Gefragte Spezialisten: So können Sie Steuerberater werden

Steuerberater werden

Steuerberater, das ist ein abwechslungsreicher und herausfordernder Beruf, weit entfernt vom langweiligen Image, das er manchmal noch hat. Wir zeigen Ihnen, wie Sie zum gefragten Experten in Sachen Geld werden.

Was machen Steuerberater?

Des einen Leid ist des anderen Freud – und sein täglich Brot. Wohl kaum eine Berufsgruppe innerhalb der sogenannten Wissensarbeiterschaft verdankt ihren Job einer Tätigkeit, die für die meisten Menschen undenkbar wäre: Denn wer sich von Berufswegen mit dem Thema Steuern beschäftigt, der erntet beim ersten Kennenlernen gerne mal ein mitleidig klingendes „Oh Gott“, das aber durchaus anerkennend gemeint ist.

In Wahrheit nämlich dürften die allermeisten Menschen heimlich das bewundern, was ihr Steuerberater so leistet. Wer sich im Dschungel deutscher Steuergesetzgebung (die sich fast jedes Jahr wieder massiv verändert) so gut auskennt, dass er anderen verlässlich und rechtssicher beratend zur Seite stehen kann, ist als Experte bei Unternehmen und Privatpersonen begehrt.

Dabei umfasst die Palette der Tätigkeiten eines Steuerberaters nicht nur die typischen Einkommens- und Umsatzsteuerangelegenheiten. Auch als Vertretung bei finanzgerichtlichen Prozessen und als Berater bei sämtlichen betriebswirtschaftlichen Problemen, vom Jahresabschluss eines Startups bis zum Insolvenzverfahren eines Konzerns, sind Steuerberater gefragt.

Voraussetzungen & Fähigkeiten

Neben sehr guten mathematischen Kenntnissen, einem ausgeprägten Hang zur Sorgfalt und dem Spaß an Zahlen und Tabellen, sind auch bei Steuerberatern – vielleicht überraschend – die sogenannten Soft Skills wichtig: Einfühlungsvermögen (jeder Mandant ist anders), Geduld (mit Kunden und Finanzämtern) und durchaus auch Lust auf Verantwortung. Denn Fehler in diesem Job sind meistens teuer und manchmal auch existenzgefährdend.

Steuerberater Ausbildung

Neben einigen Sonderwegen, die hauptsächlich über einen Quereinstieg von verwandten Berufen funktionieren, gibt es zwei Möglichkeiten, Steuerberater zu werden: über ein Studium oder eine Ausbildung. Die beiden Wege unterscheiden sich vor allem durch die Berufserfahrung, die man benötigt, um das Steuerberaterexamen abzulegen: Je nach zugrunde liegendem Abschluss müssen Sie zwischen einem und zehn Jahren Berufserfahrung sammeln, bevor Sie zur Steuerberaterprüfung zugelassen werden können.

Unterschiedliche Wege in den Beruf

Berufsausbildung als Steuerfachangestellter

Der erste mögliche Weg, um Steuerberater zu werden, ist eine klassische Berufsausbildung. Die meisten angehenden Berater absolvieren nach einem Realschulabschluss oder Abitur die Ausbildung als Steuerfachangestellte/r.  Die Ausbildung wird meistens in Steuerkanzleien, Unternehmensberatungen und bei Wirtschaftsprüfern durchgeführt, es gibt aber auch Azubi-Stellen bei Behörden.

Dabei werden theoretische und praktische Einblicke ins Steuerwesen vermittelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier schon zu Beginn auf der komplexen Welt der Steuergesetze.

Nach drei Jahren Ausbildung übernimmt man als Steuerfachangestellter sowohl organisatorische Aufgaben im Unternehmen als auch Tätigkeiten bei Mandatsaufträgen, in denen man den Steuerberatern zuarbeitet. 

Oftmals übernehmen auch die Steuerfachangestellten Aufgaben, die rein rechtlich gesehen dem Steuerberater vorbehalten sind, z.B. die Jahresabschlüsse von Privatkunden oder kleineren Unternehmen. Die rechtliche Verantwortung verbleibt dabei aber beim Steuerberater.

