So punkten Sie mit dem ersten Satz in Ihrer Bewerbung

Erster Satz Bewerbung

Ein guter Auftakt im Anschreiben erhöht die Chancen, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Doch bei dem berühmt-berüchtigten ersten Satz lauern einige Gefahren.  Wir zeigen Ihnen, wie Sie die umgehen können.

Ist ein Anschreiben wirklich nötig?

Es gibt nicht wenige Experten, die behaupten, dass Anschreiben sei gar nicht mehr nötig. Und einige Unternehmen, wie etwa Henkel oder die Deutsche Bahn, verzichten bereits auf ein gesondertes Schreiben. Aber in der Regel wird bei einer Bewerbung, egal ob auf Papier oder digital, eben doch noch erwartet, dass sich der Kandidat mit einem persönlichen Brief vorstellt. Und dass sie oder er dabei eine gute Figur macht. Also: wenn Anschreiben, dann mit einem guten ersten (Ab-)Satz.

Diese Dinge sollten Sie im ersten Bewerbungssatz vermeiden

Zugegeben, einen Personaler oder einen Chef, der schon hunderte, wenn nicht gar tausende Bewerbungen auf seinem Tisch hatte, mit einem ersten Satz im Anschreiben zu fesseln, ist nicht die leichteste Aufgabe der Welt. Dafür ist die Gefahr, ihn zu langweilen oder zu nerven, umso größer. Hier sind die drei größten Fehler, die gar nicht gehen. 

Missglückter Humor: „Ich glaube, Sie warten schon seit Wochen auf eine Bewerbung, die Sie überzeugt. Hier ist eine. Meine.“ Solche oder ähnliche (flache) Scherze sorgen sicher für Aufmerksamkeit. Allerdings nicht so, wie man es sich als Bewerber wünscht. Denn der Prozentsatz der Personalentscheider, die beim Lesen von Bewerbungsunterlagen laut lachen wollen, ist viel geringer, als man denkt, allen guten Ratschlägen im Netz zum Trotz.

Und während Humor im Vorstellungsgespräch überhaupt nichts Schlimmes ist, im Gegenteil sogar wünschenswert, kann er beim schriftlichen Erstkontakt schon das Ende aller Jobträume bedeuten. Das gilt übrigens auch bei Werbeagenturen oder sonstigen „kreativen“ Firmen. Auch wenn dort die Toleranzgrenzen etwas weiter gefasst sind. 

Phrasen und Floskeln: „Mit großer Freude“ oder „mit viel Neugierde“ – viele Bewerbungsschreiben wimmeln von solchen Einstiegssätzen. Und klingen genau deshalb so verbraucht, dass man mit ihnen leider oft sofort aussortiert wird: mit einem Standardabsagebrief voller Floskeln.

Selbstverständliches: Dass Sie sich mit Ihrem Schreiben „hiermit bewerben“ ist genauso klar, wie „dass Sie großes Interesse an der Stelle“ haben – sonst würden Sie sich ja nicht bewerben. Und wo und wann Sie die Stellenanzeige gelesen haben, sollte wenn überhaupt in der Betreffzeile stehen, nicht im ersten Satz.

Diese Dinge sollten Sie im ersten Bewerbungssatz vermeiden

Tipps für einen gelungenen ersten Satz in Ihrer Bewerbung

Klar, der Auftakt für Ihre Bewerbung sollte interessant, aufmerksamkeitsstark und vor allem individuell sein. Das klappt natürlich nicht, wenn man sich bei einer der unzähligen Mustervorlagen und Formulierungsbeispielen bedient, die es im Netz gibt.  Trotzdem gibt es einige Grundregeln, die man auf jeden Fall beachten sollte.

