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Interview mit Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender der BMW AG

Glassdoor gab diese Woche die beliebtesten Manager Deutschlands für 2018 bekannt. Wir haben mit Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender bei BMW, gesprochen, der im Ranking den 1. Platz belegt, um zu erfahren, welche Eigenschaften seiner Meinung nach eine Führungskraft mitbringen muss, wie er an Vorstellungsgespräche herangeht und welche Tipps er für Bewerber bei der Jobsuche hat.

Glassdoor: Was glauben Sie, welche Eigenschaften sollte eine Führungskraft haben?

Harald Krüger: Gute Führung ist nicht nur eine Kompetenz, sondern bedeutet täglich harte Arbeit. Wie ein Fußballtrainer muss eine Führungskraft das Talent jedes Einzelnen erkennen, das Team auf ein gemeinsames Ziel ausrichten und alle zur Höchstleistung motivieren und – ganz wichtig – wirksame Ergebnisse liefern. Als Führungskraft muss ich dabei einerseits Freiräume schaffen für meine Mannschaft. Andererseits muss ich aber auch bereit sein, selbst anzupacken und persönliche Verantwortung zu übernehmen – das gilt umso mehr in diesen volatilen Zeiten.

Glassdoor: Und welche Eigenschaften sollten die Talente, nach denen Sie suchen, heutzutage mitbringen?

Harald Krüger: An erster Stelle steht für mich Kompetenz und Leidenschaft für das, was wir tun, und für den Beitrag, den jeder Einzelne dazu leisten kann. Der rasante technologische Wandel in der Automobilindustrie zeigt, wie schnelllebig unsere Branche ist. Deshalb sind bestimmte Fachkenntnisse, die man vor Jahren erworben hat, unter Umständen nicht mehr gefragt. In diesem Umfeld müssen Talente nach einer guten Ausbildung die Bereitschaft mitbringen, immer wieder neu zu lernen und flexibel zu bleiben. Und das das gesamte Berufsleben lang.

Glassdoor: Welche Fragen stellen Sie Job-Kandidaten besonders gern und welche Aspekte vertiefen Sie dabei am liebsten?

Harald Krüger: Ich führe zwar viele Vorstellungsgespräche, aber Standardfragen stelle ich dabei ganz bewusst nicht. Neben dem Fachlichen möchte ich aber in jedem Fall herausfinden, welche Persönlichkeit der Bewerber hat und welche Erfahrungen gesammelt wurden. Wir suchen Menschen, die eine Herausforderung annehmen und meistern wollen und die sich mit unserer Kultur und unseren Werten identifizieren.

Glassdoor: Ein Bewerbungsgespräch mit der Geschäftsleitung kann für Job-Kandidaten einschüchternd sein. Versuchen Sie, es Ihrem Gegenüber leichter zu machen, damit er oder sie entspannter mit der Situation umgehen kann?

Harald Krüger: Ein Interview ist kein Verhör, sondern in erster Linie ein beidseitiges Kennenlernen. Natürlich werden dabei kritische Fragen gestellt und die fachliche und persönliche Eignung abgefragt. Ein Bewerbungsgespräch ist idealerweise ein Dialog in beide Richtungen, schließlich geht es darum herauszufinden, ob Unternehmen und Bewerber zueinander passen, und eine Entscheidungsgrundlage dafür zu schaffen. Ein wenig Anspannung und Nervosität im Bewerbungsgespräch ist normal, denn auch im Berufsleben muss man sich immer wieder auf neue Gesprächspartner und -situationen einstellen. Die Qualität eines Gespräches wird oft in den ersten Minuten festgelegt, daher rate ich immer zu einem positiven Einstieg.

Glassdoor: Top-Talente im Unternehmen zu behalten, ist für Unternehmen heutzutage extrem wichtig. Wie managen Sie Ihre Teams, um dieses Ziel zu erreichen?

Harald Krüger: Eine angemessene Vergütung, die sich an Zielen orientiert, und die Beteiligung aller am Erfolg des Unternehmens sind für Mitarbeiter sicherlich wichtig. Entscheidender für die langfristige Bindung und Motivation der Talente ist meiner Ansicht nach aber das Arbeitsumfeld und eine verantwortungsvolle und inspirierende Aufgabe. Habe ich als Mitarbeiter die Möglichkeit zu gestalten, Ideen zu entwickeln und umzusetzen und dabei Verantwortung zu übernehmen? Erfahre ich die Wertschätzung vom Vorgesetzen und dem Team? Ein solches Umfeld kann man nicht anordnen, sondern es muss auf allen Ebenen gelebt werden.

Glassdoor: Was ist Ihr bester Trick, um noch produktiver zu sein?

Harald Krüger: Manchmal innezuhalten, abzuschalten und durch einen guten Ausgleich wieder Kraft zu sammeln. Zum Beispiel mit der Familie, mit Freunden, beim Sport oder einfach, indem man sich mal Ruhe gönnt. Dann ist man bei der Arbeit produktiver und kann sich dadurch Freiräume schaffen, um kreativ zu sein.

Glassdoor: Welchen Tipp würden Sie Bewerbern geben, um den passenden Job zu finden?

Harald Krüger: Hör auf dich selbst, und nicht so sehr auf andere. Und höre dabei tief in dich rein. Was sind meine Stärken? Passen diese vielleicht auch auf einen Job, den ich noch gar nicht auf dem Radar hatte? Was treibt mich? Wo liegt meine Leidenschaft? Wenn man merkt, dass einen eine Aufgabe emotional anspricht, dann sollte man ruhig versuchen, auch mal über den Tellerrand zu schauen und etwas ganz anderes zu machen. Ein ganz praktischer Tipp noch: Das sollte man sich allerding nicht erst kurz vor knapp überlegen, wenn man die Schule oder Uni abgeschlossen hat. Wer sich schon früh mit verschiedenen Jobs beschäftigt und hier und da mal reinschnuppert, z.B. im Rahmen von Praktika, der trifft sicherlich die bessere Berufsentscheidung.

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