Nach im Durchschnitt rund 10 Jahren berufspraktischer Erfahrung kann man dann das Steuerberaterexamen ablegen und so zum Steuerberater ernannt werden. Eine Verkürzung dieser langen Berufsphase ist nur durch eine Weiterbildung zum Steuerfachwirt möglich, die man parallel zu seiner Tätigkeit als Steuerfachangestellter absolvieren muss. Mit dieser sind 7 Jahre Berufspraxis bis zur Zulassung zur Steuerberaterprüfung notwendig. 

Steuerberater werden

Per Studium Steuerberater werden

Die meisten Steuerberater kommen nach wie vor durch den klassischen Ausbildungsweg in den Job. Es gibt aber seit einigen Jahren immer mehr Berufsanfänger, die ihre Steuerberaterkarriere mit einem wirtschafts- oder rechtswissenschaftlichen Hochschulstudium oder einem Studium mit wirtschaftswissenschaftlicher Fachausrichtung beginnen. Bei diesem akademischen Weg gibt es zwei Möglichkeiten, die später zum Steuerberaterexamen (das auch für Akademiker verbindlich ist) führen.

Zu einem, wenn das Studium eine Regelstudienzeit von mindestens 4 Jahren hatte – also bei einem Master-Abschluss oder einem juristischen Staatsexamen). Dann muss man anschließend noch mindestens zwei Jahre praktische Erfahrung, etwa in einem Steuerbüro oder einer Wirtschaftsprüferkanzlei sammeln, bis es zum Steuerberaterexamen kommen kann.

Bei einem Bachelor- oder einem vergleichbaren Abschluss, bei dem das Studium eine Regelstudienzeit von weniger als vier Jahren hat, muss die Praxiszeit vor dem Steuerberaterexamen mindestens drei Jahren betragen.

Zusätzlich zu diesen beiden klassischen Wegen gibt es seit einigen Jahren auch bei Steuerfachangestellten die Möglichkeiten, ein duales Studium zu absolvieren. 

Wie läuft das Steuerberaterexamen ab?

Das bundesweit einheitlich ablaufende Steuerberaterexamen, oft auch schlicht Steuerberaterprüfung genannt, gilt wegen der sehr komplexen Inhalte, dem enormen Lernpensum und den schwierigen Klausuren und mündlichen Prüfungen als eine der schwersten Abschlusstests in Deutschland. Nur rund 50 Prozent der Kandidaten bestehen im ersten Anlauf (insgesamt drei sind erlaubt).

Das Steuerberaterexamen besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Der schriftliche Prüfungsteil umfasst drei Klausuren von jeweils sechs Stunden, in denen die Inhalte aus Steuerrecht, Steuerarten, Buchführung und Bilanzwesen jeweils im Stil eines Gutachtens bearbeitet werden müssen.

Die mündliche Prüfung vor einer Expertenkommission umfasst ebenfalls alle nur denkbaren Steuerfragen, aber auch Elemente aus Volks- und Betriebswirtschaft sowie Straf- und Handelsrecht. Sie besteht aus einem Kurzvortrag und einem Prüfungsdialog.

Wo können Steuerberater arbeiten?

Steuerberater können dank permanent guter Nachfrage zwischen zahlreichen Einsatzmöglichkeiten und Orten wählen. Klassische Startstation ist für viele natürlich eine Steuer- oder ein Rechtsanwaltkanzlei, gerne dort, wo man auch gelernt und als Fachangestellter gearbeitet hat.

Nach ein paar Jahren zieht es viele angestellte Steuerberater zu Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Banken oder großen Unternehmen. Oder sie wagen den Sprung in die Selbstständigkeit. Beides lässt die ohnehin guten Verdienstmöglichkeiten noch einmal deutlich steigen.

Wieviel verdienen Steuerberater?

Steuerfachangestellte können nach ihrer Berufsausbildung je nach Alter, Erfahrung und Firmengröße zwischen 2000 und 3500 Euro brutto verdienen.  Wer als Akademiker in die Branche einsteigt, etwa als Wirtschaftsprüfer oder als Consultant bei einer Unternehmensberatung, kann ein Gehalt zwischen 3000 und 4500 erwarten.

Als examinierter Steuerberater gibt es bei den Verdiensten im Prinzip kaum eine Obergrenze, im Durchschnitt werden rund 7500 Euro im Monat erreicht. Gut laufende Steuerkanzleien, Consultingfirmen oder große Konzerne bieten ihren erfahrensten Beratern Gehälter von 10.000 Euro und mehr.

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