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So sieht’s aus: Deutsche Unternehmerinnen im Jahr 2018

Anfang 2018 veröffentlichte das Weltwirtschaftsforum seinen Global Gender Gap Report 2017 und macht damit deutlich, dass Frauen weltweit nach wie vor deutlich weniger Geld für die gleiche Arbeit verdienen als ihre männlichen Kollegen  – und dieser Trend nahm laut Forum im vergangenen Jahr sogar noch zu. In der Bundesrepublik allein liegt die monetäre Ungleichheit aktuell bei rund 21 Prozent. Doch gilt dies auch für andere Länder der westlichen Welt oder hängt Deutschland hier einer weltweiten Entwicklung hin zu mehr Gleichheit hinterher? Zum bevorstehenden Equal Pay Day 2018 werfen wir einen genaueren Blick auf die Situation von Unternehmerinnen weltweit.

Die aktuelle Situation in Deutschland

Die Bundesrepublik gilt in Sachen Politik, Wirtschaft und Bildung weltweit als fortschrittliches Land. Im Gesamtvergleich der Mitgliedsstaaten der europäischen Union ist die Gehaltskluft zwischen den Geschlechtern allerdings fast nirgendwo so groß wie in Deutschland (Platz 26 von 28). Innerhalb der Europäischen Union werden Frauen derzeit nur in Estland und Tschechien noch unfairer bezahlt. Die Gründe für diese deutlichen Gehaltsunterschiede sind laut Destatis wohl bekannt: Unterschiede in den Berufen und Branchen, ungleich verteilte Anforderungen der Arbeitsplätze bezüglich Qualifikation und Führung sowie häufige geringfügige und Teilzeitarbeit auf Seiten der Frauen.

Unterm Strich werden deutsche Frauen also schlechter bezahlt, arbeiten häufiger umsonst und deutlich seltener in gut bezahlten Führungspositionen als ihre männlichen Kollegen.

Women in business infographic

 

Männer machen keine Überstunden und Frauen werden nicht fremdfinanziert

Anlässlich des International Women’s Day befragte das Team des Grafik-Marktplatzes 99designs über 3.000 Unternehmerinnen und Unternehmer. Die Ergebnisse dieser weltweiten Umfrage machen eines deutlich: Die alltäglichen Unterschiede zwischen Business-Frauen und Männern finden in aktuellen Headlines oftmals kein Gehör. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Frauen erhalten oftmals weniger finanzielle Förderung: Während rund 28 Prozent aller befragten Männer eine Finanzierung in Höhe von 100.000 US-Dollar oder mehr durch Investoren erhielten, trifft dies nur auf 15 Prozent der befragten Frauen zu.
  • Die fehlende Grundfinanzierung hat Einfluss auf die folgende Planung: So fiel es den nicht geförderten Frauen laut Umfrage von Anfang an deutlich schwerer, geeignetes Personal einzustellen, entsprechende Büroflächen zu mieten und angemessene Arbeitszeiten einzuhalten.
  • Auch mit Finanzierung expandieren Frauen deutlich langsamer: Laut Umfrage können rund 52 Prozent der Männer mehr als zwei Angestellte beschäftigen. Bei den Teilnehmerinnen der Umfragen können sich dies nur 32 Prozent leisten. Kleine Zusatzinfo: Spitzenreiter sind Unternehmerinnen weltweit übrigens in Sachen zusätzliche Nachtschichten (67 Prozent Frauen gegenüber 61 Prozent Männer)
  • Der gesellschaftliche Druck auf Frauen bleibt groß: In ihrer klassischen Rolle als Ernährer können und müssen sich viele Männer nach wie vor auf ihre Karriere konzentrieren. Viele Frauen können genau das nach wie vor nicht. Sie übernehmen neben ihrer Arbeit häufig Aufgaben im häuslichen und familiären Umfeld. Das zeigt sich auch in der Homeoffice-Bilanz der 99designs-Umfrage: 68 Prozent der befragten Unternehmerinnen arbeiten von zuhause. Bei ihren männlichen Kollegen sind’s hingegen nur 48 Prozent.
  • Die Familienplanung wirkt sich auf den Zeitpunkt der Gründung aus: Viele Frauen widmen sich erst nach abgeschlossener Familienplanung einem eigenen Business. Laut Umfrage waren rund 52 Prozent der befragten Frauen zum Zeitpunkt ihrer Unternehmensgründung über 35 Jahre alt. Ganz klar früher dran sind ihre männlichen Kollegen: Hier warteten nur 37 Prozent bis zu ihrem 36. Lebensjahr, um sich den Traum vom eigenen Business zu erfüllen.

Zwei Geschlechter, ein Traum

Die Befragung ergab jedoch auch, dass sich Männer und Frauen in vielen Bereichen ähneln. So gründen beide häufig in denselben Branchen und gehen auch in Sachen Kapitalbeschaffung ähnlich vor: Beide Geschlechter nennen Freunde und Familie als häufigste Finanzierungsquelle für das eigene Business. Überraschend ausgewogen ist jedoch vor allem die Sache mit den Schuldgefühlen: Wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht, empfinden alle Teilnehmer der weltweiten Umfrage ein ähnliches Level an Schuldgefühlen. Darüber hinaus sehen sie sich beim Gründen häufig denselben Ängsten wie z. B. dem Scheitern der Selbständigkeit ausgesetzt.

