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In der Corona-Krise: In welchen Branchen Sie noch Jobs finden!

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Nur noch rund ein Viertel der Unternehmen in Deutschland stellt aktuell weiter Mitarbeitende ein. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter Angestellten in Deutschland. Der Großteil der Arbeitgeber nimmt als aktuell gar keine Einstellungen vor. Das Ziel: Zunächst soll die Sicherheit der bestestehenden Arbeitsplätze gesichert werden. All das ist nicht unbedingt die perfekte Ausgangslage, um auf Jobsuche zu gehen. Wo können und sollten sich Talente überhaupt noch bewerben? 

Lebensmitteleinzelhandel? Gesundheitssektor? Es kommen Ihnen sicherlich sofort die Bereiche der Wirtschaft in den Sinn, die aktuell offensichtlich einen erhöhten Personalbedarf haben. Aber in welchen anderen Bereichen sieht es vielleicht noch gut aus oder zumindest besser als in anderen? Um herauszufinden, wo Sie gezielt nach neuen offenen Jobs suchen sollten, hat Glassdoor seinen Bestand an Stellenanzeigen im Februar und März miteinander verglichen. Dass es mehr offene Stellen gibt, war nicht unbedingt zu erwarten. So ist es dann auch: Die Anzahl der Stellenanzeigen ist in diesem Zeitraum um acht Prozent zurück gegangen. Lediglich ein Bereich konnte ein Plus verzeichnen: die Supermärkte. 

So hat sich die Anzahl der Stellenanzeigen auf Glassdoor entwickelt:

Branche

Februar
2020

März
2020

Anstieg
in Prozent

Supermärkte

31.208

32.163

+3,6

Gesundheit

42.394

41.648

-1,8

Pharma & Biotech

17.744

17.026

-4,0

Finanzen

15.758

15.121

-4,0

Automotive

8.230

7.837

-4,8

Baugewerbe

12.643

11.908

-5,4

Tech

61.519

56.958

-5,7

Handel

52.616

46.769

-11,1

Gastronomie

5.982

4.432

-25,9

Tourismus

7.879

4.062

-48,9

Neben Supermärkten kommt der Finanzbereich gut durch die Corona-Krise

Seit Wochen lässt sich schon vernehmen, dass im Lebensmitteleinzelhandel verzweifelt nach neuen Talenten gesucht wird. Nicht zufällig gehören Lidl, Rewe und Co zu den Unternehmen mit den meisten neuen Stellenausschreibungen. So gibt es im März fast mehr als 1.000 zusätzliche offene Stellen in diesem Bereich im Vergleich zum Februar und mehr als 30.000 Jobs ingesamt. Im Gesundheitssektor geht die Anzahl der offenen Jobs zwar leicht nach unten, aber verbleibt konstant auf einem vergleichsweise hohen Niveau mit mehr als 40.000 offenen Stellen. Der Pharmabereich verzeichnet ebenfalls nur einen überschaubaren Rückgang und kann immerhin noch mit mehr als 17.000 offenen Stellen aufwarten. Kommen wir zu einer kleinen Überraschung! Hätten Sie gedacht, dass der Finanzbereich nur genauso betroffen ist wie die pharmazeutische Industrie, die allgemein zu den direkten Profiteuren der Krise gezählt wird? Der Finanzbereich steht sogar noch besser dar als die Tech-Industrie, von der man meinen könnte, dass sie durch durch die gestiegene Nachfrage nach digitalen Lösungen im Aufwind sein sollte. Aber so einfach scheint es nicht zu sein. 

Gastronomie und Tourismus sind die großen Verlierer

Der Tourismusbereich ist angeschlagen. Ausgangs- und Reisebeschränkungen sowie geschlossene Grenzen und Einreiseverbote haben ihn zum Erliegen gebracht. Wenig überraschend ist die Anzahl der offenen Jobs in dieser Branche stark zurück gegangen. Um fast 50 Prozent sind die Stellenanzeigen für Jobs im Tourismus abgesackt. In der Gastronomie sieht es nur etwas besser aus. Mehr als ein Viertel der offenen Jobs fehlen hier im Vergleich zum Februar. Restaurants haben bereits seit Wochen geschlossen und werden es noch länger sein. Im Gegensatz zum Tourismus, der durch die Verbote vollkommen brach liegt, können Betreiber von Restaurants immerhin ihre Gerichte zur Lieferung anbieten, können also zumindest weiter etwas Personal gebrauchen. 

Zeit für Improvisationstalente

Die Corona-Krise hat den seit Jahren anhaltenden positiven Trend am Arbeitsmarkt auf einen Schlag umgekehrt. Dass Unternehmen aktuell konservativ beim Thema Neueinstellungen sind, ist nachvollziehbar. Sie sollten sich davon allerdings nicht entmutigen lassen. Unternehmen in allen Bereichen stellen auch weiter ein. Sie müssen allerdings etwas flexibel sein und Improvisationstalent unter Beweis stellen. Es wäre im jetzigen Moment sicherlich vergebene Liebesmüh, sich als Kellner*in oder Hotelfachfrau oder -mann zu bewerben. Dafür ist die Lage in der Hotellerie zu unsicher und noch völlig unklar, wann es eine Rückkehr in die “neue Normalität” geben kann. Ein öffentlichkeitswirksames Beispiel für kreativen Umgang mit der Situation liefern zum Beispiel  McDonald’s Mitarbeitende. Sie kommen im Rahmen einer Personalpartnerschaft während der Corona-Krise bei Aldi Nord und Aldi Süd zum Einsatz und füllen dort die leer gekauften Regale wieder auf. Zur Improvisation rät auch Eva Stock, Autorin von “HR True Story”: “Vor allem sollte man immer daran denken, sich nicht nur bei einem Arbeitgeber zu bewerben und darauf zu hoffen, dass es dort klappt. Denken Sie am Besten auch über weitere Optionen nach und schmieden Sie einen ‘Plan B’ beispielsweise ein Praktikum oder einen Nebenjob falls eine Überbrückungsphase nötig sein sollte.”

MINT-Berufe bleiben gefragt

So ist die Not beispielsweise auch nicht für alle Jobs und Qualifikationen gleich. Gerade bei umkämpften Talenten wie IT-Expert*innen oder Ingenieur*innen können es sich Unternehmen gar nicht leisten, das Recruiting schleifen zu lassen. So rät Fabian Kienbaum: “Machen Sie auf jeden Fall das, wozu Sie Talent haben. Gleichen Sie es damit ab, wo der Bedarf hoch ist. In den sogenannten MINT-Berufen ist es oft einfacher als in anderen Bereichen.” Aber auch wer nicht zu diesem erlauchten Kreis gehört, muss nicht verzagen. Der Chief Empowerment Officer bei der Personalberatung Kienbaum rät: “Nutzen Sie die Phase der jetzigen Krise, um zu zeigen, dass Sie engagiert sind. Es gibt Apps, über die Nachbarschaftshilfe organisiert wird. Es gibt Branchen wie die Landwirtschaft, die gerade jetzt auf Hilfe angewiesen sind. Für einen selbst ist das eine Bereicherung. Jeder Arbeitgeber wird es gut finden.”

 

Zur Methodik der Analyse:

Die Anzahl der Stellenanzeigen wurde an den beiden Stichtagen 23. März und 24. Februar 2020 miteinander verglichen. Da Glassdoor Jobs auf der Plattform aus unterschiedlichsten Quellen zusammenführt, ist der Großteil der online-verfügbaren Jobs in Deutschland auf unserer Plattform und nicht nur der Teil, der direkt bei Glassdoor inseriert wird!

 

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