Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch: So antworten Sie souverän

Stärken und Schwächen Vorstellungsgespräch

Die Frage nach Stärken und Schwächen gehört zu den beliebtesten Fragen im Vorstellungsgespräch – und zu den kniffligsten für Bewerber. Dieser Leitfaden verrät, wie Sie sich auf die Herausforderung vorbereiten.

Eine typische Bewerbungsfrage

Bei Bewerbungsgesprächen können überraschend persönliche Fragen gestellt werden. Sie haben Ihr Gegenüber erst vor zehn Minuten kennengelernt, und schon werden Ihnen Fragen gestellt, die ziemlich ans Eingemachte gehen: Welches sind Ihre größten Stärken? Und welche Schwächen haben Sie? Um solche Fragen ehrlich zu beantworten, ist eigentlich umfassendes Nachdenken erforderlich. Statt also den Personalentscheider lange warten zu lassen, während Sie darüber nachsinnen, worin Ihre größte Schwäche besteht und wie sie sich bislang auf Ihre Laufbahn ausgewirkt hat, sollten Sie sich besser im Vorhinein ein paar Gedanken dazu machen, was Sie auf solche Fragen am besten antworten.

In diesem Leitfaden zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre Stärken und Schwächen ermitteln und in ein klare und überzeugende Geschichte einbetten. Außerdem erläutern wir, welche häufigen Fallstricke Sie vermeiden sollten. Vielleicht lernen Sie beim Lesen sogar einige neue Aspekte über sich selbst!

Wie wird in Bewerbungsgesprächen nach Stärken und Schwächen gefragt?

Fragen zu Stärken und Schwächen werden in Vorstellungsgesprächen sehr häufig gestellt. Sie kann in verschiedenen Formulierungen verpackt werden, aber letzten Endes geht es Arbeitgebern darum herauszufinden, warum Sie sich für den Job und das Unternehmen gut eignen. Gleichzeitig wollen sie aber auch feststellen, welche Probleme möglicherweise auf sie zukommen könnten. Für Sie ist es eine Chance, Ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion zu beurteilen.

Wie die Frage konkret lautet – ob „Welche Ihrer Eigenschaften lassen Sie in dieser Rolle glänzen?“ oder „Wo in Ihrer Arbeitsweise sehen Sie noch Optimierungspotenzial?“ –, spielt keine Rolle: Für Ihr nächstes Vorstellungsgespräch ist es unverzichtbar, Ihre Stärken und Schwächen genau unter die Lupe zu nehmen und zu lernen, wie Sie diese in einem beruflichen Umfeld optimal kommunizieren.

Eigene Stärken erkennen

Grundsätzlich sollten Sie sich bei den Stärken auf Ihre Softskills konzentrieren. Das liegt daran, dass Personalentscheidern und Recruitern andere Möglichkeiten offenstehen, Ihre fachlichen Kompetenzen zu bewerten – sei es durch Tests, Präsentationen oder Proben früherer Arbeiten. Ihre Softskills hingegen müssen Sie im Gespräch unter Beweis stellen und in einem möglichst positiven Licht darstellen.

„Glauben Sie nicht, dass Ihre Antwort mit dem übereinstimmen muss, was Ihr Vorgesetzter oder Ihre Kollegen Ihren Äußerungen zufolge von Ihnen halten“, äußert sich Sharlyn Lauby, Vorsitzende der Beratungsfirma ITM Group Inc. und Gründerin von HR Bartender, gegenüber Glassdoor. „Es ist vollkommen normal zu sagen: ‚Eine Eigenschaft, die ich in meiner aktuellen Funktion leider nicht so oft ausspielen konnte, ist [hier Eigenschaft einfügen]. Ich hoffe aber, sie in der Rolle, über die wir gerade sprechen, besser einbringen zu können.‘“

Hier ein paar Beispiele für mögliche Stärken. Mit welchen können Sie sich am besten identifizieren? Fallen Ihnen vielleicht noch weitere ein, die Sie bislang in Ihrer Karriere gut einsetzen konnten?

