Arbeitslos wegen Corona – und was nun?

Arbeitslos wegen Corona - das können Sie tun

Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Shutdown wirken sich auch auf die Wirtschaft aus. Weil viele Unternehmen finanzielle Einbußen machen, müssen sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Damit Sie als Betroffener schnell Ihr Arbeitslosengeld bekommen, müssen Fristen eingehalten und Anträge gestellt werden.

Schnell aktiv werden

Viele Läden sind geschlossen, Unternehmen haben mit Auftragsrückgängen zu kämpfen – für viele Arbeitgeber bedeutet das: Sie müssen Beschäftigte entlassen. Für die Betroffenen ist die Kündigung zunächst ein Schock. Und besonders in Zeiten, die ohnehin Unsicherheiten mit sich bringen und Ängste wecken, ist der Jobverlust eine weitere Belastung. Sowohl finanziell als auch psychisch.

Dennoch ist es wichtig, dass Betroffene nun nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern schnell aktiv werden. So geht es erst einmal darum, Arbeitslosengeld zu beantragen, damit Miete, Strom, Wasser und Lebensmittel weiterbezahlt werden können. Aber wie sieht die Arbeitslosenmeldung in Zeiten einer Pandemie aus? Was ist anders als zuvor?

Verlieren Sie in der Corona-Krise Ihre Stelle, genügt zunächst ein Anruf bei Ihrem zuständigen Arbeitsamt, um sich arbeitslos zu melden. Nach dem Telefonat erhalten Sie Ihren Antrag auf Arbeitslosengeld, den Sie nach dem Ausfüllen mit der Post oder per E-Mail verschicken. 

Online Arbeitslosengeld beantragen

Und es geht auch online. Nutzer, die für den eService der Bundesagentur für Arbeit registriert sind, können ihr Arbeitslosengeld auch online beantragen. Dazu füllen Sie den für Sie relevanten Antrag vollständig aus und übermitteln ihn online an die Agentur für Arbeit. 

Weil persönliche Gespräche während der Corona-Krise aufgrund des Infektionsrisikos nicht vorgesehen sind, müssen Sie im Online-Antrag mitteilen, dass noch keine persönliche Arbeitslosmeldung erfolgt ist. Wenn die Arbeitsagenturen wieder normal geöffnet sind, müssen Arbeitslose diese nachholen. Dazu werden die Betroffenen persönlich eingeladen und müssen einen gültigen Ausweis oder alternativ Pass- und Meldebescheinigungen mitbringen. Wann genau das sein wird, lässt sich angesichts des Shutdowns derzeit aber noch nicht mit Bestimmtheit sagen. 

Der Vorteil der Online-Meldung: Sie sind zeitlich unabhängig und müssen sich nicht an die Öffnungszeiten der für Sie zuständigen Arbeitsagentur halten. Außerdem kann es passieren, dass die Arbeitsagenturen aufgrund der aktuellen Situation telefonisch schwer erreichbar sind. 

Online arbeitslos melden

Fristen einhalten

Wichtig ist es, die notwendigen Fristen einzuhalten. So müssen sich Betroffene innerhalb von drei Tagen nach ihrer Kündigung arbeitslos melden. Während dies in der Regel drei Monate vor der Kündigung erfolgen muss, ist dies in der aktuellen Situation nicht möglich, da viele Betroffene sehr kurzfristig von ihrer Entlassung erfahren. Umso wichtiger ist es, die Drei-Tages-Frist nicht verstreichen zu lassen und sich innerhalb dieses Zeitraums arbeitslos zu melden, damit das Arbeitslosengeld schnell ausgezahlt wird. 

Ganz wichtig: Auch, wenn es in der Corona-Krise naheliegt, dass Unternehmen im Zuge wirtschaftlicher Schwierigkeiten Angestellte entlassen müssen, sollten Sie genau hinschauen. Denn eine Kündigung muss immer gerechtfertigt sein. Wird die Corona-Krise nur vorgeschoben, können Sie rechtlich gegen Ihre Entlassung vorgehen. Lassen Sie die Kündigung darum auf jeden Fall prüfen und wenden Sie sich im Zweifel an einen Anwalt oder an Ihren Personalrat. Achtung: Eine Klage gegen die Kündigung muss dabei grundsätzlich innerhalb von drei Wochen beim Amtsgericht eingehen.