  1. Die richtige Anrede: Es klingt wie eine Binsenweisheit, aber schon vor dem eigentlichen ersten Satz können Sie einen entscheidenden Fehler machen. Nämlich dann, wenn Sie Ihr Anschreiben an die falsche Person richten, oder, was sehr oft passiert, an „Sehr geehrte Damen und Herren“. Dadurch zeigen Sie, dass Sie entweder die Stellenanzeige nicht richtig gelesen haben oder sich nicht die Mühe gemacht haben, den richtigen Ansprechpartner für die Bewerbung herauszufinden. Beides lässt Sie in der Liste der potentiellen Jobkandidaten schnell nach unten rutschen. Wenn Sie die korrekte Person trotz aller Bemühungen nicht eruieren können, dann hilft es im Zweifel, zuerst den Geschäftsführer zu nennen, gefolgt von „Sehr geehrte Damen und Herren“.
  2. Passgenauigkeit: Schauen Sie sich in der Stellenausschreibung an, was die wichtigsten Anforderungen für die Position sind und welche davon Sie erfüllen. Denn es ist sehr gut, wenn man schon im Einstiegssatz oder zumindest im ersten Absatz genau die Punkte auflisten kann, die einen für den ausgeschriebenen Job qualifizieren. Beispiel: „Sehr geehrte Frau Müller, als auf Turbinentechnologie spezialisierter Ingenieur mit über 10-jähriger Erfahrung in der internationalen Maschinenbau-Branche stelle ich mich für die Stelle als Bereichsleiter Antriebe Asien vor.“
  3. Selbstlob: Das mit dem Eigenlob in Bewerbungen ist ein schmaler Grat, aber Sie sollten versuchen, ihn zu gehen. Protzen und übertreiben sollte man nicht, aber ein gesundes Selbstbewusstsein ist beim Versuch, seinen Wunschjob zu bekommen, absolut in Ordnung. Schließlich geht es darum, zu überzeugen und nicht darum, durch falsche Bescheidenheit zu punkten – und das bei einer durchschnittlichen Kontaktzeit von wenigen Minuten, die ein Personaler auf eine Bewerbung verwendet. Genau darum gehören die stärksten Argumente, die für Sie sprechen, auch an den Anfang Ihres Bewerbungsschreibens. Aber konzentrieren Sie sich auch hierbei auf das Wichtigste und wiederholen sie nicht Ihren gesamten Lebenslauf. Darum könnte ein cleverer erster Satz so lauten: „Hier sind drei Gründe, wie Sie von mir als Marketing Manager profitieren können.“
  4. Verbindung herstellen: Ein schöner Anfang für eine Bewerbung kann es auch sein, wenn man einen individuellen Bezug zwischen dem Unternehmen und sich selbst findet. Sei es, dass man sich als langjähriger Kunde beschreibt, der die Produkte oder Dienstleistungen der Firma aus eigener Erfahrung genau kennt und gerade deshalb mit seinen Fähigkeiten perfekt dafür geeignet ist, sie zu verbessern. Zum Beispiel so: „Ich fahre seit zwölf Jahren Golf und kenne als Mechatroniker alle Stärken (und die wenigen Schwächen) meines Lieblingsautos natürlich genau.“ (Dann sollte man allerdings dafür gewappnet sein, im Vorstellungsgespräch auch fachkundig über das Auto oder als Vielreisende über die Suchmaschine für Hotels sprechen zu können.) Oder man benutzt eine aktuelle, positive Information über das Unternehmen, um sein Interesse zu erklären, das macht sich besonders gut bei Initiativbewerbungen ohne konkrete Stellenbeschreibung. Das kann die Meldung über eine neue Nachhaltigkeitsinitiative der Firma sein oder eine Ausweitung des Auslandsgeschäfts. 

Muster für den ersten Satz in einer Bewerbung

Wichtig ist es ebenso, sein Anschreiben auf bestimmte Situationen abzustimmen, vor allem, wenn man im Vorfeld bereits Kontakt zu einer Ansprechperson des Unternehmens hatte. 

Sie haben schon mit dem Personaler telefoniert:  

„Sehr geehrter Herr Franke, ich bedanke mich recht herzlich, dass Sie sich die Zeit für ein Telefonat mit mir genommen haben. Es hat mich sehr gefreut, mehr über Ihr Unternehmen zu erfahren. Ich bin sicher, dass ich mich mit meinen Erfahrungen als Buchhalterin positiv und produktiv in der ausgeschriebenen Position einbringen kann. Wie besprochen sende ich Ihnen meine Bewerbungsunterlagen.“

Als Uniabsolvent, nach dem Erstkontakt auf einer Messe: 

„...es hat mich sehr gefreut, Sie auf der Karrieremesse XY in München kennengelernt zu haben. Der Auftritt des Unternehmens und die Gespräche mit Ihnen haben mich in meinem Wunsch bestärkt, mich für eine Stelle als Junior Communications Manager zu bewerben.“

Als ehemaliger Praktikant:

„...in den drei Monaten meines Praktikums in Ihrem Unternehmen habe ich mein Wissen über XY vertieft, spannende Projekte umgesetzt und mir einen guten Überblick über die Abläufe und Strukturen in Ihrem Haus verschafft. Ihre Unternehmenskultur hat mir von Anfang an imponiert. Da ich mich auch mit den Produkten und Zielen Ihres Unternehmens voll identifizieren kann, würde ich sehr gerne weiter für Sie arbeiten.“

Der Geheimtipp, wenn Ihnen gar nichts einfällt

Was aber, wenn Ihnen nun partout gar nichts Kreatives, Originelles oder Überraschendes einfallen will im Angesicht der weißen Fläche auf Ihrem Bildschirm?  Dann streichen Sie doch einfach den ersten Satz. Und falls Ihnen die oben genannten Sätze auch nicht gefallen: Streichen Sie den ganzen ersten Absatz!

Dann beginnt Ihr Anschreiben eben mit “nach meinem Studium als xy” oder “nach meiner Tätigkeit als xy” oder mit “als studierter Dipl.-Ökonom …”.

Und das wäre auch überhaupt nicht schlimm. Denn denken Sie daran: Von einem Architekten, einem Betriebswirt oder einem Naturwissenschaftler werden keine kreativen Glanzleistungen im Anschreiben erwartet. Vor allen Dingen nicht, wenn Sie fachlich super zur Stelle passen. Da reicht es oft, wenn das Anschreiben eine klare Struktur hat, fehlerfrei und inhaltlich schlüssig ist.

Schließlich gilt: Niemand ist perfekt! Und das ist auch in der Bewerbung nicht anders. Gerade erst der Drang, jedes Wort perfekt zu schreiben, lässt ein Anschreiben oft nicht authentisch und kreativ, sondern hölzern und künstlich klingen. 

Vor allem schon oft beim ersten Satz.

Mehr erfahren

Sie haben dank dieses Artikels endlich die Hürde des ersten Satzes im Anschreiben überwunden? Glückwunsch! Um auch den Rest der Bewerbung optimal zu gestalten, schauen Sie sich unsere anderen Guides rund ums Thema Bewerbung an.

Hobbys im Lebenslauf – ja oder nein?

Lücken im Lebenslauf: So gehen Sie richtig damit um

So erstellen Sie ein Bewerbungsvideo