  • Ausgeprägte Kommunikationsstärke
  • Teamfähigkeit
  • Gutes Zeitmanagement
  • Konfliktlösungskompetenz
  • Hohe Belastbarkeit

Je nach konkreter Stelle können Sie auch Ihre fachlichen Kompetenzen einbeziehen. Geben Sie Beispiele dafür, warum Sie ein geeigneter Bewerber für den Job sind: weil Sie in allen wichtigen Sprachen programmieren können, eine Fremdsprache fließend beherrschen oder in der Vergangenheit umfassende Erfahrung als Texter gesammelt haben, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Eigene Schwächen benennen

Das Erkennen unserer Stärken ist in der Regel einfacher. Es macht uns Spaß, uns unsere Erfolge zu vergegenwärtigen und sie in den Vordergrund zu stellen. Aber was ist mit den Tätigkeiten, die uns nicht so leicht von der Hand gehen? Haben Sie sich schon mal die Zeit genommen, genau hinzusehen, wo Sie andere – und auch sich selbst – im Stich gelassen haben, und darüber nachzudenken, wo Verbesserungsbedarf herrscht?

„Arbeitgeber gehen ohnehin davon aus, dass Bewerber Schwächen haben. … Deswegen lohnt es sich überhaupt nicht, um den heißen Brei herumzureden. Eine ehrliche Antwort zeigt Ihrem zukünftigen Arbeitgeber Ihren Anspruch, sich weiterzuentwickeln, und vermittelt den Eindruck von Selbstbewusstsein und Ehrlichkeit“, schreibt Jeevan Balani, Gründer und CEO von Rocket Interview, der auch häufig Beiträge für Glassdoor verfasst.

Nachfolgend führen wir einige Beispiele für Schwächen im Berufsleben auf. Erkennen Sie vielleicht die eine oder andere wieder? Falls ja: Was haben sie bislang getan, um diese Schwächen zu korrigieren?

  • Kontrolldrang
  • Prokrastination
  • Unfähigkeit zur Selbstkontrolle (kann zum Burnout führen)
  • Mangelnde Organisationsfähigkeiten
  • Ungeduld

Auch hier können Sie bestimmte fachliche Bereiche nennen, die Sie ebenfalls nicht zu Ihren starken Bereichen zählen: dass Sie beispielsweise gewisse Schwächen in Mathematik haben, mit dem Umgang mit einer bestimmten Software nicht vertraut sind oder Rechtschreibprobleme haben. Dies aber natürlich nur, sofern die entsprechende Kompetenz für die angestrebte Stelle nicht entscheidend ist.

Eigene Schwächen benennen

So entwickeln Sie eine Geschichte

Nehmen wir an, Sie haben nun eine stichhaltige Liste Ihrer Stärken und Schwächen vor sich liegen. Reicht es aus, diese beim Vorstellungsgespräch einfach nur herunterzubeten? Keineswegs! Das Unterstreichen jeder einzelnen Stärke oder Schwäche mit einer kleinen Anekdote ist entscheidend, um dem Recruiter ein vollständiges Bild davon zu vermitteln, warum Sie in einem Bereich herausragen oder wo Sie sich noch verbessern möchten.

Notieren Sie sich deswegen zur vorbereitenden Übung für jede Stärke auf Ihrer Liste eine kleine Geschichte, die zeigt, wie Sie diese Stärke wirksam eingesetzt haben, um im beruflichen Umfeld etwas zu erreichen. Und für jede Schwäche schreiben Sie eine kleine Anekdote auf, die zeigt, wie diese Schwäche eine negative Auswirkung auf Ihrer Karriere hatte (oder hätte haben können), was Sie daraus gelernt haben und welche Maßnahmen Sie aktiv ergriffen haben, um die Situation zu verbessern.

Besonders wenn es um die Beantwortung Ihrer Schwächen geht, ist das Framing entscheidend. Sie möchten sicherlich nicht den Eindruck erwecken, als würden Ihre Schwächen unabänderlich sein oder – schlimmer noch – gegen eine Besetzung der Stelle mit Ihnen sprechen. Auch kokettieren sollten Sie mit Ihren Schwächen nicht – etwa nach dem Motto „Andere kommen bei mir kaum mit, weil ich immer so schnell denke.“ Wichtig ist es vor allem, dem Ganzen eine nachdenkliche Note zu verleihen. Dies können Sie vor allem tun, indem Sie unterstreichen, was Sie über Ihre Schwächen bereits gelernt haben und wie Sie sie zu bewältigen gedenken.