Erfolgsrezepte für Unternehmerinnen

Wird in Zeiten von #MeToo und Frauenquote alles anders – und vielleicht sogar besser? Die Ergebnisse der 99designs-Umfrage zeigen, dass die Zahl selbstständiger Unternehmerinnen weltweit steigt. Immer mehr Frauen machen sich selbstständig und gründen eigene Unternehmen. Dies geschieht nicht zuletzt, weil sich kompetente Entrepreneure wie Entrepreneurinnen immer häufiger vernetzen.

So bietet beispielsweise das österreichische Frauennetzwerk The Sorority eine Plattform, auf der sich Business-Frauen jeden Alters gegenseitig durch Tipps und Hinweise auf Jobs unterstützen können. Eine ähnliche Funktion hat das WILMA-Netzwerk der Helga Breuninger-Stiftung in Deutschland. Frauen, die auf ihrem Karriereweg die Unterstützung einer starken Community wollen, können sich wiederum bei der von der Zeitschrift Edition F ins Leben gerufenen Female Future Force registrieren.

Letztlich ist es die enge Verbundenheit mit inspirierenden Unternehmerinnen, die jungen Frauen auf dem Weg in die (finanzielle) Selbstständigkeit nachhaltig helfen wird. Wir haben mit erfolgreichen Unternehmerinnen und echten Vorreiterinnen gesprochen und ihre authentischen Ratschläge von Frau zu Frau festgehalten:

Jennifer Fitzgerald setzt auf guten Rat

Jennifer Fitzgerald
Quelle: Jennifer Fitzgerald

Policygenius ist eine Vergleichsplattform für Versicherung. Gründerin Jennifer Fitzgerald machte ihre ersten Gründer-Schritte vor vier Jahren noch am Küchentisch, heute beschäftigt sie bereits 130 Mitarbeiter. Ihr wichtigster Tipp für Gründerinnen: sich Tipps von jemandem holen, der denselben Weg kurze Zeit vorher schon gegangen ist.

Ratschläge in Echtzeit sind besser als jedes Wirtschaftsbuch!”

Mauria Finley nimmt Herausforderungen an

Mauria Finley
Quelle: Mauria Finley

Mauria Finely ist Gründerin des Unternehmens Allumne, einem Online Shopping-Service, der Frauen und Stylisten zusammenbringt. Der erste wichtige Schritt auf ihrem Karriereweg war für Finley die Erkenntnis, dass sie auch als Kind einer Arbeiterfamilie über die Ressourcen verfügt, um ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Mir war nicht einmal bewusst, dass jemand wie ich Informatik studieren, Produktmanagerin werden oder ihr eigenes Unternehmen gründen konnte.”

Laut Finley könne man die nächste Generation weiblicher Unternehmerinnen vor allem dadurch stärken, indem man ihnen Projekte gibt, die sie wirklich herausfordern.

Meryl Draper ist ein Fan von Zugeständnis

Meryl Draper
Quelle: Meryl Draper

Der wichtigste Business-Tipp von Meryl Draper, Gründerin der Werbeagentur Quirk Creative ist es, die eigenen Ideen auch tatsächlich umzusetze.

Mach es offiziell. Wenn du eine Idee im Kopf hast, lass dein Unternehmen einfach eintragen. Dein Unternehmen offiziell zu machen, wird dir dabei helfen, deinen Traum ernst zu nehmen!”

Positive Aussichten für 2018

Sie sind gut ausgebildet, denken modern und gehören häufig zum progressiven Teil der internationalen Wirtschaft: Unternehmerinnen sind 2018 trotz aller Widerstände auf dem Vormarsch. Aktuelle Studien aus den USA belegen sogar, dass weiblich geführte Unternehmen im Schnitt doppelt so gut performen wie die der männlichen Wettbewerber. Jede moderne Führungskraft sollte sich folglich für die Förderung seiner talentierten und motivierten Mitarbeiter einsetzen – seien sie männlich oder weiblich. Nur so können Unternehmen auch künftig dafür sorgen, dass Innovationen überhaupt den Markt erreichen und die Vorteile weiblicher Führungskräfte die eigene Kultur positiv beeinflussen.

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Über die Autorin:

Vivecca Frank beschäftigt sich seit 2012 mit unterschiedlichsten Aspekten des Online Marketings. Während ihres Journalismus-Studiums arbeitete sie als freiberufliche Texterin und entwickelte Content-Ideen und Formate. Seit 2017 ist sie als Online Marketing-Trainee für 99designs, den weltweit größten Grafikdesign-Marktplatz, unterwegs. Hier schreibt sie regelmäßig spannende Blogbeiträge und hält Kontakt zu nationalen wie internationalen Medien. Neben Design, Marketing und Branding interessiert sie sich für Reisen und Fotografie.