Arbeitslosengeld: Höhe und Anspruch

Um Arbeitslosengeld zu bekommen, müssen Sie einige Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie müssen in den letzten 30 Monaten vor Ihrer Arbeitslosigkeit mindestens zwölf Monate lang versicherungspflichtig gearbeitet haben.
  • Sie haben sich rechtzeitig, innerhalb von drei Tagen nach Ihrer Kündigung, arbeitslos gemeldet.
  • Sie sind erwerbsfähig, können also arbeiten, und suchen eine versicherungspflichtige Stelle.

Darüber hinaus gibt es einige Ausnahmen. Erkundigen Sie sich also im Zweifel bei Ihrer Arbeitsagentur, ob Sie Arbeitslosengeld bekommen, auch wenn Sie eine oder mehrere Bedingungen nicht erfüllen. 

Die Höhe des Arbeitslosengeldes richtet sich nach Ihrem Netto-Gehalt. In der Regel erhalten Arbeitslose 60 Prozent ihres Netto-Einkommens. Menschen mit Kindern erhalten 67 Prozent.  Für einen ersten schnellen Überblick, wie viel Arbeitslosengeld Sie erwarten können, dient dieser Online-Rechner der Bundesagentur für Arbeit.

Grundsicherung ohne Vermögensprüfung

Doch was passiert, wenn Sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben? In so einem Fall können Sie die Grundsicherung, das sogenannte Arbeitslosengeld II, beantragen. Diese Leistung können übrigens auch Menschen beantragen, die arbeiten gehen, deren Gehalt aber nicht für den Lebensunterhalt reicht. Die Vermögensprüfung wird dabei aktuell für ein halbes Jahr ausgesetzt. 

Der Antrag auf Grundsicherung kann zurzeit vor allem per E-Mail, dem eService oder per Post gestellt sowie formlos in den Hausbriefkasten der zuständigen Arbeitsagentur geworfen werden. Telefonische Dienste sind auch hier zurzeit häufig überlastet.

Der Antrag sollte folgendermaßen lauten: „Hiermit beantrage ich für mich und meine Angehörigen Grundsicherung für Arbeitsuchende“. Listen Sie die Namen aller Personen in Ihrem Haushalt und deren Alter auf, denn für alle dazugehörenden Menschen wird Hilfe geleistet. Vergessen Sie nicht Ihre vollständige Adresse und eine Telefonnummer anzugeben, damit das Jobcenter zu Ihnen Kontakt aufnehmen kann. Erforderliche Unterlagen, etwa eine Kopie Ihres Mietvertrages, können auch später nachgereicht werden.

Initiative zeigen und Chancen nutzen

Auch, wenn Ihnen die Arbeitslosigkeit zunächst den Boden unter den Füßen wegreißt, ist eines ganz wichtig: Bleiben Sie am Ball. Kümmern Sie sich darum, dass Sie ein gutes Zeugnis von Ihrem Arbeitgeber erhalten, damit Sie sich schnellstmöglich auf neue Stellen bewerben können und feilen Sie an Ihren Bewerbungsunterlagen

Selbst wenn Ihnen die Aussicht auf eine neue Stelle in der aktuellen Situation auf den ersten Blick nahezu aussichtslos erscheint, machen Sie das Beste draus. Nutzen Sie die Zeit etwa, um sich weiterzubilden. Mithilfe von Online-Seminaren und -Schulungen können Sie aufsatteln. Erkundigen Sie sich dazu auch bei Ihrer Arbeitsagentur, ob und welche Kosten für Weiterbildungen übernommen werden. So können Sie die Corona-Krise auch zum Anlass für eine berufliche Neuorientierung nehmen.

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