Generell sollten Sie versuchen, Ihre Stärken mit der Stellenbeschreibung in Einklang zu bringen. Es mag ja toll sein, dass Sie die Fähigkeit X aus dem Effeff beherrschen, aber wenn für den Job die Fähigkeiten A, B und C benötigt werden, läuft Ihre Kompetenz im Bereich X womöglich ins Leere. In ähnlicher Weise sollten Sie beim Formulieren Ihrer Schwächen die Stellenbeschreibung im Auge behalten. Wenn Sie sich für einen Job als Texter bewerben, ist es wahrscheinlich keine gute Idee, Rechtschreibschwächen einzugestehen.

Auch Untersuchungen zur Unternehmenskultur können Ihnen helfen zu entscheiden, welche Stärken und Schwächen Sie wie hervorheben wollen. Wenn das Unternehmen bekanntermaßen zu den schnellen und dynamischen zählt, sollten Sie Ihre Stärke beim Jonglieren zahlreicher Projekte oder Ihre Fähigkeit hervorheben, sich schnell auf neue Aufgaben einzustellen. Aber seien wir mal ehrlich: Wenn Sie bei Ihrer Recherche feststellen, dass die Unternehmenskultur so gar nicht die Ihre ist, dann sollten Sie vielleicht innehalten und es sich noch einmal gut überlegen, statt sich womöglich in eine Form pressen zu lassen, die eigentlich gar nicht zu Ihnen passt.

Hier finden Sie einige exemplarische Anekdoten für die Stärken und Schwächen, die wir oben definiert haben:  

Stärken

  • Ich würde mich durchaus als teamfähig bezeichnen. Als meine Abteilung umstrukturiert und ich in ein Team mit Mitarbeitern mit unterschiedlichem Hintergrund und Erfahrungshorizont und ohne klare Hierarchie versetzt wurde, gab es anfangs manche Reibereien. Deswegen organisierte ich regelmäßig gemeinsame Sessions, die das Team zusammenschweißen und Grenzen im beruflichen Umfeld überwinden sollten. Außerdem habe ich einige eher aufwändige Aufgaben übernommen, die sich die anderen nicht aufhalsen wollten. Als ich das Unternehmen verließ, dankten mir einige Mitarbeiter im Team für das harmonische Klima, das ich in unserem Arbeitsumfeld vorangebracht hatte.
  • Das Zeitmanagement gehört zu meinen Stärken. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Marketingmanager musste ich die Veröffentlichung von Werbematerialien planen und dafür sorgen, dass diese ausreichend früh verfügbar waren, um das Interesse an unseren Produkten zum Release-Zeitpunkt zu maximieren. Zu diesem Zweck notierte ich mir in meinem Kalender jeden einzelnen Kampagnenschritt bis zur Marktfreigabe einschließlich Dauer und Deadline auch für die kleinsten Aufgaben. So hat meine Kompetenz in diesem Bereich auch zum erfolgreichen Start des Produkts XYZ beigetragen. Das war das wohl intensivste Projekt, an dem ich während meiner Tätigkeit im Unternehmen gearbeitet habe.
  • Unter Druck erbringe ich gute Leistungen. Als Berater musste ich oft Präsentationen vor hochrangigen Führungskräften unseres Kunden halten. Dabei hatte ich oft nur einen Tag Zeit für die Vorbereitung – oder noch weniger. Ich musste in kürzester Zeit lernen, selbstbewusst und fließend über Sachverhalte zu sprechen, die ich erst 24 Stunden vorher skizziert hatte. Es kam auch vor, dass ich unterbrochen wurde oder Widerspruch erntete, und ich musste mich behaupten, mich klar äußern und die Nerven behalten. Ich glaube, dass diese Fähigkeiten mir in meiner künftigen Rolle als Sprecher sehr hilfreich sein werden.

