Jobsuche in Corona-Zeiten: Wo und wie Bewerber jetzt punkten können

Jobsuche Corona

Sicher, es gibt bessere Zeitpunkte, um sich auf Jobsuche zu begeben als derzeit. Trotzdem hat auch eine Bewerbung in der Corona-Krise Chancen.

Das Jahr 2020 wird sicherlich als ein Jahr in die Geschichte eingehen, in denen viele gute Vorsätze nicht verwirklicht wurden, man feste Pläne nicht in die Tat umgesetzt hat und Wünsche sich nicht erfüllten. Zu viel hat die Corona-Pandemie im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben umgestoßen, als dass der normale Lauf der Dinge einfach so weitergehen könnte.

Lohnt sich die Jobsuche derzeit überhaupt?

Tatsächlich sieht die Lage auf den ersten Blick nicht rosig aus für alle Menschen, die sich für 2020 vorgenommen haben, einen neuen Job zu suchen – und vor allem auch für jene, die es tun müssen, wie etwa Uni-Absolventen, fertig Ausgebildete oder neue Arbeitslose. Noch hält sich der Arbeitsmarkt in Deutschland dank Kurzarbeit-Maßnahmen halbwegs stabil, aber zu vermuten ist, dass zumindest keine große Einstellungsoffensive der Unternehmen im Herbst oder Winter oder im nächsten Jahr einsetzen wird. 

Haben nicht die meisten Firmen Ihre Recruiting-Aktivitäten schon jetzt komplett eingestellt? Sind die Stellenanzeigen, die man derzeit doch noch recht häufig findet, eigentlich noch aktuell? Und, wie soll das überhaupt gehen, so ein Bewerbungsprozess in diesen Zeiten von Kontaktsperren und Social Distancing? Das sind mit Sicherheit einige der vielen Fragen, die sich die meisten Jobsuchenden gerade stellen.

Man kann die Antworten vielleicht so zusammenfassen: Nein, keine Sorge, es gibt auch jetzt noch offene Positionen, die besetzt werden sollen – und viele Unternehmen sind im „kontaktlosen“ Recruiting-Verfahren schon weiter, als viele Bewerber glauben. Das mag überraschend sein, aber nun alle Bemühungen um einen neuen Job einzustellen, um dann erst nach Ende der Krise wieder ins Bewerbungsrennen einzusteigen, bedeutet vielleicht, eine gute Chance liegenzulassen.

Welche Branchen stellen noch ein, welche gar nicht mehr?

Klar: Corona spaltet den Arbeitsmarkt in Gewinner und Verlierer – aber oft nur auf den ersten Blick. Sicher ist, dass Jobs in der Reise- und Tourismusbranche jetzt und in der nächsten Zeit stark von der weltweiten Pandemie betroffen sein werden. Aber selbst hier ist es nicht für ewig mit der beruflichen Zukunft vorbei. Denn die Sehnsucht der Menschen nach sicheren Reisezielen wird – so vermuten Branchenexperten - auf der einen Seite das Tourismusgeschäft vor allem in Deutschland schon bald nach Ende der Krise ankurbeln. 

Andererseits wird es darauf ankommen, auch für weiter entfernte Urlaubsziele neue, vielleicht mehr im Trend liegende nachhaltige Konzepte zu entwickeln. Denn auch die Lust auf ferne Erlebnisse wird bei den Deutschen nicht komplett verschwinden. Hier bieten sich berufliche Chancen vor allem für junge Berufseinsteiger, die mit neuen Ideen und einem anderen Anspruch an ihre Tätigkeit schnell in der Branche Fuß fassen könnten.

Apropos Nachhaltigkeit: Zukunftsforscher sagen bereits jetzt voraus, dass die weltweite Corona-Pandemie das Bewusstsein vieler Menschen vermehrt auf Themen wie Ökologie, Ernährung und Ressourcenschonung lenken wird. Viele Unternehmen, die bereits jetzt auf die Karte Nachhaltigkeit in Produktion und Vertrieb setzen, werden mit Sicherheit ihre Anstrengungen in diesen Bereichen noch verstärken. Sie könnten, wie auch Start-ups, die sich diesen Themen widmen, schon bald ihre Recruiting-Aktivitäten wieder hochfahren. Möglicherweise sind Jobsucher aus diesen Fachgebieten deshalb gut beraten, bei solchen Firmen auf Initiativbewerbungen zu setzen und ihre Unterlagen und Anschreiben in eine Richtung zu fokussieren.

Und schließlich haben natürlich all jene Jobsucher im Moment Glück im Unglück, die zum Beispiel als IT-Fachleute, Logistikexperten oder im Gesundheitsmanagement unterwegs sind. Denn die massenhaften Erfahrungen, die die Deutschen seit Wochen zwangsweise mit Homeoffice-Lösungen, digitalem Unterricht, Lieferdiensten und hilfreichen Gesundheitstipps gemacht haben, werden nach der Corona-Krise in neue, flexible und digitale Arbeitsmethoden und Alltagslösungen einfließen. Die Digitalisierung von Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur hat in der Krise wahrscheinlich gleich mehrere Jahre auf einmal übersprungen. Auch das wird die Jobchancen vor allem der jüngeren Generationen auf dem Arbeitsmarkt deutlich erhöhen – der Bedarf an Spezialisten dafür ist bereits jetzt schon groß.

Wie sollte eine Bewerbung in Corona-Zeiten aussehen?

Wer sich jetzt gerade neu auf Jobsuche begibt, sollte nicht so tun, als würde es Corona nicht geben. Zumindest in ihrem Anschreiben sollten Bewerber darauf eingehen, wie es ihnen in und mit der Krise geht, ohne gleich allzu sehr in die Details zu gehen.  Stattdessen könnten Sie – wie oben bereits kurz erwähnt – herausarbeiten, welche Ihrer speziellen Kenntnisse und Fähigkeiten gerade jetzt für dieses Unternehmen von Vorteil sein könnten. 

Auch Quereinsteiger, die sich beruflich verändern möchten, können nun möglicherweise mit kreativen Ideen und einem etwas anderen Ansatz bei Personalverantwortlichen punkten. Denken Sie daran: Viele Firmen möchten (oder müssen) angesichts der großen Herausforderungen alte Wege verlassen und sind interessiert an neuen, modernen Köpfen und ihren Vorschlägen. 

Was sollte ich tun, wenn ich mich schon beworben habe?

Wenn Sie sich bereits mitten im Bewerbungsprozess um einen Job befinden, sollten Sie auch in diesen Zeiten nicht zögern und – am besten per höflicher Mail - nachfragen, wie es um Ihre Bewerbung steht. Schließlich signalisiert das dem Arbeitgeber, dass Sie wirklich Interesse an der Stelle haben.

Bitte haben Sie dabei aber Verständnis, wenn es mit der Reaktion des Personalers oder auch mit dem weiteren Verlauf des Bewerbungsprozesse langsamer läuft als vielleicht in normalen Zeiten. Viele Personalabteilungen sind derzeit damit beschäftigt, Homeoffice-Lösungen zu koordinieren, Abteilungen neu zusammenzustellen – und womöglich für einige Bereiche ihrer Unternehmen Kurzarbeit oder gar Entlassungen vorzubereiten. Dazu kommen auch bei den HR-lern die ganz privaten Sorgen, die jeder Mensch in dieser Krise hat. Zeigen Sie deshalb auch im Kontakt Verständnis und Empathie, selbst wenn Ihre Situation keinen großen Aufschub duldet. Aber in Zeiten von Corona sitzen wir alle im gleichen Boot.

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