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So sprechen Sie mit Ihrem Chef über Ihre Work-Life-Balance

Sie sind unzufrieden mit Ihrer Work-Life-Balance? Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Chef etwas damit zu tun hat, ist hoch. Gibt Ihr Vorgesetzter Ihnen regelmäßig Projekte, die übers Wochenende fertiggestellt werden müssen oder bittet er Sie abends Überstunden zu machen? Sieht man Sie schief an, wenn Sie morgens ein paar Minuten zu spät ins Büro kommen oder machen Sie sich ständig Sorgen darüber, wie Ihr Chef Ihre Leistung einschätzt?

Dann ist es Zeit zu handeln – und damit meinen wir nicht, sich einfach bei Kollegen oder Freunden zu beschweren. Wir haben uns mit HR-Experten unterhalten, um deren Tipps für ein Gespräch mit dem Chef zum Thema Work-Life-Balance in Erfahrung zu bringen. Was sagt man zu seinem Vorsetzten und wie bittet man ihn etwas an seinem Führungsstil zu ändern? Was ist angemessen und ab welchem Punkt sollte die Personalabteilung eingeschaltet werden? Im Folgenden finden sie ein paar Tipps von Experten.

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Erster Schritt: Das Problem identifizieren

Wenn Sie absolut keine Work-Life-Balance haben, fragen Sie sich zunächst, woran das liegen könnte. Machen Sie sich selbst zu viel Druck? Stehen Sie mit Ihren Kollegen in einer Art Wettkampf? Oder geht der Druck wirklich von Ihrem Chef aus?

Erstellen Sie eine Liste aller Projekte, die Ihr Vorgesetzter Ihnen zugeteilt hat und die den meisten Stress verursachen. Versuchen Sie in einem nächsten Schritt über Wege nachzudenken, wie Sie selbst eingreifen und den Stress verringern können. Wenn Sie am Wochenende nicht arbeiten möchten, dann antworten Sie mal ein Wochenende lang nicht auf E-Mails und beobachten Sie, ob Ihr Chef dies merkt.

„Meiner Meinung nach können Mitarbeiter ruhig ein wenig strategischer denken, wenn es darum geht, wie viele Informationen über Ihren Aufenthaltsort sie mit Ihrem Vorgesetzten teilen“, so Cassidy Solis, Program Specialist für Workplace Flexibility bei der Society for Human Resource Management. „Wenn Sie zum Beispiel aus persönlichen Gründen früher gehen müssen, sagen Sie Ihrem Manager einfach, dass Sie einen Termin haben. Sie müssen ihm nicht verraten, dass Sie zum Fußballspiel Ihrer Tochter gehen.“

Wenn Sie all dies ausprobieren und am Ende zu dem Schluss kommen, dass die Unzufriedenheit mit Ihrer Work-Life-Balance von Ihrem Chef ausgeht, dann ist es Zeit für ein Gespräch.

Führen Sie ein offenes Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten

HR-Experten empfehlen, in einem Gespräch mit dem Chef ehrlich zu sein.

„Der Fokus sollte auf Ihrer Position und den damit verbundenen Erwartungen im Hinblick auf das Erledigen aller Aufgaben mit flexibler Zeiteinteilung liegen“, so Solis. Solis rät außerdem dazu, auf eine Diskussion mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten gut vorbereitet zu sein.

Sie könnten Ihren Chef beispielsweise fragen, ob Sie einen Tag pro Woche von zu Hause arbeiten dürfen oder andere Vorschläge für eine flexiblere Gestaltung Ihrer Arbeitswoche machen. Legen Sie Ihrem Chef einen Plan vor, der konkret aufzeigt, wie Sie trotz flexiblerer Arbeitszeiten den Erwartungen nachkommen werden.

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Loben Sie und stellen Sie Fragen

Sarah Green Carmichael, Senior Editor beim Harvard Business Review, rät, den Vorgesetzten in den Verhaltensweisen zu bestätigen und zu bestärken, die Sie in Zukunft gerne öfter sehen möchten.