Schwächen

  • Ich neige dazu, Dinge aufzuschieben. Das kam vor allem bei der Arbeit an einem großen Projekt zum Tragen: Ich hatte mich bei der Einschätzung, wie viel Arbeit ich in der letzten Sekunde noch zu leisten imstande wäre, restlos überschätzt. Am Ende habe ich den Termin zwar gerade eben noch eingehalten, aber meinem Team und meinem Vorgesetzten eine Menge Stress bereitet. Danach begann ich von meinen Mentoren auf der Arbeit mehr über Zeitmanagement zu lernen, und mittlerweile erstelle ich ausführliche Zeitpläne für mehrere Wochen oder sogar Monate im Voraus. Ich lerne immer noch, geeignete Zeitpläne zu erstellen, denen ich leicht folgen kann, aber ich bin zuversichtlich, denn ich habe festgestellt, dass mir die Arbeit nach einem Zeitplan tatsächlich Druck wegnimmt.
  • Ich kann sehr ungeduldig sein, und das hat mich manchmal dazu veranlasst, die Probleme meiner Mitarbeiter zu lösen. Früher habe ich Mitarbeiter bereits weit vor dem Verstreichen von Terminen unter Druck gesetzt, weil ich befürchtete, dass sie andernfalls ihre Arbeit nicht rechtzeitig erledigen würden. Heute weiß ich, dass ich Ihnen damit eine Menge Stress beschert habe. Deswegen versuche ich zurzeit ganz bewusst, ihnen das pünktliche Erledigen ihrer Aufgaben zuzutrauen. Und bis jetzt haben wir alle Termine eingehalten.
  • Früher neigte ich dazu, bis zum Burnout zu arbeiten. Nach einer Weile bemerkte ich ein Muster in meiner Berufslaufbahn: Ich arbeitete hart an meinen Projekten, blieb die ganze Nacht auf, um sie bereits vor der Deadline zu liefern, und setzte mir zum Ziel, morgens der Erste und abends der Letzte im Büro zu sein. Letztendlich war das unhaltbar, und wenn ein großes Projekt abgeschlossen war, brach ich häufig zusammen und wurde entweder krank und fehlte auf der Arbeit oder mich befiel eine Lethargie, solange ich dort war. Jetzt lerne ich, wie ich mir selbst Grenzen setze, um gesund zu bleiben, und einen machbaren Zeitplan einhalte, damit ich nicht riskiere, am Ende wieder völlig ausgebrannt zu sein.
So entwickeln Sie eine Geschichte

Das sollten Sie vermeiden

Wenn Sie Ihre Antwort auf diese Frage richtig formulieren, kann sie den Personalentscheider begeistern und ihm einen guten Eindruck Ihrer Arbeitsweise vermitteln. Er kann so leichter beurteilen, ob Ihre Stärken und Schwächen Sie zu einem geeigneten Mitarbeiter machen und ob Sie mit Ihrem Wesen gut zum Team und zur Unternehmenskultur insgesamt passen. Trotzdem gibt es ein paar Punkte, die Sie bei der Beantwortung beachten müssen, um nicht wie ein Angeber oder Duckmäuser zu wirken oder in sonstige häufige Fallstricke zu treten.

  • Prahlen Sie nicht mit Ihren Stärken.
  • Machen Sie sich nicht klein, indem Sie sich nur auf Ihre Schwächen konzentrieren.
  • Geben Sie keine Beispiele, die wenig oder nichts mit der Arbeit zu tun haben.
  • Schweifen Sie nicht ab.
  • Geben Sie keine Beispiele, die im Kopf Ihres Gegenübers die Alarmglocken schrillen lassen.

„Personalprofis sehen hinter die Fassade Ihres vorgeblichen Perfektionismus“, meint Lauby.  Daher können Interviewfragen nach Stärken und Schwächen sehr knifflig sein, aber lassen Sie sich nicht einschüchtern: Wenn Sie richtig vorbereitet sind, ist das alles kein Problem.

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Wenn Sie alle häufigen Fragen angemessen beantworten können, sind Sie optimal auf Ihr nächstes Vorstellungsgespräch vorbereitet. Diese Artikel helfen Ihnen bei der weiteren Vorbereitung: 

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