im Auftrag der jeweiligen Ausbildungsstätten am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Hamburg durchgeführt. Der nach dem Institut benannte DLR-Test ist unter Flugbegeisterten gleichermaßen geachtet und gefürchtet – auch weil man ihn nur ein einziges Mal absolvieren darf.

Wie sehen die unterschiedlichen Pilotenausbildungen genau aus?

Lufthansa 

Die Lufthansa ist im deutschsprachigen Raum die mit Abstand beliebteste Anlaufstelle für angehende Piloten. Sie betreibt eine eigene Flugschule in Bremen, die European Flight Academy, in der Piloten auch für alle Tochter- und viele Partnergesellschaften der Lufthansa geschult werden. Die Ausbildung, die ein Jahr Theorie und mindestens ein Jahr Praxis (zwischen 150 und 200 Flugstunden Minimum) vorsieht, ist in zwei unterschiedliche Ausbildungsstränge aufgeteilt, die mit der sogenannten ATPL (Airline Transport Licence) oder der MPL (Multi-Crew Pilot Licence) abschließen. 

Beide Lizenzen unterscheiden in den späteren Verwendungen und Einsatzgebieten, aber nicht grundsätzlich im Aufbau. Auch berufs- und studienbegleitend kann man an der Academy lernen, dann dauert die Ausbildung vier Jahre. Mehr Informationen gibt es unter diesem Link. 

Private Flugschulen

Wer keinen Ausbildungsplatz bei der Lufthansa oder einer anderen Fluglinie (s.u.)  bekommen hat, kann auch den Weg über eine private, von der Luftfahrtbehörde zugelassene Flugschule einschlagen. Die meisten dieser Schule bieten dafür analog zum Lufthansa-Modell durchgehende ATPL-Lehrgänge an. Zu den bekanntesten Privatflugschulen in Deutschland zählen unter anderem die TFC Käufer (Essen) und die RWL (Mönchengladbach).

Für Quereinsteiger bieten viele private Schulen auch die Möglichkeit, schrittweise und nebenberuflich die notwendigen Lizenzen zu erwerben. Sie bieten zum Beispiel den Theorieunterricht abends, an Wochenenden oder als Fernlehrgang an. Bei diesen Modellen kann ein Teil der praktischen Ausbildung zum Beispiel auch in den USA absolviert werden, wo die Kosten zum Teil erheblich niedriger sind als in Deutschland. 

Alternative Ausbildungswege

Auch die Bundeswehr bildet weiterhin Piloten aus, obwohl aufgrund von Truppenreduzierungen und Abbau von Fluggeräten hier immer weniger gebraucht werden. Auch beim Bund gibt es sowohl für Kampfpiloten als auch Transportflieger selbstverständlich harte Eignungstests. Wer die übersteht, und eine Ausbildung bekommt, muss sich für mehrere Jahre dienstverpflichten, erst dann ist ein Wechsel in die Zivilfliegerei möglich.

Ein ähnliches Konzept wie die Lufthansa bieten auch andere internationale Airlines an, vor allem in Asien, wo der Pilotenbedarf besonders groß ist. Allerdings ist die Chance, als deutscher Kandidat in Japan oder Korea genommen zu werden, eher gering.

Was kostet die Ausbildung als Pilot?

Viel Geld. Als Durchschnittswert gelten 70.000 Euro, die der zukünftige Pilot aufbringen muss - wobei es dafür unterschiedliche Bezahlmodelle gibt. Bei der Ausbildung der Lufthansa in der Akademie in Bremen übernimmt die Airline einen Großteil der Kosten. Dafür aber müssen die frischgebackenen Piloten mehrere Jahre für die Lufthansa oder eine der Tochtergesellschaften fliegen – und dabei die Ausbildungskosten per Gehaltsabzug zurückzahlen. 

Bei den meisten privaten Flugschulen kann man – wie bereits erwähnt – die notwendigen Bescheinigungen und Ausbildungsstufen nach und nach absolvieren und dementsprechend auch gestückelt bezahlen. Wer hier seine Lizenz an einem Stück erreichen möchte, braucht in den meisten Fällen einen Kredit, manche Banken offerieren dafür günstigere Sonderkonditionen. 

Unter Umständen kann man als Flugschüler auch Bafög beantragen oder, wenn die Ausbildung berufsbegleitend läuft, die Kosten von der Steuer absetzen. Letzteres ist allerdings ein kompliziertes Verfahren, das längst nicht von jedem Finanzamt anerkannt wird. 

Wo kann man als Pilot arbeiten?

Wer als Berufsanfänger nicht direkt bei der Fluggesellschaft übernommen wird, bei der er die Ausbildung gemacht hat, oder an einer Privatschule seine Lizenz gemacht hat, muss vielleicht eine kurze Zeit überbrücken und beispielsweise bei Cargo-Gesellschaften oder kleineren, regionalen Anbietern arbeiten. Generell sind die Jobchancen für junge Piloten aber seit Jahren sehr gut, weil weltweit immer mehr Piloten gesucht werden.

Was verdienen Piloten?

Bei der Lufthansa und anderen großen, internationalen Airlines beträgt das Einstiegsgehalt für junge Verkehrspiloten im Schnitt rund 70.000 Euro brutto im Jahr. Oft wird dieser Betrag durch einen Sockel angehoben, der wiederum zum Abbau der Ausbildungskosten dient. 

Anders sieht es bei Billigfluggesellschaften aus, wie etwa bei Ryanair. Hier bekommt man zum Berufsstart nur rund 50.000 Euro, als Co-Pilot (wo die meisten Berufsanfänger eingesetzt werden) oft nur rund 30.000 Euro. Aber auch hier sind die Steigerungsraten in den ersten Jahren ordentlich.