Green Carmichael beschreibt hierzu ein Beispiel: „Sagen wir Ihr Chef schickt Ihnen normalerweise Tag und Nacht wahllos E-Mails und Sie fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt und haben das Gefühl, immer auf Abruf bereit sein zu müssen. Doch eines Montagmorgens schickt er Ihnen auf einmal eine strukturierte E-Mail, die eine klare To-Do-Liste für Sie enthält. Erwähnen Sie Ihrem Chef gegenüber, dass Sie sich darüber gefreut haben: ‚Danke für die klar strukturierte E-Mail am Montag. Sie hat mir sehr dabei geholfen, mich auf das Wichtigste zu konzentrieren‘.“

Falls dies nicht hilft, stellen Sie Ihrem Vorgesetzten offene Fragen, um herauszufinden, was dessen Motivation ist. Vielleicht wird Ihr Chef ja wiederum von seinem Chef unter Druck gesetzt!

„Wenn Sie ein gutes Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten haben und dieser offen für direktes Feedback ist, dann scheuen Sie nicht davor zurück, auch Rückmeldung zu geben. Bleiben Sie dabei aber taktvoll und seien Sie konkret“, so Green Carmichael. „Dies ist eine Regel, die Sie immer einhalten sollten, wenn Sie Feedback geben.“

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Kann Ihre HR-Abteilung helfen?

Zunächst sollten Sie sich mit den Regelungen und der Firmenpolitik Ihres Betriebs vertraut machen.

„Die HR-Abteilung kann Ihnen helfen und sicherstellen, dass arbeitsrechtliche Regelungen und Gesetze eingehalten werden. Fall Sie den Eindruck haben, Ihr Vorgesetzter verstößt gegen diese, lassen Sie es die Personalabteilung wissen. Es ist Aufgabe der Personalabteilung, Sie vor solchen Gesetzesverstößen zu schützen und das Unternehmen somit gegen entsprechende Risiken abzusichern“, erläutert Green Carmichael.

Lässt Ihr Chef nicht mit sich reden und ändert seine Verhaltensweise nicht, sollte die HR-Abteilung eingreifen.

Solis stimmt dem zu und ergänzt, dass Sie durch diesen Prozess eine Menge über Ihren Arbeitgeber und dessen Bereitschaft, den Mitarbeitern eine ausgewogene Work-Life-Balance zu bieten, lernen können. Sie können sich ein Bild davon machen, wie das Unternehmen Mitarbeitern unter die Arme greift. Dieses Wissen hilft Ihnen dabei festzustellen, ob das Problem ein tiefer greifendes, strukturelles Problem im Unternehmen ist oder ob es sich an einer Person – Ihrem Chef – festmachen lässt.

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Sie haben mit Ihrem Chef gesprochen – und jetzt?

Wenn sich nach dem Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten nichts ändert, sollten Sie Ihre nächsten Schritte planen – das Leben ist zu kurz, um sich mit einer unbefriedigenden Situation abzufinden. Green Carmichael schlägt vor, das Team oder die Abteilung zu wechseln und den Wechsel als Wachstumschance für Sie selbst darzustellen anstatt als Flucht vor Ihrem Vorgesetzten.

Alternativ können Sie – falls die Gespräche mit Ihrem Chef und der Personalabteilung ins Nichts führen – beginnen, sich nach einem neuen Job bei einem Unternehmen umzusehen, dessen Werte und Einstellung zur Work-Life-Balance mehr mit Ihren eigenen übereinstimmen. Diese Entscheidung mag Ihnen zunächst schwerwiegend und beängstigend vorkommen, aber Sie werden froh sein, einen Chef zu haben, der anerkennt, dass Sie auch ein Leben außerhalb der Arbeit haben.

Starten Sie Ihre Jobsuche noch heute! Und werfen Sie einen Blick auf unsere Tipps, die Ihnen zeigen, woran Sie schon im Vorstellungsgespräch einen schlechten Chef erkennen.

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